Eine schwarze Kreidetafel mit Holzrahmen und der weißen Aufschrift „Kirche offen“ steht vor einer großen, teilweise geöffneten Holztür. Dahinter ist ein Eingangsbereich zu sehen.
Symbolfoto: IMAGO / Guido Schiefer

Wiedereintritt in die Kirche: Warum Menschen zurückkehren

Manche Menschen finden nach Jahren den Weg zurück in die Kirche. Pfarrer Martin Ost kennt ihre Geschichten aus seiner Arbeit in einer Berliner Wiedereintrittsstelle und wünscht sich, dass die Kirche diesen Menschen mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Von Martin Ost

Wie viele Menschen „der Kirche den Rücken kehren“, wird berichtet, wie viele zurückkommen, ist selbst in kirchlichen Medien kein Thema. Die Zahl der Eintritte wiegt die der Austritte nicht auf; zu erfahren, dass es auch Eintritte gibt, könnte das Bild von Kirche verbessern.

Kirchlicher Wiedereintritt: Wie Menschen zurück in die Kirche finden

Wer will, kann in jedem Pfarramt wieder eintreten. Wer die zuständige Gemeinde nicht findet, kann zu den Wiedereintrittsstellen im Berliner Dom, im Gemeindehaus der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, der Marienkirche und in St. Peter und Paul auf Nikolskoe kommen. Alles „in Butter“? Leider nicht. Die Wege zur Eintrittsstelle im Dom sind lang; das Gemeindehaus der Gedächtniskirche findet man schwerer als die Kirche. Unser Raum dort wird immer wieder „mal eben“ für anderes gebraucht.

Schade, dass Pfarrerinnen und Pfarrer im Ruhestand kaum für diesen Dienst zu gewinnen sind. Früher konnten wir mit wöchentlicher Präsenz mehr Stationen abdecken. Nur selten fragt „Kirche“, warum Menschen zurückkommen. Die Antworten wären Ermutigung für Kolleg*innen und Evaluation kirchlicher Arbeit.

Warum Menschen wieder in die Kirche eintreten

„Ich weiß gar nicht, warum ich ausgetreten bin“, sagen manche, wollen in einem Chor mitsingen oder suchen Spiritualität. Manche Mutter sucht die Hilfe einer größeren Macht bei der Begleitung eines Kindes. Menschen erzählen (selten) von schlechten Erfahrungen, aber oft begeistert von einer Taufe, bei der die Pfarrerin auf die Beteiligten eingegangen sei. Andere haben bei einer säkularen Beerdigung „etwas“ vermisst und spürten, dass ihnen dieses „Etwas“ fehlt.

Ich gebe Wünsche an die Gemeinde weiter und ermutige Eintretende, sich in der neuen Gemeinde vorzustellen. Aber dort herrscht eher Stimmung des Abbauens, man scheut neue Gruppen und Kosten, hetzt Terminen für Entscheidungen zur Zukunft hinterher. Vor lauter Gedanken zur Zukunft von Gebäuden bleibt den Kolleg:innen kaum Zeit für Neues und Neue. Sie müssen Projekte erden, die begeisternd klingen, aber realitätsfern bleiben.

Mehr Begegnungen und offene Angebote in der Kirche

Manchmal träume ich, wir könnten mit Menschen reden, die als Touristen in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche kommen. „Wir haben Zeit“ – da käme manches auf uns zu. Wenn sie mit einem anderen Kirchenbild heimführen, wäre viel gewonnen. In kleineren Städten gibt es Kirchencafés und dergleichen – warum Berlin so etwas nicht hat, verstehe ich nicht.

Bei allen „Reformen“ geht es um die Zukunft von Kirche – sollte es nicht um unsere Botschaft gehen? Kirche erzählt von Reformen gegen den Untergang: Wer heuert auf einem (vielleicht) sinkenden Schiff an? Kein Wunder, dass in den letzten Monaten selten jemand zu uns kam. Auf unserem Konvent im Konsistorium war Raum für Fragen – weiter kommt unsere Kirche nur, wenn diese Fragen in Synoden und kirchlichen Gremien aufgenommen werden. Dazu müssten sie aus Predigten in Anträge und Programme überführt werden. Unsere Ziele formuliert keine Agentur, die Ideen formuliert, ohne viel vom Thema verstehen zu müssen. Ich hoffe darauf, immer noch, aber ich gebe zu: Es fällt mir zunehmend schwerer.

Martin Ost ist Pfarrer im Ruhestand und ehrenamtlich in einer Wiedereintrittsstelle tätig.

Weitere Informationen zum Wiedereintritt gibt es hier.

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