Schülerinnen in einem Klassenzimmer
Symbolfoto: IMAGO / photothek

Oranienburg: Lehrkräfte für Religionsunterricht dringend gesucht

Rund um Oranienburg braucht es mehr Lehrkräfte für den Religionsunterricht an staatlichen Schulen.

Von Uli Schulte Döinghaus

Oranienburg. Holger Hespen koordiniert die Arbeitsstelle für evangelischen Religionsunterricht in den Landkreisen Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz. Mathias Bröckl leitet als Schulrat den Teilbereich Religionsunterricht/ -pädagogik im katholischen Erzbistum Berlin. Neulich trafen sie sich auf Einladung des lokalen Evange­lischen Bildungswerks in Oranienburg. Ihr gemeinsames, konfessionsübergreifendes Fazit verbanden sie mit einem Appell an die Kirchengemeinden: „Wir bräuchten in Oranienburg dringend noch mindestens zwei bis drei zusätz­liche ­Religionslehrkräfte, egal ob evangelisch oder katholisch. Können Sie nicht in Ihren Gemeinden schauen, ob sich dort oder im Umfeld geeignete Personen befinden, die dann bei der Kirche angestellt werden können?“

Diese Religionslehrkräfte in und um Oranienburg wären wohl erst der Anfang. Eine stattliche Reihe von evangelischen und katho­lischen Religionslehrerinnen und Religionslehrern geht in der aller nächsten Zeit in den Ruhestand, Nachwuchs tut not. Holger Espen erzählt, dass man versucht, Quereinsteiger aus verwandten Berufen und Ausbildungsgängen zu motivieren, auch Studierende werden angesprochen. Konfessionsübergreifender Unterricht wäre eine Lösung und ist in manchen Regionen schon zur Normalität geworden.

Schwankende Nachfrage und wechselhaftes Angebot

Auf jeden Fall sind laut Hespen und Bröckl außerhalb von Berlin auch Lehrkräfte gefragt, die regional verwurzelt und bereit sind, an mehreren Schulen Religion zu unterrichten. Was auf Oranienburg im nörd­lichen Speckgürtel von Berlin zutrifft, das könnte beispielhaft für die Organisation des evangelischen Religionsunterrichts in ganz Brandenburg und der sächsischen Oberlausitz sein.

Dort trifft ein Mangel an Lehrkräften auf ein recht wechselhaftes schulisches Angebot an Religionspädagogik. Vor allem an Grundschulen und Gymnasien sind viele Kurse gut besucht, während an ­anderen Schulformen die Klassen wegen stagnierender oder sinkender Teilnehmerzahlen auf der Kippe stehen, berichten Hespen und Bröckl. Immerhin resümiert Holger Hespen für Oranienburg und Umgebung: „Mittlerweile schaffen wir es teilweise bei rückgängigem Personal weiterhin gleiche Schülerzahlen zu haben durch Zusammenlegung und Optimierung.“

Religionsunterricht: Jedes Bundesland regelt ihn anders

Zur Erinnerung: Religion ist in Berlin kein ordentliches Lehrfach, sondern ein freiwilliges Wahlfach in der alleinigen Verantwortung der Religionsgemeinschaften. Wegen der oft kleinen Gruppen arbeiten die Kirchen hier schon seit 2009 eng zusammen, um überhaupt flächendeckenden Unterricht anbieten zu können. In Brandenburg ist LER (Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde) das staatliche Pflichtfach ab Klasse 5. Schüler, die am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen, können sich in der Regel vom Fach LER beurlauben lassen. Der Unterricht findet meist in den Schulräumen statt, bei Bedarf aber auch in Gemeinderäumen. In Sachsen müssen Schüler grundsätzlich zwischen Religionsunterricht und Ethik wählen.

Insgesamt wird Religionsunterricht an 841 Schulen im Einzugs­bereich der Landeskirche ange­boten, von knapp 560 Lehrern (Vollzeitäquivalent). Vom Angebot des Religionsunterrichts macht rund jedes sechste Schulkind Gebrauch. Strukturell sinken die Zahlen leicht oder stagnieren. Gründe dafür sind das allgemein nachlassende Interesse an Religion und die ohnehin abnehmende Schülerzahl aufgrund von demografischen Entwicklungen. Da und dort liegt es daran, dass die Unterrichtsstunden ungünstig verteilt sind. Ein Gesprächsteilnehmer in Oranienburg: „Meine Kinder würden mir einen Vogel zeigen, wenn ich sagen müsste, ihr habt zwischen 15 und 16 Uhr noch Religionsunterricht.“

Persönlichkeit ist gefragt

Die Attraktivität des Religionsunterrichts hängt aber nicht nur von der Uhrzeit ab, sondern auch von der Persönlichkeit der Lehrkraft und vom Eigeninteresse der Schul­leitungen. „Bei denen erleben wir kaum noch Kirchenfeindlichkeit, dafür Gleichgültigkeit gegenüber Religion, vollkommene Ignoranz“, so hieß es von Oranienburger Diskussionsteilnehmern. Es gebe aber auch nicht wenige Schulleitungen, die einen breit aufgestellten Unterricht haben wollen, zu dem religiöse Bildung dazugehört. Schließlich wird der Einsatz, den evangelische und katholische Lehrkräfte in Schulen zeigen, zum Beispiel den Jahreslauf mitzugestalten, als großer Vorzug geschätzt.

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