Junge Frau mit Schriftrolle
Helene Braun am Toraschrein. Foto: Thomas Marin

Was macht eine Rabbinerin? – Jugend erkundet jüdisches Leben in Oranienburg

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Oranienburg lud Jugendliche zu einer interaktiven Begegnung mit dem Judentum ein – inklusive Einblicken in Feste wie Pessach, Chanukkah und Purim sowie einem Quiz im Gemeindezentrum.

Von Thomas Marin

Oranienburg. Mit ihrer ersten Veranstaltung für junge Leute landete die vor knapp einem Jahr gegründete Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) in Oranienburg kurz vor Ostern einen Auftakterfolg. Jugendliche aus den Oranienburger Kirchengemeinden waren in das Zentrum der Jüdischen Gemeinde „Wiedergeburt“ zu einer „Begegnung mit dem Judentum“ eingeladen, das angesichts der Teilnehmerzahl hart an seine Kapazitätsgrenzen kam.

Helene Braun aus Berlin, die auf Instagram unter @leni_lafayette auch als „Religionsinfluencerin“ ­aktiv ist, stand den Jugendlichen Rede und Antwort. Die Rabbinatsstudentin am Potsdamer Abraham Geiger Kolleg erreicht im Internet fast 35.000 Abonnenten ihres ­Kanals mit Informationen über ­jüdisches Leben.
Was machen Rabbiner und welche jüdischen Feste gibt es? Einige der jungen Leute hatten schon von Schabbat, Chanukkah und Pessach gehört, nur wenige waren schon einmal in einer Synagoge. Die Inhalte der Feste und deren Gestaltung waren den meisten neu. „Ich er­kläre das gern über das Essen und die Bräuche. Das lässt sich leichter merken als die theologischen In­halte“, beschrieb Helene Braun ­ihren Ansatz.

Ein Leben ohne Jesus

Auch persönliche ­Fragen waren ­erlaubt. „Wie findest du es, dass ­Jesus am Kreuz gestorben ist?“, wollte Lydia wissen. Sie gehörte zu den 30 Teilnehmern aus den Kon­firmanden- und Firmgruppen der evangelischen und katholischen Gemeinde sowie der Baptisten­gemeinde. Interessiert nahmen sie wahr, dass dieser Kern des christ­lichen Glaubens für die jüdische Theologin keine Relevanz hat. „Ich kann mir das ohne Jesus gar nicht vorstellen“, sagte sie bei Gebäck und Tee zur Referentin, für die ­Jesus historische Person, aber nicht Erlöser sein kann.

Verbindendes konnte dagegen in den Festtraditionen entdeckt werden, etwa in der Erinnerung an den Auszug aus Ägypten beim bevor­stehenden Pessach, an das die christliche Ostertradition anknüpft. Zu den Lieblingsfesten der an­gehenden Rabbinerin gehört das Purimfest, dessen äußere Feier dem christlichen Karneval ähnelt. Beim Gedenken an die Rettung Israels vor der Ermordung durch den Perser Haman durch Esther wird sich verkleidet, gegessen und getrunken. Bei der biblischen Erzählung wird der Name des geschlagenen Mörders mit Lärm übertönt. Zur Lichttradition an Chanukkah konnten Jugendliche sogar die Zahl der Lichter auf dem achtarmigen Leuchter ­benennen, mit denen der Tempelzerstörung gedacht wird.

Quiz durchs Gemeindezentrum

Mehr über das Judentum all­gemein und jüdisches Leben in ­Oranienburg in Gegenwart und Vergangenheit entdeckten die ­Jugendlichen bei ­einem Quiz, das sie durch das ­Gemeindezentrum ­führte. Elena Miropolskaja von der jüdischen ­Gemeinde erläuterte die Torarolle im Gebetsraum, die noch darauf wartet, per Hand auf Pergament „fertiggeschrieben“ zu werden. Wie 80 Prozent der heute in Deutschland lebenden Juden stammt sie aus der ehemaligen Sowjetunion.

Zur Auswertung gab es Preise für die Quizgruppen. Robert Wolf vom Vorstand der Oranienburger GCJZ hatte dazu spannende Bücher zum Judentum besorgt. Begeistert von der Resonanz der zweieinhalb­stündigen Veranstaltung ließ er keinen Zweifel daran, das Format öfter ­anzubieten.

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