Ein Kind mit Fahrrad und Helm auf einer gepflasterten Straße im Grünen.
Symbolfoto: IMAGO / Westend61

Pfingsten auf Rädern: Johannesgemeinde verbindet Glauben und Klimaschutz

Die Johannesgemeinde in Berlin-Lichterfelde lädt am Pfingstmontag zu einem „Walk and Ride for Nature and Democracy“ durch den Kiez ein. Mit der Aktion setzt sie ein Zeichen für Klimaschutz und Demokratie.

Von Stefan Fritsch

Am Pfingstmontag wird sich die Johannesgemeinde in Berlin-Lichterfelde auf den Weg machen. Nicht mit Transparenten und Sprech chören, sondern zu Fuß und mit dem Fahrrad. Familien, Jugend liche, Seniorinnen, Gemeindeglieder und vielleicht auch Nachbarn, die mit Kirche sonst wenig anfangen können, sind eingeladen mitzugehen.

Um 11 Uhr beginnt in der Johanneskirche ein Radler-Gottesdienst. Anschließend startet der „Walk and Ride for Nature and Demo cracy“. Mit dieser monatlich geplanten Aktion will die Gemeinde den Zusammenhang von Schöpfungsverantwortung und demokratischer Kultur sichtbar machen. Kirche geht hinaus, wird sichtbar und übt friedliche Präsenz im öffentlichen Raum ein.

„Johannes in Bewegung“: Kirche verlässt bewusst ihre Mauern

Die Johannesgemeinde zieht sich nicht ins Innere ihrer Mauern zurück. Es gibt thematische Gottesdienste, Klimagebete, Kirchenasyl und Aktionen im Kiez. Und doch stellte sich die Gemeindeleitung eine unbequeme Frage: Entsteht aus vielen einzelnen Aktivitäten ein Profil, das nach innen trägt und nach außen erkennbar wird? Die Antwort fiel schlicht aus: Kirche muss sich bewegen. Nicht nur geistig, sondern auch körperlich. So entstand „Johannes in Bewegung“, eine Idee, die die Kirche als Basis lager versteht: als Ort des Sammelns, Auftankens, Betens und Segnens – aber auch als Ausgangspunkt für Wege in den Kiez, in Parks, auf Straßen und Plätze.

Theologisch ist das naheliegend. Der jüdisch-christliche Glaube ist von Anfang an eine Bewegung des Aufbruchs. Abraham wird von Gott in die Fremde gerufen. Israel findet auf dem Weg durch die Wüste zu neuer Identität. Jesus zieht mit seinen Jüngerinnen und Jüngern durchs Land, begegnet Menschen, stellt Gewohnheiten infrage und setzt eine Bewegung in Gang.

Protestantismus als Einspruch gegen Gleichgültigkeit und Naturzerstörung

Auch Pfingsten erzählt von einer Kirche, die nicht bei sich bleibt. Die Jüngerinnen und Jünger werden aus der Verschlossenheit herausgeführt. Sie sprechen öffentlich, verständlich, ansprechbar. Glaube wird hörbar und sichtbar. In diesem Sinn ist der Pfingstmontag ein passender Tag, um Kirche buchstäblich in Bewegung zu bringen.

Für die Johannesgemeinde ist es der Versuch, den Protestantismus an einem seiner Ursprünge wiederzuentdecken: als Fähigkeit zum Einspruch – gegen Gleichgültigkeit, Naturzerstörung und demokratische Erosion. Zugleich beteiligt sie sich an der Aktion „Stadtradeln“, die Klimaschutz und lebenswerte Mobilität verbindet. So probt die Gemeinde eine mögliche Zukunft von Kirche: nicht nur in immer neuen Binnen reformen, sondern in Formen der Präsenz, die Glauben, Körper und Gemeinsinn zusammenbringen.

Stefan Fritsch ist Pfarrer der Johanneskirchengemeinde in Berlin-Lichterfelde-West.

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