Die Church of England erlebt einen „quiet revival“ – eine leise, aber spürbare Rückkehr zu Kirche und Glauben, besonders bei jungen Menschen. Zwischen Tradition und Moderne entstehen neue Formen von Gemeinde, die auch für Berlin und die EKBO wegweisend sein könnten. Bischof Stäblein war zu Besuch in London.
Von Christian Stäblein
Zweimal England. Die letzten vier Wochen waren erfüllt von Besuchen in der Church of England. Ich fange beim zweiten Besuch an: mehrere Tage in der Partnerdiözese in London. Da gibt es viel, was schwer beeindruckt. Etwa die große Breite, in der Gemeinden Kirche in der Metropole leben. In den Spannungsfeldern Armut und Reichtum, religiös und säkular, Tradition und Moderne wird mutig vorangegangen. In all dem erscheint Berlin hier und da als kleinerer Zwilling, durchaus ähnlich, doch ist die Integrationsherausforderung in London noch mal eine andere. Und so ist die Kirche in England ja vielfach Vorreiterin, ihr Innovationsschub mit den allseits bekannten „fresh expressions of church“ hat wahrlich Schule gemacht, manches davon findet sich in Erprobungsräumen oder Dritten Orten bei uns wieder.
Church of England erlebt einen „quiet revival“
Beim jetzigen Besuch war es mehr als interessant, mehrfach von einem „quiet revival“ zu hören, also eine „stille Rückkehr“ zu Glauben, Religion und Kirche. Viele Initiativen in den Gemeinden wachsen, gerade auch der Gottesdienstbesuch, nicht zuletzt, wo Moderne und Tradition neu verbunden werden. Junge Menschen entdecken die Kirche für sich wieder. Das macht Hoffnung. Ja mehr als das: Wir sollten damit rechnen und nicht nur mit unseren Verlustszenarien.
Nicht quiet, sondern zu Recht ein lautes Aufmerken und Feiern galt der Einführung der neuen Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullaly, wenige Wochen vorher. Als oberste Repräsentantin der Anglikanischen Kirche ist sie mit Pomp und Circumstance, wie es die Briten wunderbar können, eingeführt worden. Das ist in dieser Kirche, die eine große Spannbreite verschiedener Frömmigkeitsausrichtungen kennt, ein großartiges Zeichen. Dass Sarah Mullaly eine überaus beeindruckende Bischöfin ist, wissen wir in der EKBO gut, weil die Partnerschaft seit Jahren eng ist und sie schon mehrfach zu Besuch.
Was die Church of England richtig macht
Wie aber, so will ich am Schluss fragen, vollzieht sich die Kraft der Integration in dieser Kirche zwischen London und Canterbury? Ich denke durch zweierlei: Die Eucharistie, das gemeinsame Mahl in Jesu Gegenwart, wird bei fast jeder Gelegenheit und mehr, als wir es oft praktizieren, gefeiert. So sind stets wieder alle verbunden, auch die unterschiedlichsten Positionen und Überzeugungen. Und beim sozialen Engagement, das unmittelbar mit der Kraft des Glaubens verbunden ist. Da sind wir gerne Partnerkirche und manchmal fast auch Zwillinge.



