In der Luckauer St.-Nikolaikirche lagern jahrhundertealte Notenhandschriften mit Werken großer Komponisten. Kantor Brian Radins lässt den außergewöhnlichen Bestand heute wieder erklingen.
Von Susanne Atzenroth
Luckau. Die Größe der Luckauer St. Nikolaikirche, im Kirchenkreis Niederlausitz, ist beeindruckend. Über 41 Meter hoch erhebt sich ihr Dach über der beschaulichen Altstadt. Eine besondere Reliquie zog hier im Mittelalter Wallfahrer an und machte aus der Basilika eine große Pilgerkirche.
Notenschatz in einem unscheinbaren Schrank
Heute ist es ein anderer Schatz, der Brian Radins, den Kantor der Kirchengemeinde, begeistert. In einem unscheinbaren Schrank lagern jahrhundertealte Noten: Abschriften von Werken großer Komponisten, die frühere Kantoren für Chöre und Orchester notierten. Respektvoll blättert Radins durch die leicht vergilbten Blätter. „Es ist erstaunlich, wie gut die Abschriften die Zeit überstanden haben“, sagt er. Bach, Telemann – darunter auch Stücke, die in bekannten Werkverzeichnissen fehlen.
Eine kleine Sensation, die der Master für alte Kirchenmusik zu schätzen weiß. Seit einem Jahr ist der gebürtige Niedersachse Kantor in Luckau, nachdem er in mehreren Kantoreien Nord- und Ostdeutschlands wirkte. Der Notenbestand sei sicher ein Grund gewesen, sich hierher zu bewerben, gibt er zu. Immer wieder nutzt er Teile des Schatzes für Konzerte oder seine Chor- und Orchesterarbeit, die er mit Schwung in der Region aufbaut. „Es freut mich sehr, dass der Kirchenchor von anfänglich 15 Mitgliedern auf jetzt 25 angewachsen ist.“
Barocke Instrumente zu neuem Leben erwecken
Wie die Noten hat auch die barocke Ausstattung mit kunstvollen Emporen und Engelschar alle Wirren der Zeit überstanden. Auf der Orgelempore führt Radins begeistert Zimbeln, bewegliche Trompeten und Harfen vor, mit denen die Engel versehen sind. Auch zwei barocke Pauken haben hier ihren Platz – Grund genug, zum kürzlichen Stadtjubiläum eine Kantate mit diesen und weiteren barocken Instrumenten zu Gehör zu bringen.
Von der Orgel seien leider nur das Gehäuse und Pfeifen in acht Registern aus dem Barock erhalten, bedauert Radins. Immer wieder erfuhr das Instrument von 1672 Überarbeitungen, zuletzt in den 50-70er Jahren. Dabei wurde der Klang jeweils dem Geschmack der Zeit angepasst. „Mein Traum ist es, dass die Orgel einmal wieder so spielen wird, wie die Menschen sie im Barock gehört haben“, so Brian Radins.



