Figur in blauem Schleier liegt in Ketten
Kritik am Umgang mit Frauen in Afghanistan: Der Motivwagen des Wagenbauers Jacques Tilly auf dem Rosenmontags­umzug in Düsseldorf zeigte eine Frau in Ketten neben einer Miss-Afghanistan-Trophäe. Foto: epd-bild/Hans-Jürgen Bauer

Veranstaltungsreihe beleuchtet „verborgene Konflikte weltweit“

Die Potsdamer Veranstaltungsreihe „Verborgene Konflikte weltweit“ blickt auf Krisenherde, die öffentlich kaum wahrgenommen werden. Afghanistan, Äthiopien, China und Taiwan stehen im Mittelpunkt.

Von Barbara Neubert

Viele Konflikte tauchen selten in den Schlagzeilen auf – und doch bergen sie enormes Eskalations­potenzial. Die Veranstaltungsreihe „Verborgene Konflikte weltweit“ richtet den Blick auf Krisenherde, die weniger im Zentrum der ­öffentlichen Wahrnehmung stehen, ­deren Dynamik jedoch ganze Regionen destabilisieren kann. Ziel ist es, genauer hinzuschauen und besser zu verstehen: Welche politischen, sozialen und historischen Hintergründe prägen diese Auseinandersetzungen? Was macht sie so ­gefährlich – und was könnte sie ­entschärfen?

An drei Abenden widmen sich die Garnisonskirche Potsdam und der Kirchliche Entwicklungsdienst der EKBO den Konflikten in Afghanistan, Äthiopien sowie zwischen China und Taiwan. Eingeladene Expertinnen und Experten analysieren die aktuellen Entwicklungen, ordnen sie global ein und diskutieren ­mögliche Wege der Deeskalation. Im Mittelpunkt stehen Hinter­gründe, Interessenlagen und internationale Verflechtungen.

„Verborgene Konflikte weltweit“: Die erste Veranstaltung dreht sich um Afghanistan

Am Mittwoch, dem 24. Juni, wird Afghanistan im Mittelpunkt stehen. Referent an diesem Abend ist Pfarrer Renke Brahms. Er war bis 2021 Friedensbeauftragter der Evange­lischen Kirche in Deutschland (EKD). Als solcher hat er für die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Lehren aus ­Afgha-­­nistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands“, einen kirchlichen Beitrag zur Aufarbeitung des Afghanistan-Einsatzes verfasst. In Afghanistan hat sich die humanitäre und politische Lage seit der Machtübernahme der Taliban dramatisch verschärft. Repressionen, insbesondere gegenüber Frauen, wirtschaftlicher Zusammenbruch und internationale Isolation prägen den Alltag, während regionale Terrorgruppen und ungelöste Machtfragen das Land weiterhin destabilisieren.

Am Mittwoch, den 1. Juli, wird der Konflikt in Äthiopien im Zentrum des Gesprächs stehen. Hierzu sind Asther Gemeda vom Oromo Zentrum bei „Brot für die Welt“ sowie Martin Frank, Afrika-Referent im Berliner Missionswerk, einge­laden. Nach dem verheerenden ­Tigray-Krieg ringt Äthiopien um Stabilität. Ethnische Spannungen, regionale Milizen und ungelöste ­politische Reformen gefährden den fragilen Friedensprozess. Millionen Menschen sind auf humani­täre ­Hilfe angewiesen. Das Vertrauen
in staatliche Strukturen bleibt ­brüchig.

Konflikt zwischen China und Taiwan: Droht die Eskalation?

Am Dienstag, dem 7. Juli, dreht sich der Abend um den Konflikt zwischen China und Taiwan. Eva Seiwert vom Merics-Institut wird im Gespräch mit Richard Ellguth von der Freien Universität über die verschärften militärischen Droh­gebärden und geopolitische Rivalitäten im Indopazifik berichten. ­Taiwan ist nicht nur ein demokratischer Akteur mit eigener Identität, sondern auch zentral für globale Lieferketten – eine Eskalation hätte weltweite wirtschaftliche und ­sicherheitspolitische Folgen.

Die Abende beginnen jeweils um 19 Uhr in der Garnisonskirche, Breite Straße 7 in Potsdam. Der Eintritt ist frei.

Barbara Neubert ist Referentin für den Kirchlichen Entwicklungsdienst der EKBO im Berliner Missionswerk.

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