Maria-Luise Schella arbeitet in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Angermünder Land und studiert an der Universität der Künste Berlin das Studienfach Master Kirchenmusik. Karola Kallweit stellte ihr drei Fragen zu ihrem Studium und zur Zukunft der Kirchenmusik.
Was hat Sie persönlich dazu bewegt, Kirchenmusik zu studieren, und welche Rolle spielt der Glaube dabei für Sie?
Maria-Luise Schella: Der Glaube und die Musik haben in meinem Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Ich liebe es zu musizieren, und der Glaube war für mich nie wegzudenken. Das liegt zum Teil an meiner familiären Prägung, aber auch an der eigenen Auseinandersetzung mit den Fragen des Glaubens. Dass es einen Beruf gibt, in dem sich diese beiden zentralen Themen verbinden, ist für mich wie ein Lottogewinn.
Welche musikalischen Fähigkeiten, zum Beispiel Orgelspiel oder Chorleitung, sind in Ihrem Studium besonders wichtig, und was fordert Sie daran am meisten heraus?
Das Kirchenmusikstudium an der Universität der Künste Berlin ist sehr vielfältig. An der „Burg“, wie wir unser Institut nennen, gehören Orgelliteratur, liturgisches Orgelspiel, Chorleitung und Orchesterleitung zu den Kernfächern. Im Master kommen Klavier, Gesang, Theorie und ein wahlobligatorisches Fach hinzu, in meinem Fall Cembalo. Die Breite des Studiums macht es sehr interessant, aber auch anspruchsvoll, da jedes Fach für sich ein Hauptfach sein könnte. Es fällt mir nicht immer leicht, einen Schwerpunkt zu setzen, weil ich an allen Fächern großen Gefallen finde. In meiner Arbeit als Kirchenmusikerin und im Studium haben die Kernfächer den größten Stellenwert: Orgelliteratur im Konzertbereich, Orgelimprovisation in der Gottesdienstbegleitung sowie Chor- und Orchesterleitung, die das Vermitteln musikalischer Vorstellungen, das Steuern von Probenprozessen und das gemeinsame Entwickeln eines Klangs mit Ensembles umfassen.
Wie sehen Sie die Zukunft der Kirchenmusik – glauben Sie, dass sie sich verändern muss, um jüngere Generationen anzusprechen?
Die Kirchenaustritte nehmen zu, Gemeinden werden zusammengelegt, und in vielen Landgemeinden gibt es keinen hauptamtlichen Kirchenmusiker mehr. Gleichzeitig lebt Kirchenmusik stark vom Ehrenamt. Ihr größtes Potenzial liegt jedoch in der Musik selbst. Sie ermöglicht Menschen jeden Alters einen Zugang, sei es im Kinderchor oder an der Orgel. Es gibt zahlreiche Angebote, die unterschiedliche Generationen ansprechen, sowohl in den Ausbildungsformaten als auch in den Gemeinden. Dennoch gibt es immer wieder Menschen, die wenig über Kirchenmusik wissen. Ich denke, Kirchenmusik muss sich nicht in ihrem Kern verändern. Aber sie braucht mehr Sichtbarkeit, damit klar wird, wie lebendig und vielfältig sie ist.
Die Fragen stellte Karola Kallweit



