Der Euter einer Kuh.
Der Euter einer Kuh.

Bischofskolumne: Vom Bewahren und Bebauen in Neu-Seeland

Im aktuellen Beitrag seiner Bischofskolumne berichtet Christian Stäblein von einem Besuch bei Landwirten in der Gemeinde Neu-Seeland in der Lausitz.

Von Christian Stäblein

Neu-Seeland. Der Name der Gemeinde, die zum Amt Altdöbern gehört, ist eine wunderbare Vorlage für Wortspiele. Neu-Seeländer Kartoffeln, Honig, Brot – das klingt doch nach einer guten Mischung aus Heimat und weiter Welt, und so schenkt mir der Landwirt vor Ort eben Neu-Seeländer Milch ein.

Einer der landwirtschaftlichen Betriebe, die ich in diesem Jahr vor Erntedank besuche, liegt also mitten dort in der Lausitz. Irgendwie ist das sprechend: das Alte und das Neue, das wir verbinden müssen, wenn wir Gottes Schöpfung bebauen und bewahren wollen.

Brandenburger Landwirtschaft kämpft mit Hitze und Dürre

Was Landwirtschaft 4.0 bedeutet, kann man in Neu-Seeland erleben: Der Melkautomat weiß viel von der Kuh, Alter und Gesundheit von Kälbchen lassen sich auf App und Smartphone ablesen. Und am Ende bleiben sie immer Geschöpfe, einmalig, unverwechselbar, jede Geburt ein Wunder, das in der Tiefe der Seele rührt. Man sieht es in den Augen derer, die für sie zuständig sind. 4.0 und Liebe zum Mitgeschöpf berühren einander.

Wenn ich frage, wo die Schwierigkeiten sind heute beim Landwirtsein in Brandenburg, in Ressen und Lindchen, dann sind wir schnell beim Klimawandel, bei der Hitze, der Dürre. Das ist keine Überraschung, eher schon, wie wenig sie darüber klagen: Es sei, wie es sei, es gelte halt, damit umzugehen, gegenzusteuern, und zugleich zu tun, was dann dran ist.

Wie Milch wirklich schmeckt

Das Vertrauen in Gottes Gaben und menschliches Vermögen ist faszinierend, es wird zugepackt und ausprobiert, wie in allen Jahrhunderten davor, geguckt, was Natur bewahrt, Geschöpfen dient, Menschen nährt. Im Hofladen kann kosten, wer vergessen hat, wie Milch wirklich schmeckt. Zwischen Dank für die Schöpfung und Sinn für die Herausforderungen muss nichts schöngeredet werden.

Schwierig, da herrscht Einigkeit, sind die vielen Auflagen, die Bürokratie, und auch hier gilt: Nicht, weil nicht alles im Einzelnen immer auch sinnvoll ist, aber weil die Summe hindert, Kraft nimmt, Vertrauen zerbröselt. Mehr Vertrauen in die Landwirtinnen und Landwirte, das täte uns wahrlich gut, mehr Vertrauen, so wie sie der Schöpfung vertrauen und Altes und Neues zusammen denken. Das stünde uns gut an. Und Dank, wie Gott uns immer in Neuland bringt. Neu-Seeländer Geist.

Die Gemeinde Neu-Seeland liegt rund 22 Kilometer südwestlich von Cottbus im Landkreis Oberspreewald-Lausitz.

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