Mann spielt Klarinette
Giora Feidman tritt mit seiner Musik für eine bessere Welt ein. Foto: IMAGO / Thomas Frey

Giora Feidman: Musik als Seelenbalsam

Der Klarinettist Giora Feidman wird 90 Jahre alt. Mit seinen Melodien will er Herzen verändern. Eine besondere Publikumsnähe spürt er bei Auftritten in Kirchsälen.

Von Claudia Irle-Utsch

Berlin. Für eine bessere Welt will er spielen. Weiter und weiter. Giora Feidman wird nicht müde, seine Botschaft zu formulieren – mit dem, was er sagt, aber mehr noch mit dem, was er spielt. Der Klang seiner Klarinette will Herzen erweichen und Horizonte öffnen. In der Melodie gibt es Raum für die Sehnsucht nach Frieden. Feidmans Musik lässt die Hoffnung auf ein für alle gedeihliches Miteinander wachsen, ermuntert dazu, einander die Hand zu reichen, auch über Trennendes hinweg. In jedem Fall spendet sie Trost, kann Seelenbalsam sein.

Felsenfest sei er überzeugt davon, dass Musik die Kraft habe, Kriege zu verhindern, so Giora Feidmann. „Schauen Sie“, sagt er, „einer Bombe oder einer Kugel können wir vielleicht ausweichen. Doch die Musik trifft uns auf eine ganz andere Weise: Sie trifft uns mitten ins Herz. Sie öffnet unsere Augen und lässt uns die Welt mit größerer Sensibilität betrachten. Wo Musik das Herz erreicht, entsteht oft der Wunsch nach Frieden.“

Auch an seinem 90. Geburtstag wird Giora Feidman auf der Bühne stehen

Seit fast acht Jahrzehnten ist Giora Feidman als Musiker unterwegs. Und so ist es für ihn stimmig, dass er auch am Tag seines 90. Geburtstags auf der Bühne stehen wird: Am 25. März präsentiert er im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie sein neues Programm. Dessen Titel könnte sein Lebensmotto sein: „For a better World“.

Geboren wird Giora Feidman 1936 als Sohn bessarabischer (heute größtenteils Moldau und Ukraine) Einwanderer in Buenos Aires. Der Vater, der Großvater sind Musiker. Die Feidmans spielen als Klezmer-Ensemble bei Feierlichkeiten in der großen jüdischen Community der argentinischen Hauptstadt auf. Giora studiert ab 1951 an der Musikakademie und wird schon bald Klarinettist am Teatro Colón. 1956 zieht es ihn in den noch jungen Staat Israel. In der Tasche hat er einen Vertrag als Bassklarinettist beim Israel Philharmonic Orchestra. 18 Jahre ist er mit dem renommierten Orchester weltweit unterwegs.

Man kennt seine Melodien aus „Schindlers Liste“

Wegen seines Augenleidens muss er sich Anfang der 70er Jahre umorientieren. Er beginnt, die Welt als Solokünstler zu bereisen – erst in Amerika, später immer häufiger im deutschsprachigen Raum: als Bühnenmusiker („Ghetto“, Regie: Peter Zadek), als Filmmusiker („Schindlers Liste“) und bald auch als wichtige Stimme im Werben um Frieden und Versöhnung. Seine spätere Ehefrau Ora Bat Chaim (1935–2022) übernimmt das Management. Die beiden bekommen drei Kinder. Inzwischen darf sich Giora Feidmann über elf Enkel- und drei Urenkelkinder freuen.

Der Klarinettist spielte im Jahr 2000 bei der Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag und 2005 auf Einladung von Papst Benedikt XVI. auf dem Weltjugendtag in Köln. Er war und ist regelmäßig zu Gast bei den Kirchentagen beider christ­licher Konfessionen. „Ich empfinde Musik als eine der schönsten Gaben Gottes“, sagt Giora Feidman. „Musik verbindet uns über Grenzen, Sprachen und Kulturen hinweg.“ Sehr konkret wird dieser Glaube an das Einende der Musik in seiner künstlerischen Zusammenarbeit mit dem in Hamburg lebenden Exil-Iraner Majid Montazer. Der zum Freund gewordene Komponist ist auch bei „For a better World“ ein wichtiger Impulsgeber: fürs Tour-Programm samt Album und begleitendem Buch.

Musik als Sprache für alle Religionen

Just an dem Tag, an dem der Israeli Feidman und der Iraner Montazer in Hamburg den Film „Giora Feidman – Seele der Klarinette“ vorstellen, greift das israe­lische Militär im Verbund mit den USA die Islamische Republik Iran an. Die Dokumentation (ab 25. März in der Arte-Mediathek) zeigt, wie es gehen könnte in einer „besseren Welt“: mit gegenseitigem Respekt und Hand in Hand mit Blick auf eine gemeinsame Idee.

Er glaube an die Musik als „eine universelle Sprache, die alle Religionen transzendiert – eine Sprache des Herzens, die tief in die Seele spricht, uns miteinander verbindet und uns daran erinnert, dass wir alle Teil derselben menschlichen Erfahrung sind“, so Giora Feidman. Es mache für ihn keinen Unterschied, ob er
in einer christlichen, muslimischen oder jüdischen Gemeinde musiziere. „Überall dort, wo ich das Gefühl habe, durch meine Musik ein wenig Licht, Trost oder Liebe in die Herzen der Menschen tragen zu können, stehe ich bereit.“

Im Kirchsaal fühlt Giora Feidman eine besondere Publikumsnähe

Dass er häufig die Kirche zum Konzertsaal macht, passt für Feidman gut. „Gerade in Kirchen spüre ich eine besondere Verbundenheit der Seelen. Es ist, als ob der Raum selbst eine stille Offenheit für das Gemeinsame in uns Menschen schafft.“ In einer Kirche sei er seinem Publikum besonders nah. Feidman will mit seiner Musik Menschen berühren und nimmt zugleich deren Energie für sich auf. Denn auch sein Herz sucht Wärme.

Tour-Termine in der Region:
Giora Feidman – For a Better World


25. März, 20 Uhr, Kammermusiksaal, Berlin
16. April, 19 Uhr, Maria-Magdalenen-Kirche, Templin
18. April, 20 Uhr, St. Joseph Kirche, Luckenwalde
19. April, 19 Uhr, Rolandsaal im Altstädtischem Rathaus, Brandenburg (Havel)
22. April, 20 Uhr, Haus Schwärzetal, Eberswalde
23. April, 20 Uhr, Kulturweberei, Finsterwalde

Weitere Infos und Termine gibt es hier.

Aktuelles

Newsletter