Alter Mann mit grauen Haaren und Bart
Manfred Schlenker (1926–2023). Foto: Manfred-Schlenker-Gesellschaft. Bildbearbeitung: dk

Manfred Schlenker: Gottes Wort vertont

Manfred Schlenker, Kantor, Komponist und Pädagoge, wäre am 15. März 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass gibt es Festtage am Dom in Stendal und ein Festbuch.

Von Klaus Büstrin

Berlin/Stendal. In Manfred Schlenker lebte etwas von dem Wesentlichen, das Kirchenmusiker bis heute in ihr Wirken legen: das Gebot des „Soli Deo Gloria“. Am 15. März wäre der in Berlin Geborene 100 Jahre alt geworden. Nach seinem Kirchenmusikstudium in Halle ging er 1956 als Kantor an den Dom in Stendal. 19 Jahre hat er das kirchenmusi­kalische Amt am Dom der altmärkischen Stadt ausgefüllt.

Mit Festtagen vom 13. bis 15. März wird die Stendaler Stadtgemeinde ihren ehemaligen Kantor feiern und dessen Verdienste für die Musica sacra in Stendal und darüber hinaus würdigen. Konzerte, ein offenes Singen, eine Kantatenaufführung und der Gottesdienst mit Pfarrerin Margot Käßmann gehören zu den Veranstaltungen rund um den Geburtstag, den Schlenker aber selbst nicht mehr erleben kann. Er starb vor gut drei Jahren, 97-jährig.

Damals wurde Manfred Schlenker aus der Sonntagskollekte bezahlt

Unter maßgeblicher Initiative von Dompfarrer Markus Schütte hat die Gemeinde mit Unterstützung der Manfred-Schlenker-Gesellschaft ein Festbuch zum Jubiläum herausgegeben. Wegbegleiter und Zeitzeugen seines Lebens und Wirkens kommen zu Wort und natürlich eigene Erinnerungen und Erfahrungen. Sie geben wertvolle Informationen über das Leben und Wirken von Kirchenmusikern zu DDR-Zeiten, wurden sie doch staatlicherseits oftmals von Repressionen betroffen. Besonders das Singen von Kindern und Jugendlichen in Kirchenchören war den SED-Oberen ein Dorn im Auge.

Die Gehälter der Kantoren bewegten sich vor allem in den 50er-Jahren auf unterem Niveau. Manfred Schlenker konnte davon ein Lied singen. Er erinnerte sich, dass er mehrere Jahre lang wöchentlich aus der Sonntagskollekte bezahlt wurde, was sich bei der schnell wachsenden Familie als proble­matisch erwies. Konsistorialrat Eberhard Schmidt, der spätere Propst der Altmark, setzte sich am Ende für eine regelmäßige Gehaltszahlung ein.

Manfred Schlenker: Sein Geist, Wirken und Vorbild

Kantor Schlenker hat den Facettenreichtum der Kirchenmusik in Stendal mit hohem Einsatz immer deutlich gemacht. Der Weimarer Opernsänger Günter Moderegger, der musikalische Impulse von Schlenker in Stendal erhielt, erzählt es so: „Ohne Eigennutz und persönliche Eitelkeit organisierte er eine Kantorei-Arbeit, die ihresgleichen suchte mit Kinderchor, Kurrende, Jugendchor und Domchor, dazu Posaunenchor und verschiedene Instrumentalkreise.“ Als Propsteikirchenmusikwart gründete er die Altmärkische Kantorei, die die Region mit geistlichen Konzerten bereicherte und Musik bis in die entlegensten Ecken brachte.

Im Jahr 1975 erhielt der Stendaler Domkantor den Ruf aus Greifswald, das dortige Domkantorenamt in St. Nikolai zu übernehmen. In der Nachfolge von Hans Pflugbeil wuchsen Schlenkers Aufgaben in die Breite. Neben dem Kantorenamt und dem des Landeskirchenmusik­direktors gehörte vor allem die Leitung der renommierten Greifswalder Bachwoche, die Gäste aus nah und fern nach Greifswald brachte, zu seinem Tätigkeitsfeld.

Besonders die Kirchenmusik in Ostdeutschland ist von Manfred Schlenker geprägt

Weitreichend war auch das Direktorenamt der Kirchenmusikschule in Greifswald. Durch die große Anzahl der Studierenden, die in dieser Institution die Ausbildung absolvierten, wird bis heute die Kirchenmusik – besonders in Ostdeutschland – von seinem Geist und Wirken, seinem Anspruch und Vorbild geprägt. In seine Greifswalder Zeit fielen die Kompositionen zu Liedern, die im Hauptteil des Evangelischen Gesangbuchs Aufnahme fanden. Vor allem die Vertonungen der Gedichte „Komm in unsere stolze Welt“ (EG 428) und „Es wird sein in den letzten Tagen“ (EG 426) sind nach wie vor aktuell und gehören zum bevorzugten Kirchenliedgut.

Während des Ruhestands ab 1988 in Stolpe und Hohen Neuendorf bei Berlin genoss Schlenker intensiv das Komponieren. Mit hoher Konzentration und unbändiger Freude schuf er geistliche und weltliche Lieder, Motetten, Kantaten, oratorische Werke, Musik für Orgel, Holz- und Blechbläser sowie für Posaunenchöre. In den Werken Manfred Schlenkers findet man keine Modeströmungen, sondern Klarheit und die Vermeidung von Überflüssigem. Allein das Wort Gottes soll durch die Musik erlebbar gemacht werden.

Anlässlich des 100. Geburtstages des ehemaligen Domkantors Manfred Schlenker veranstaltet die Stadtgemeinde zusammen mit der Manfred-Schlenker-Gesellschaft vom 13. bis 15. März drei Manfred-Schlenker-Festtage.

Mehr zu den Terminen gibt es hier.

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