Mann mit Brille und gestreiftem Poloshirt vor einem Garten mit Blumen.
Auch im Ruhestand bleibt Dietmar Herzig ein gefragter Mitgestalter des kirchlichen Lebens. Foto: Raphael Schmidt

Dietmar Herzig: Ein ehrenamtlicher Tausendsassa

Ob Kirchbauverein, Hospizdienst, CVJM oder Gottesdienst: Für Dietmar Herzig gibt es keine halben Sachen. Mit Engagement setzt sich der Ruheständler in Reichwalde ein.

Von Raphael Schmidt

Reichwalde. Beim improvisierten Richtfest Mitte April an der evangelischen Kirche in Reichwalde bei Boxberg nennt Dietmar Herzig, Vorsitzender des Kirchbauvereins, Zahlen und Fakten, die bis zum Bau der Kirche zurückreichen. Außerdem berichtet er, dass Engagierte bereits 180 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet und die Gemeinde 60000 Euro gespendet hat. Mit Fördermitteln, die der Bundestagsabgeordnete Florian Oest (CDU)
organisiert hat, können nun Kirchturm und Dach saniert werden. Für mehr reicht das Geld nicht.

Die Baukosten sind mit 458970 Euro und 92 Cent veranschlagt, sagt der Vorsitzende des Kirchbauvereins. Dabei müssten auch Fenster und andere Bauteile erneuert werden. Dass dies nicht möglich ist, ärgert Dietmar Herzig, denn halbe Sachen mag er nicht. Das war schon immer so.

Entgegen seinem Freiheitsdrang: Herzigs Leben als Bausoldat

Er wurde 1959 in Weißwasser geboren. An seine Kindheit in Reichwalde hat er viele Erinnerungen. Er und sein Bruder hatten neben den Verpflichtungen, die ein Bauernhof mit sich brachte, viele Freiheiten. Dankbar ist er dafür ebenso wie für das von den Eltern vorgelebte: Gäste waren dort immer willkommen. In Familie, Kirche und Junger Gemeinde fühlte er sich geborgen. Nach zehn Jahren Schule begann Dietmar Herzig eine Ausbildung zum Schlosser mit Spezialisierung zum Schweißer. Gern wäre er Meister geworden, doch seine politische Einstellung entsprach nicht den „sozialistischen Vorstellungen“. Deshalb sei eine berufliche Weiterentwicklung nicht möglich gewesen, sagt er.

Die politische Wende war 1984 noch nicht absehbar, als er in eine private Autoschlosserei wechselte. Ein Jahr später wurde er zur Nationalen Volksarmee (NVA) eingezogen. Als Bausoldat landete er, wie viele andere aus dem Süden der DDR, ganz im Norden auf der Insel Rügen in Prora. Die Abgabe des Personalausweises, der Kleiderwechsel für eineinhalb Jahre und die Befehlsstrukturen widersprachen dem Freiheitswillen des
jungen Mannes. Als den „Genossen Bausoldaten“ nach anstrengenden Arbeitstagen im Hafen Mukran das „Marschieren zum Essen“ befohlen wurde, verweigerten sie nicht etwa den Befehl. Stattdessen mussten sie durch den Speisesaal hindurch marschieren, ohne etwas zu essen. Nach einigen Tagen wurde dieser Befehl aufgehoben.

Die Arbeit mit Menschen als Leidenschaft

In den Baueinheiten, dem einzigen Wehrersatzdienst der DDR, trafen viele Christen unterschiedlicher Prägung aufeinander. Bausoldat Herzig schätzte besonders das christliche Miteinander. Nach dem Ende der Armeezeit ging die Autowerkstatt, in der er arbeitete, in Konkurs.

Dietmar Herzig wandte sich einer Arbeitswelt zu, die er zuvor bereits in freiwilligen Praktika kennengelernt hatte. Er absolvierte eine Ausbildung zum Altenpfleger. Die Arbeit mit Menschen war schon lange sein Wunsch.

Sterbende begleiten: Dietmar Herzig im Hospizdienst

Im Jahr 2000 wurde er mit dem Umzug in ein neues Altenpflegeheim Wohnbereichsleiter und baute dort eine Demenzstation auf. Fast 20 Jahre später übernahm er die Stelle als Koordinator im Ambulanten Hospizdienst. Diesen Schritt, der finanzielle Einbußen mit sich brachte, hatte er zuvor mit seiner Frau besprochen. Gemeinsam
haben sie drei inzwischen erwachsene Söhne. Menschen am Lebensende zu begleiten und Ehrenamtliche zu betreuen, die Sterbende und deren Familien unterstützen, war für Dietmar Herzig noch einmal eine besondere Herausforderung.

Seit 2025 ist er Rentner – allerdings eher im „Unruhestand“. Ehrenamtlich engagiert er sich weiterhin im Hospizdienst, im Gemeindekirchenrat in Reichwalde, im Sprengelrat und in der Synode des Kirchenkreises Görlitz. Außerdem engagiert er sich sich im Christlichen Verein junger Menschen (CVJM) in Niesky. Als Lektor hält er Gottesdienste in den Gemeinden des Kirchspiels, unter anderem am Bärwalder See.

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