Mann mit einem Musikinstrument
Sebastian Maul mit seinem Cello Foto: Christel Sperlich

Sebastian Maul: Mit ganzem Herzen

Sebastian Maul begeistert mit der Band Stilbruch auf Straßen, Bühnen und in Kirchen. Nach einer Herzoperation geben ihm Familie,Musik und Glaube Kraft.

von Christel Sperlich

Cottbus. Sanft und wild, kraftvoll und energisch: Mit ganzem Körpereinsatz singt und spielt Sebastian Maul in der Kulturkirche St. Jakobi in Stralsund. Das Publikum muss er nicht erst gewinnen. Seine Zugewandtheit, sein sympathisches Strahlen und sein offenes Auftreten vermitteln unmittelbar Nähe und Verbundenheit.

Sebastian Maul ist 46 Jahre alt und der kreative Kopf der Band Stilbruch. Bereits mit fünf Jahren begann er mit dem Cello-Spiel, nahm später Unterricht an Leipziger Musikschulen und studierte an der Hochschule für Musik Dresden Carl Maria von Weber. Als Jugendlicher brannte er für Rio Reiser und seine Songs. „‚Für immer und dich‘ hat mich tief berührt. Ich wollte Menschen mit meiner Musik genauso begeistern und ihnen etwas geben: einen Halt, dieses Sich-verstanden-Fühlen, wie ich es selbst erfahren habe.“

Die meisten Songs schreibt der Frontmann selbst. In ihnen finden sich sein Leben, sein Denken und Fühlen sowie sein Glaube wieder. „Ich möchte den Leuten auch etwas von unseren persönlichen Geschichten erzählen, möchte mit ihnen ins Gespräch kommen.“ Diese Verbindung zum Publikum entsteht besonders auf der Straße – dort, wo alles angefangen hat. Schon in der Leipziger Fußgängerzone erspielte er sich mit seiner Band eine große Fangemeinde. „Die Leute wollen eigentlich spazieren oder einkaufen gehen. Wenn sie dann stehen bleiben und wir sie für einen Moment begeistern können, bestärkt uns das sehr.“

Mittlerweile tourt Stilbruch durch ganz Deutschland: auf Marktplätzen, in Kirchen und auf Kirchentagen. „Es ist toll, wie das Publikum bei unseren Konzerten mitgeht. Ich gehe danach mit einem wohligen, warmen Gefühl ums Herz durch die Nacht.“

Wie ein Wunder

Im vergangenen Jahr feierte die Band ihr 20-jähriges Bestehen mit einem großen Konzert im ausverkauften Leipziger Gewandhaus, unterstützt vom Leipziger Symphonieorchester. „Diese 20 Jahre Stilbruch sind für mich wie ein Wunder. Ich hätte nicht gedacht, dass ich darauf ein Leben und eine Familie gründen und ernähren kann. Der Glaube und meine Familie geben mir Kraft: meine drei Kinder und meine Frau, die hinter mir steht und mir Mut macht, weiterzugehen.“ Trotz der musikalischen Erfolge, mehrerer renommierter Preise und veröffentlichter Alben macht sich der Bandleader zuweilen Gedanken darüber, wie lange Stilbruch noch bestehen kann. „Aber irgendwie wird es weitergehen.

Das Schönste ist, dass ich noch immer meinen Jugendtraum leben kann“, so Maul. Seine Leidenschaft ist ungebrochen. „Ich erinnere mich, wie wir vor sieben Jahren beim Katholikentag in Leipzig in einer sehr großen Schulturnhalle spielten. Dort waren drei Menschen. Wir haben für diese drei alles gegeben und konnten sie mitreißen – das war großartig. Noch am selben Abend hatten wir ein Konzert auf dem Marktplatz vor 5000 Menschen. Ich kann nicht sagen, welches Konzert mir mehr Spaß gemacht hat.“

Ein tiefer Einschnitt

Im Juli vergangenen Jahres folgte ein tiefer Einschnitt: Aufgrund eines Herzfehlers musste Sebastian Maul sofort am Herzen operiert werden und bekam einen Herzschrittmacher. In dieser Zeit war ihm der Glaube eine besondere Stütze. Er half ihm, darauf zu vertrauen, zurück ins Leben und zu seiner Musik zu finden. Viele seiner Songs enthalten kraftvolle christliche Botschaften.

Titel wie „Unsterblich sein“ oder „Weil ich ein Mensch bin“ zeugen von der Sehnsucht nach einer höheren Macht, von menschlichen Schwächen und Zweifeln, von Trost, Liebe und Zuversicht. „Ich wollte nie in einer Lobpreisband singen, denn die sind mir zu heilig. Die Werte müssten sich im Song erschließen, sodass man spürt, dass man dahintersteht. Er glaube fest daran, dass Menschen die große Gabe haben, unser Leben auf gute Weise zu gestalten. „Wir haben nur dieses eine Leben. Morgen schon kann es vorbei sein. Deswegen ist jeder Tag ein geschenkter Tag. Und wir haben die Möglichkeit, das Beste daraus zu machen“, sagt Maul.

Christel Sperlich ist Journalistin aus Stralsund

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