Die Soziologin Jutta Allmendinger kritisiert die Pläne für das Berliner Lutherdenkmal. Die Stadt verpasse die Chance, einen Ort für gesellschaftlichen Austausch zu schaffen.
Berlin. Bei der Neugestaltung des Berliner Lutherdenkmals hat die Soziologin Jutta Allmendinger für das Schaffen eines Begegnungsortes plädiert. Der ausgewählte Entwurf sei „denkmalgerecht, aber ideenlos“, bemängelte Allmendinger im „Tagesspiegel“. Das Denkmal in der Nähe des Roten Rathauses soll nach den Plänen der Senatsbauverwaltung nach einer Restauration einen Natursteinsockel, eine umlaufende Sitzbank und eine Informationsstele erhalten.
Lutherdenkmal: Keine Bäume, keine Bänke, kein Grund zu bleiben
Allmendinger schrieb von einem „stillen“ Vorschuss an Vertrauen, ohne den eine moderne Gesellschaft nicht funktionieren könne. Dieser Vorschuss entstehe nur, wenn Menschen einander begegnen und immer wieder die Erfahrung machen, dass der andere keine Bedrohung sei. Genau für solche Begegnungen brauche es Orte. Beim Lutherdenkmal entstehe kein solcher Platz: „Keine Bäume, keine Bänke, kein Grund zu bleiben“, kritisierte die langjährige Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).
Begleitfiguren des Denkmals gingen im Zweiten Weltkrieg veloren
Das Denkmal des Reformators Martin Luther (1483–1546) an der Marienkirche entstand ursprünglich 1895 nach einem Entwurf des Bildhauers Paul Otto (1846–1893). Neben der zentralen Lutherfigur, die 1989 wieder nahe der Marienkirche aufgestellt wurde, waren weitere Reformatoren auf einem erhöhten Sockel zu sehen. Die Platzanlage und die meisten Begleitfiguren gingen im Zweiten Weltkrieg verloren.
Im Juli hatte die Senatsbauverwaltung über die Auswahl eines Entwurfs für die Neugestaltung informiert. Dabei handelt es sich nicht um den 2016 in einem Verfahren ausgewählten Vorschlag, sondern um eine andere Idee. epd



