Ökumenische Schöpfungszeit bis zum 4. Oktober: Wie eine Sommererfahrung im Kloster den Alltag im Umweltbüro prägt und die Arbeit für die Bewahrung der Schöpfung zum Glaubensbekenntnis wird
Von Beate Corbach
Einige Tage meines diesjährigen Sommerurlaubs verbrachte ich im Benediktushof Holzkirchen, einem Zentrum für Meditation und Achtsamkeit, angesiedelt in einer historischen Klosteranlage. Im ruhigen Rhythmus dieser Meditationsgemeinschaft, umgeben von still-klaren Räumen und liebevoll gepflegten Klostergärten, strömten Entspannung, Ruhe und eine tiefe Gelassenheit in Körper, Geist und Seele. Zurück in meinem beruflichen Alltag, der Umwelt- und Klimaschutzarbeit im kirchlichen Kontext, widme ich mich nun wieder den vielen, oft sehr kleinteiligen Aufgaben: Informationen müssen verbreitet werden, ein Input für eine Gremiensitzung muss vorbereitet werden, Mails wollen beantwortet werden, Fördermittelprogramme studiert, Einladungen verschickt werden.
Zwischen Klostererfahrung und Arbeitsalltag
Zwischendurch halte ich ab und an inne und spüre den Erfahrungen aus dem Kloster nach: Ich höre das plätschernde Geräusch des Brunnens, den tiefen Klang des Gongs, sehe das Strahlen der Kerze in der kleinen Kapelle, fühle den ein- und ausströmenden Atem. Dabei merke ich, dass mein beruflicher Alltag einen anderen Hintergrund bekommt. Inmitten unserer immer heißer und stürmischer werdenden Welt, im Angesicht der weiter zunehmenden Klima- und Umweltprobleme taucht eine neue Gewissheit auf und ich erlebe einen inneren Wandel.
Vom Umweltschutz zur Bewahrung der Schöpfung
Meine Arbeit für mehr Umwelt- und Klimaschutz verbindet sich über den plätschernden Brunnen, den Klang des Gongs, den strömenden Atem und die ruhig flammende Kerze für mich mit der Anwesenheit Gottes. Dadurch bekommt sie eine neue Tiefe: „Umwelt- und Klimaschutz“ werden zur „Bewahrung der Schöpfung“. Die vielen Bemühungen gegen den Klimawandel und die Zerstörung der Umwelt bekommen eine weitere Dimension: ein göttliches Fundament, eine christliche Rahmung. Das religiöse Bekenntnis zu Gott als Schöpferkraft dieser Welt, das mich in diesen Momenten des Innehaltens erfüllt, fügt meinen praktischen Bemühungen zur Bewahrung der Schöpfung einen fundamental wichtigen Aspekt hinzu. Den Glauben daran, dass Gott diese Welt in ihrer ganzen Unermesslichkeit erschaffen hat und dass er sie liebt. Mit einer unendlichen und gnadenvollen Liebe.
Und er gab uns Menschen den Auftrag, die Welt mithilfe dieser göttlichen Geistkraft zu erhalten. Daraus schöpfe ich Kraft für die unzähligen Aufgaben, die jeden Tag anstehen, die kleinen, unscheinbaren genauso wie die großen, schwierigen, die einen langen Atem brauchen. Und so verwandelt sich meine Arbeit für die Bewahrung der Schöpfung mit dem nächsten Atemzug einen Moment lang in ein Glaubensbekenntnis.
Beate Corbach ist Religionswissenschaftlerin und Klimaschutzmanagerin im Umweltbüro der EKBO.



