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"Gute Orte – schlechte Orte"

Beim Berliner Demokratiebarometer können junge Leute auf einem interaktiven Stadtplan zeigen, wo in der Stadt ihre Stimmen gehört werden und wo es dafür noch Verbesserungsbedarf gibt

Ganz konkret, ganz lokal: So viel Mitbestimmung ist möglich durch einen Stadtplan der Mitbestimmung. Das Berliner Demokratie­barometer des Projekts „FairReden“ für junge Menschen schafft Transparenz und öffnet Diskussionsräume.

Von Katharina Körting

Gibt es, bezogen auf Demokratie und Mitbestimmung, gute und schlechte Orte? Wo in ihrer Stadt erleben ­junge Menschen Anerkennung? Wie viel können sie mitbestimmen? Das zeigt jetzt ein interaktiver Stadtplan. „Das Berliner Demokratiebarometer des Projekts „FairReden“ soll Einblicke geben und die Diskussion eröffnen“, erläutert Stadtsoziologin Hannah Schilling. Sie ist Studienleiterin gesellschaftspolitische Jugendbildung der Evangelischen Akademie zu Berlin und hat das Angebot mit entwickelt. 

Seit Januar bis zunächst Ende Juni können 13- bis 27-Jährige in den Stadtplan eintragen, „wo sie positive oder negative Erfahrungen mit Anerkennung, Mitbestimmung und Respekt gemacht haben – sei es in der Schule, auf dem Skateplatz, im Einkaufszentrum oder in der U-Bahn“, sagt Schilling. Ziel sei, sich niedrigschwellig über Demokratie und Beteiligung auszutauschen und ein gesellschaftliches Gespräch anzuregen. 

Leidet die politische Stimme junger Menschen unter dem demografischen Wandel

Das Berliner Demokratiebarometer entstand im Rahmen des Trägerkreises „FairReden“, in dem sich unter anderem die Landeszentrale für ­politische Bildung, die Evangelische Schulstiftung und die Sportjugend Berlin zusammengefunden haben, angeregt durch eine Initiative des Berlin-Forums der Stiftung Zukunft Berlin. Es wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Wie viel Steuergeld ins Demokratiebarometer floss, sei vor Projektende nicht einzeln aufschlüsselbar, sagt Anett Szábo vom Berlin-Forum, einen Einzel-Finanzplan gebe es nicht.

Seit 2023 wirkt im Trägerkreis auch die Evangelische Akademie mit, „weil die Beförderung demokratischer Strukturen Teil unserer Gründungs-DNA ist“, wie Akademiedirektorin Friederike Krippner es ausdrückt. Der demografische Wandel könne dazu führen, „dass die Belange junger Menschen immer weniger politisches Gewicht bekommen“. Selbstwirksamkeit aller Bürgerinnen und Bürger sei aber ebenso nötig für eine funktionierende Demokratie wie „eine Diskurskultur, die die respektvolle Auseinander­setzung ermöglicht“. Orte dafür zu finden und zu vermehren – dabei soll das Demokratie­barometer helfen.

Emojis und Diskussionen

„Die berlinweit gesammelten Beiträge auf der interaktiven Karte werden vom Trägerkreis „FairReden“ ausgewertet“, erklärt Schilling. Es gehe darum „zu prüfen, wie und wo Themen und Anliegen von jungen Menschen ausgehend von den Eintragungen in die Diskussion mit den zuständigen Entscheidungspersonen gebracht werden können“. Erste Erfolge sind nach Angaben von Akademiedirektorin Friederike Krippner bereits auf der interaktiven Karte erkennbar, „nämlich überall dort, wo es Einträge gibt“. Die Idee sei, „Jugendliche dazu zu bewegen, über Orte zu schreiben, an denen es fair zugeht, an denen sie mitbestimmen können – oder eben auch nicht“. Allein das Nachdenken und Nachlesen darüber könne etwas bewegen. 

Der Aufwand für die Jugend ist gering: Als Eintragungen reichen Emojis und kurze Beschreibungen. „Es geht aber nicht nur um die Karte“, betont Markus Dröge, Vorstandssprecher der Stiftung Zukunft Berlin und früherer Bischof der EKBO. Konstruktive Diskussionen anzuregen sei Aufgabe der Stiftung Zukunft Berlin. „Wenn jeder nur in seiner Blase bleibt, bewegt sich nichts“, meint Dröge. „Digitale Projekte für Jugendliche, die zu realen Gesprächen führen, finde ich sehr wichtig.“

Deshalb würden noch vor den Sommerferien Jugendliche zu einem Grill-Nachmittag eingeladen, um ihre Erfahrungen mit Politiker*innen zu diskutieren. Wer am 28. Juni dabei sein möchte, kann sich in die interaktive Karte eintragen oder per E-Mail anmelden. 

Grillnachmittag am 28. Juni im Jugendzentrum Café Maggie, Frankfurter Allee 205, Berlin-Lichtenberg, von 16–19 Uhr. Anmelden bei Ann-Christin Hofmann, E-Mail: hofmann@stiftungzukunft.eu oder mail@fairreden.berlin Die Handreichung und mehr unter: fairreden.berlin oder:

www.eaberlin.de/aktuelles/2024/berliner-demokratiebarometer-fuer-jugendliche/

Abbildung: Faire Orte – im Netz kann man sich informieren und mitmachen.
Foto: Vandesart (AI)/Pixabay

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