Seit zwei Jahrzehnten engagiert sich Winfried Schütz mit Ideenreichtum und musikalischer Begeisterung für seine Kirchengemeinde
Von Susanne Atzenroth
Groß Döbbern. Im Sommer zieht Winfried Schütz seine Runden im Spremberger Stausee und zum Gespräch kommt er mit dem Rad. Sport ist aber nur eine Facette des energiegeladenen Noch-Nicht-Ruheständlers. Der emeritierte Professor für Bauphysik und Gebäudetechnik ist weiter gefragt: an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU), bei der Handwerkskammer und im Kirchenkreis Cottbus. Seit 20 Jahren engagiert er sich in der Kirchengemeinde „Perle der Lausitz“ und in Groß Döbbern – im Gemeinde- und Kreiskirchenrat, vor allem aber in der Kirchenmusik.
Wie Winfried Schütz zur Posaune fand
Kurz nach seinem Umzug aus dem Rhein-Main-Gebiet in die Lausitz hatte es ihm die Posaune angetan. „Erst habe ich versucht, mir das Spielen im Urlaub selbst beizubringen“, erinnert er sich schmunzelnd. Später nahm er Unterricht, machte den D-Schein und leitet seit sechs Jahren den Posaunenchor Klein Döbbern. Seine Begeisterung gibt er weiter: Sechs neue Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 50 Jahren hat er derzeit. Der Chor zählt 14 Mitglieder und ist bei Gottesdiensten und Gemeindefesten eine feste Größe. Auch eigene Gottesdienste mit abgestimmter Liturgie gestaltet der Chor, etwa zu Weihnachten und bald zum Paul-Gerhardt-Gottesdienst am Tag des offenen Denkmals am 13. September in Groß Döbbern.
Mit Leidenschaft für Paul Gerhardt
Anlässlich des 350. Todestages des großen Kirchenlieddichters verbindet der multimediale Gottesdienst Musik, Texte und spannende Einblicke in das Leben Paul Gerhardts. Begleitet wird der Gottesdienst von einer kleinen Kunstausstellung des Malzirkels Branitz, mit Motiven passend zum Leben Paul Gerhardts. So werden Stationen aus Gerhardts Leben lebendig – etwa aus seiner Schulzeit auf der Fürstenschule St. Augustin in Grimma, die er nach dem frühen Tod seiner Eltern besuchte – vom frühen Gebet mit dem Vaterunser um fünf Uhr morgens bis zum Schlaftrunk um 20 Uhr am Abend. Liturgische Teile und Musik wechseln sich während des Gottesdienstes ab und viele bekannte Choräle Paul Gerhardts werden zu hören sein. Gestaltet wird der Paul-Gerhardt-Gottesdienst von Pfarrerin Jette Förster und dem Posaunenchor Klein Döbbern gemeinsam. Dessen Leiter bringt es so auf den Punkt: „Paul Gerhardt selbst bereiste die Welt nicht – seine Lieder aber gingen aus der Provinz in die ganze Welt.“
Inhaltlich recherchierte Winfried Schütz dazu viel zum Leben des großen Kirchenlieddichters. An Ideen mangelt es ihm nie. Immer wieder entdeckt Schütz Geschichten über die Kirchen der Region, etwa über die Dorfkirche seines Wohnortes Groß Döbbern. Im Kern ein spätmittelalterlicher Feldsteinbau wurde sie nach Zerstörungen um 1694 und erneut 1818 teilweise neu errichtet und erweitert. Die Ausstattung aus dem 18. und 19. Jahrhundert prägen bis heute ihr Erscheinungsbild inmitten des ummauerten Kirchhofs. Auf der Glocke fand er ein Wappen der Familie von Loeben, das ihm später im Schloss Branitz wiederbegegnete: zwei weibliche Gesichter mit schwarzer Hautfarbe, der Sage nach Königin Pelusa. Seine Erkenntnisse vermittelte er in einem Glockenseminar.
Zweitinstrument Orgel: Mit dem Spielen begann Schütz während der Pandemie
Auch blieb es nicht bei der Posaune: Während der Corona-Pandemie begann Schütz mit dem Orgelspiel, machte auch hier den D-Schein und spielt inzwischen drei bis vier Gottesdienste im Jahr – das nächste Mal zum landesweiten Erntedankfest der EKBO am 4. Oktober in Drebkau, bei dem Bischof Christian Stäblein predigt und alle drei Posaunenchöre der Gemeinde gemeinsam musizieren.
Am 13. September, dem Tag des offenen Denkmals (Motto 2026: „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur”), lädt die Kirchengemeinde „Perle der Lausitz“ im Kirchenkreis Cottbus um 17 Uhr zu einem Paul-Gerhardt-Gottesdienst in die Dorfkirche Groß Döbbern ein.



