Vielleicht wird der volle Mond ein Licht über den Pfarrgarten in Wittstock legen, wenn die Besucher des „Taschenlampengottesdienstes“ ihre mitgebrachten Lichtquellen anknipsen. In die spätabendliche Stimmung des Karsamstages am 4. April um 21 Uhr hinein wird Heide Schütt über die Passion sprechen. Die diplomierte Theologin ist in der Kirchengemeinde Wittstock für die Arbeit mit Kindern, Konfirmanden und Jugendlichen zuständig. Sie ermuntert die Besucher – Groß und Klein –, Pfarrgarten und Kirchturm mit Taschenlampen nach Gegenständen abzusuchen, die am heutigen Tag etwas Besonderes zu erzählen haben. Ein Löwe könnte eine Rolle spielen, wahrscheinlich auch ein Krug, der mit Papiertränen gefüllt ist.
Taschenlampengottesdienst in Wittstock und Rieseneier in Berlin
Der Wittstocker „Taschenlampengottesdienst“ ist eines der ungewöhnlichen Angebote, die in der Karwoche und an den Osterfeiertagen von Kirchengemeinden in der Lausitz, in Brandenburg und Berlin gemacht werden. In Berlin sind am vergangenen Sonntag zum Beispiel sieben Rieseneier eingezogen, gestaltet von Berliner Künstlerinnen und Künstlern in Kooperation mit Pfarrerin Jasmin El-Manhy. Die Eier sollen neugierig machen und zum Nachdenken und Miteinandersprechen anregen, teilt der Kirchenkreis Stadtmitte mit.
So stellt zum Beispiel das „Philosophische Ei“ vor der Samariterkirche in Friedrichshain jeden Tag andere Fragen. Das „Landei“ macht in der Karwoche Urlaub auf dem Land und zieht von Dorf zu Dorf rund um Luckenwalde. Am Karfreitag versammeln sich die Eier vor dem Lazarus-Haus in Berlin-Friedrichshain für das Stück „Die Osternacht als Fuck Up Night.“
Ökumenische Kreuzwege
Viele Kirchen erinnern mit einem „Kreuzweg“ am Karfreitag, 3. April, an die Passion Jesu, oft zusammen mit den Glaubensgeschwistern der Ökumene. Durch Berlins Innenstadt führt alljährlich eine ökumenische Prozession mit einem großen grünen Kreuz an der Spitze. Los geht es um 11 Uhr nach dem Gottesdienst an der St. Marienkirche. Andere Prozessionen führen vom Berliner Stadtkloster Segen aus durch die Stadtteile Prenzlauer Berg und Mitte (11 Uhr) oder durch Potsdam (St. Nikolaikirche, 10 Uhr).
Termine (Auswahl)
- 4. April, 18.15 Uhr: Andacht zur Grabesruhe Jesu am Heiligen Grab Görlitz mit Generalsuperintendentin Theresa Rinecker
- 5. April, 10 Uhr: Gottesdienst mit Bischof Christian Stäblein, Berliner Dom
- 5. April, 10 Uhr: Gottesdienst mit Generalsuperintendentin Julia Helmke, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Berlin
- 6. April, 11 Uhr: Innenstadtgottesdienst mit Generalsuperintendent Kristóf Bálint, Friedenskirche Potsdam
Passionsweg durch Forstbotanischen Garten in Eberswalde
Ein Passionsweg für Kinder, Familie und Neugierige ist der Gang durch den „Forstbotanischen Garten“, zu dem die Kirchengemeinde Eberswalde um 10 Uhr vor dem Eingang einlädt. „Wir gehen gemeinsam ein Stück zu Fuß durch den Wald“, heißt es in der Einladung. „Begleitet von den Erzählungen rund um Jesus schweren Weg durch Jerusalem bis zu seiner Kreuzigung in Golgatha.“ Ein Kreuzweg mit jahrhundertealter Tradition geht am Karfreitag ab 13.30 Uhr von der Peterskirche in Görlitz zum „Heiligen Grab“. Der ökumenische Kreuzweg gilt als zentrales Element der Lausitzer Regionalkultur. Jährlich nehmen etwa 700 Menschen am Kreuzweg durch die Stadt teil.
Osterfeuer in der Nacht
Viele Kirchengemeinden verbinden die Feier der Osternacht mit dem Osterfeuer, zum Beispiel die Kirchengemeinde Basdorf-Wandlitz-Zühlsdorf, die im Rahmen der Osternachtsfeier am Karsamstag zwischen 21 und 22.30 Uhr ein Osterfeuer anzündet. Rund 20 Osterfeuer, vornehmlich in brandenburgischen Gemeinden, listet die Landeskirche online auf, die entzündet werden, manchmal gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr. Diese Osterfeuer, die in der Dunkelheit der Nacht – Symbol für Tod, Sünde und Hoffnungslosigkeit – aufflammen, symbolisieren die Auferstehung Jesu Christi.
Ostermorgen zum Sonnenaufgang
Am Ostermorgen wird unter dem Motto „Du! Wo ist Leben für dich?“ in der Trinitatiskirche Berlin-Charlottenburg ab 7 Uhr die Verknüpfung von Auferstehungshoffnung und aktuellem Widerstand gegen Unrecht zum Thema einer „Politischen Osternacht“. „Sie verbindet christliche Osterbotschaften mit gesellschaftspolitischen Themen“, sagt Pfarrerin Theresa Dittmann vom Berliner Amt für kirchliche Dienste (AKD), die zusammen mit ihrer Kollegin Manon Althaus den Gottesdienst ausrichtet.
Da oder dort sind die Festgottesdienste am Ostersonntag verbunden mit Taufe oder Tauferinnerung, etwa am Ostersonntag um 11 Uhr in der Dreieinigkeitskirche in Berlin-Neukölln. Einem „Ostergottesdienst mit allen Sinnen“ gibt es am Ostersonntag um 10 Uhr im Potsdamer Oberlinhaus. In der Einladung heißt es: „Bibeltexte werden zum Beispiel durch Pantomime, mit Musik, Gebets- und Körpergebärden dargestellt.“ Auch eine Gebärdendolmetscherin ist vor Ort.
Berliner Stadtmission feiert am 1. April mit Obdachlosen
Ein vorgezogenes Osterfest feiert die Berliner Stadtmission am 1. April, wie der Evangelische Pressedienst (epd) mitteilt. Gemeinsam mit dem Verein „Padar Humanitas“ werde es für 120 obdachlose Menschen im Zentrum am Zoo Live-Musik, Festessen und versteckte Ostergeschenke geben. So sollen die Menschen „für ein paar Stunden den Alltag auf der Straße vergessen“, heißt es von der Stadtmission. Unterschiedliche Berliner Gastronomien würden das Essen spenden, während ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unter anderem beim Aufbau und der Ausgabe des Essens unterstützen. Schirmherr der Veranstaltung ist der Fernsehmoderator Ulli Zelle.



