Bei Ordinationsjubiläen in Berlin und Bernau hat die EKBO Pfarrpersonen für 25 bis 65 Jahre im Dienst gewürdigt. Die Geehrten blicken auf Veränderungen in der Kirche zurück und erzählen, was sie bis heute in ihrem Beruf trägt.
von Walter Plümpe
Berlin. „Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen“: Unter diesem Leitwort stand die Andacht in der Berliner Parochialkirche. Neunzehn Pfarrerinnen und Pfarrer des Sprengels Potsdam begingen dort ihr 25-jähriges Ordinationsjubiläum. Zwölf von ihnen nahmen an der Feier mit Bischof Christian Stäblein und Generalsuperintendent Kristóf Bálint teil, sieben waren verhindert.
Die Feier war in diesem Jahr nicht die erste ihrer Art im Sprengel Potsdam: Bereits am 13. September waren in der St.-Marienkirche in Bernau Pfarrpersonen für 40, 45, 50, 60 und sogar 65 Jahre seit ihrer Ordination geehrt worden. Unter den Geehrten waren auch Superintendenten im Ruhestand sowie die frühere Generalsuperintendentin des Sprengels Potsdams, Heilgard Asmus. Generalsuperintendent Bálint hielt die Predigt und wirkte bei der Einsegnung mit. Bei der Feier im Oktober gehörte er selbst zu den Jubilar*innen.
Leben im Dienst der Kirche
Bischof Stäblein dankte den Pfarrerinnen und Pfarrern für ihren Dienst. Sie seien „in 25 Jahren jung geblieben“ und bereit, dabei zu sein, wenn „das Jetzt, das Leben, die Liebe, die Gegenwart Gottes neu zur Welt kommen“, sagte er. Auch wenn der Schmelz der Jugend vorsichtig verblasst sei, blieben die großen Fragen: Wofür ist die Ordnung da? Wofür der Mensch – für die Ordnung oder die Ordnung für ihn? „Ordnung ist das äußere Prinzip von Liebe, von Gerechtigkeit … der Versuch, durch Ordnung der Liebe Gestalt zu geben.“ Den Jubilaren gab Stäblein drei Hinweise: Sie sollten Hungernden und Ausgegrenzten beistehen, die Heilige Schrift im Ringen um Gebot und Gesagtes auslegen und an den erinnern, der Vollmacht über alle Zeit habe und zugleich in der Zeit sei.
Im Anschluss an die Andacht tauschten sich die Gäste im Georgensaal des Kirchenforums in Berlin-Mitte intensiv über diese Impulse aus. Unter den Geehrten war auch Thomas Harms, Superintendent in Reinickendorf. 2001 wurde er in der Göttinger Kreuzkirche von Hinrich Buß, dem Landessuperintendenten des Sprengels Göttingen, ordiniert. Nach 25 Jahren im Dienst – davon 15 als Gefängnisseelsorger in Göttingen – würde er seinen Beruf „ohne Wenn und Aber“ wieder wählen. Seinen Taufspruch aus Jesaja 54,10 habe er stets vor Augen: „Auch wenn die Berge von ihrem Platz weichen und die Hügel zu wanken beginnen, meine Huld wird nie von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der Herr, der Erbarmen hat mit dir.“
Seit seiner Ordination erlebt Harms die evangelische Kirche als offener, vielfältiger und menschlicher als früher. Die Erinnerung an seine Anfänge sei für ihn nicht nur Anlass, innezuhalten und Bilanz zu ziehen, sondern auch ein Appell: „Nicht verzagen, glaubensheiter und hoffnungsfester weitermachen!“
Wertschätzung für einen „wunderbaren Beruf“
Pfarrerin Aljona Hofmann feierte ebenfalls ihr 25-jähriges Ordinationsjubiläum. Sie arbeitet seit fünf Jahren an der Gethsemanekirche im Prenzlauer Berg und wurde 2001 von Bischof Wolfgang Huber im Kloster Lehnin ordiniert. Als besondere Herausforderung ist ihr die spontane Gestaltung eines Gottesdienstes zum 11. September 2001 im Berliner Dom in Erinnerung geblieben. Nach zwölf Jahren in Kyritz und sechs Jahren in Moskau schätzt sie ihren „wunderbaren Beruf“, in dem sie frei und selbstbestimmt wirken könne: „Für mich ist nichts anderes vorstellbar.“
Zu ihren Leitworten gehört der Psalmvers: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten?“ Auch wenn sich in den vergangenen 25 Jahren personell und finanziell vieles verändert habe: „ER bleibt.“ Das Jubiläum lasse sie gerührt und dankbar auf die alle zurückblicken, die ihr Vertrauen geschenkt hätten und die sie habe begleiten dürfen.
Es war eine besinnliche Feier in den schlichten Mauern der Parochialkirche, unter dem schwebenden Schrottkreuz und im milden Licht der Herbstsonne. Pfarrer Alexander Arno Heck skizzierte die Geschichte der Kirche. Marienorganist Xaver Schult begleitete die Lieder am Piano. Eindrucksvoll erklang die letzte Strophe des Glaubensbekenntnisses: „Wenn unser Leben Antwort gibt darauf, dass Gott die Welt liebt, wächst Gottes Volk in dieser Zeit, Erbarmen bis in Ewigkeit.“



