Lächelnder Mann
Pater Fabian Retschke fördert mit Gesprächs- formaten den Austausch über Migration. Foto: Walter Plümpe

Jesuitenpater Fabian Retschke: Brücken bauen zwischen Menschen

Jesuitenpater Fabian Retschke engagiert sich beim Flüchtlingsdienst für Dialog, Aufklärung und eine ökumenische Willkommenskultur. Die lebt er jeden Tag selbst.

Von Walter Plümpe

Berlin. Wenn Pater Fabian Retschke über Migration spricht, geht es ihm zuerst um Begegnungen. „Es gibt so viele Lebenswege, wie Menschen hier Fuß gefasst haben und ihre Zukunft in die Hand nehmen“, sagt der 32-jährige Jesuit. Mit der Gesprächsreihe „Migration zwischen Mut und Mythen“ möchte er solche Geschichten hörbar machen – solche von Mut und seinen Hindernissen.

Retschke arbeitet als Advocacy Officer beim Jesuit Refugee Service (JRS), dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst in Berlin. Seine Aufgabe: für Flüchtlinge sprechen, ihre Interessen vertreten und auf ihre Situation aufmerksam machen. Der JRS bietet Seelsorge und juristische Beratung für Schutzsuchende – unabhängig von Konfession oder Religion.

Fabian Retschke: Skepsis und Kritik ernt nehmen

Stefan Keßler, Protestant und Direktor des JRS, betont die Notwendigkeit von Information und Gespräch: „Nur so lässt sich die Lage der Schutzsuchenden verbessern.“ Pater Retschke, der auch als Kaplan in der Gemeinde Johannes Bosco in Zehlendorf arbeitet, sagt: „Ich nehme ernst, dass skeptische bis kritische Meinungen entstanden sind. Chancen und positive Erfahrungen mit eingewanderten Menschen erhalten selten die gleiche Aufmerksamkeit wie Probleme und Unzulänglichkeiten.“

Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten und Pater Retschke setzen daher darauf, die Willkommens-kultur zu erneuern. „Wir bauen auf Versöhnung mit Menschen, denen bislang wenig zugehört wurde und die in einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft nicht mitgenommen wurden.“

Die Gegenreformation ist Geschichte

Zusammenarbeit über konfessionelle Grenzen hinweg ist Pater Retschke auch in seiner Gemeinde wichtig. In der Seelsorge für Menschen in Not steht nicht die Herkunft im Vordergrund. Diesem Anliegen widmet sich auch Jesuitenpater Jan Korditsche in der Erstaufnahmeeinrichtung in Wünsdorf, einem Ortsteil von Zossen.Sie ist für Neuangekommene in Brandenburg zuständig. Menschen, die ausreisepflichtig sind und von Abschiebung bedroht sind, hat der JRS besonders im Blick. Deshalb beobachtet er auch die Flüchtlingspolitik der Innenministerien von Berlin und Brandenburg kritisch. Kontakte zur Caritas und Diakonie sind dabei hilfreich.

Die Gegenreformation, einst vor allem von den Jesuiten getragen, ist längst Geschichte. „Wir sind offen für religiöse Bedürfnisse aller Art“, sagt Retschke. Gespräche über die biblischen Hoffnungsgeschichten sind in der konfessionellen Vielfalt Berlins und unter Flüchtlingen eine Möglichkeit. Auch konfessionsübergreifende Gottesdienstformate an der Jesuitenschule sowie ökumenische Gottesdienste mit Sensibilität und Aufgeschlossenheit in der Gemeinde St. Canisius in Berlin-Chrlottenburg sind üblich.

Kein Rückzug hinter Klostermauern

Seit 2017 ist Pater Retschke Jesuit, 2024 wurde er in Berlin zum Priester geweiht. Seine Heimat ist Wittichenau in der Oberlausitz; er besuchte das evangelisches Gymnasium in Hoyerswerda. Der Schritt in einen Orden einzutreten hatte mehrere Gründe. Einer davon war der Ordnesgründer Ignatius von Loyola. Retschke konnte sich für das tägliche Gebet begeistern, war sensibel für die Tiefe des Glaubens und das Angenommensein von Gott „wie ich bin“. Auch die Offenheit für philosophische und theologische Wege zu Werten, die Vielfalt der Tätigkeiten und Sendungen als Ordensmann, der Einklang von Bildung und sozialem Engagement begeistern ihn immer wieder. Kein Rückzug hinter Klostermauern, sondern ein „Hineinwirken in die Welt“. Dazu kommt ein sinnstiftendes Gemeinschaftsleben – derzeit mit acht Ordensmitbrüdern in Berlin – und innere Rückzugsorte im Gebet.

Brücken bauen möchte Retschke in seinem Dienst auch zu Menschen, die mit kirchlichen Traditionen wenig vertraut sind. Menschen zusammenbringen, Hürden abbauen und Verunsicherungen überwinden – dafür bietet seine Aufgabe in Berlin viele Gelegenheiten.

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