Mann mit einer Brille sitzr vor einem Tasteninstrument
Andreas Knieschke Foto: Susanne Atzenroth

Popsongs mit der Orgel: Andreas Knieschke

von Susanne Atzenroth

Groß-Gaglow. Andreas Knieschke hat es nicht weit zur Groß-Gaglower Kirche. Zum Interview kommt er von hinten durch den Pfarrgarten – denselben Weg, den er nimmt, wenn er hier, wie häufig, als ehrenamtlicher Musiker an der Orgel sitzt. Oft wird er aber auch in anderen Kirchen für Gottesdienste angefragt. „Ich spiele immer dort, wo ich gebraucht werde“, sagt er lächelnd. Bei einer musikalischen Kostprobe greift er allerdings nicht zu einem bekannten Kirchenlied, sondern entlockt der Orgel Pop-Songs von Elton John oder Procol Harum. Denn die Verbindung von Orgel, Pop und elektronischer Musik ist sein Steckenpferd.

Orgel in Groß-Gaglow in der Lausitz seit 30 Jahren sein Instrument

Besonders ans Herz gewachsen ist ihm die Dorfkirche von Groß-Gaglow. Vor bald 30 Jahren zog er mit seiner Familie hierher, wo sein Schwager Pfarrer war. Aufgewachsen ist Knieschke selbst in einem Pfarrhaushalt in Forst: der Vater Pfarrer, die Mutter „klassische Pfarrfrau“.

So kam er schon als Kleinkind mit Kirchenmusik in Berührung. Auf einem alten Klavier brachte er sich das Spielen einfacher Melodien selbst bei. Seine Eltern erkannten sein Talent und förderten ihn – erst am Klavier, später an der Orgel. „Sie hätten sich bestimmt gefreut, wenn ich hauptberuflich Kirchenmusiker geworden wäre“, so der heute 70-Jährige. Doch er begeisterte sich vor allem für Technik.

Schon als Kind bastelte er Radios zusammen, später wurde er Ingenieur für Automatisierungs-technik. Nebenbei spielte er Popmusik auf Tanzveranstaltungen. Seinen ersten Synthesizer baute er selbst. Später fand er einen Weg, Orgelspiel, Popmusik und Elektronik zu verbinden. Lange leitete Andreas Knieschke in Groß-Gaglow einen Kirchenchor, der vor allem moderne Lobpreislieder sang, heute sind es eher Musikprojekte zu bestimmten Anlässen, für die er die Arrangements schreibt.

Auch komponiert er elektronische Musik am Computer, die er bei Konzerten aufwendig mit der Orgel verbindet. „Ich bin froh, mich mit meinen geschenkten Gaben zur Ehre Gottes einbringen zu können“, freut sich Knieschke. Inzwischen sei sein Gehör leider nicht mehr so fein wie früher. „Aber an der Orgel“, sagt er schmunzelnd, „spiele ich sowieso vieles aus dem Gedächtnis.“

Susanne Atzenroth ist Journalistin und entdeckt auf ihrer Sommertour Erstaunliches.

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