mehrere Menschen in einem Segelboot
Segeln & Segen. Eine Jugendfreitzeit der Johannes-Kirchengemeinde Berlin-Lichterfelde Foto: Stefan Fritsch

Segeln als spirituelle Erfahrung

Segeln & Segen“ – ein Abenteuer auf dem Wasser Segeln als spirituelle Lebenserfahrung. Ein Projekt der Berliner Johannesgemeinde in Berlin Lichterfelde-West verbindet Natur, Spiritualität und Gemeinschaft auf dem Wasser.

Leserreport von Pfarrer Stefan Fritsch

Mehrere Jünger Jesu waren Fischer. Sie kannten das Wasser, ihre Boote – und den Wind, der in der Bibel oft mit dem Geist Gottes in Verbindung gebracht wird. Immer wieder er zählen die Evangelien von Szenen auf dem See Genezareth: vom Sturm, der das Boot beinahe kentern ließ, von Momenten des Zweifelns und Gottvertrauens mitten auf dem Wasser – und von einer Gemeinschaft, die sich von Jesus rufen ließ, neu Kurs zu setzen. Daran knüpft das Projekt „Segeln & Segen“ an. Es lädt Jugendliche ein, das Segeln nicht nur als Sport, sondern als spirituelle Lebensschule zu entdecken – voller Erfahrungen, die den Horizont erweitern und Glauben spürbar machen.

Warum gerade Segeln?

Segeln fordert und fördert: Wer mit dem Wind unterwegs ist, lernt, mit Unsicherheiten umzugehen, Verantwortung zu übernehmen und hat dabei auch noch Spaß. Eine Jolle zeigt unmittelbar, was Balance bedeutet – im Boot wie im Leben. Jede Bewegung zählt, jedes Manöver braucht Absprache. Diese Erfahrungen wirken weit über den Tag auf dem Wasser hinaus. Sie tragen ins Leben – wie die Botschaft vom Vertrauen in den, der uns über das Wasser ruft.

Perspektivwechsel für Jugendliche

Segeln ermöglicht einen Perspektivwechsel für junge Menschen. Gerade Jugendliche* bewegen sich heute in ihrer Freizeit überwiegend im digitalen Raum. Körperliche Aktivität, Naturwahrnehmung und echte Gemeinschaftserlebnisse bleiben dabei oft auf der Strecke. Die Corona-Zeit hat diese Entwicklung noch verstärkt. „Segeln & Segen“ setzt hier an: niedrigschwellig, erfahrungsorientiert, wirkungsvoll. Der See wird zum Lernort – für Mut, Vertrauen, Grenzerfahrungen und ein Mit einander, das trägt.

„Segeln & Segen“ hat drei Angebote: Dazu gehören erstens Segeltörns mit Ritualen, zum Beispiel Taufen oder Segnungen von Konfirmandinnen, Teamerinnen oder Gruppen. Außerdem kann über das Projekt prozessorientierte Seelsorge stattfinden: Konflikte, Rollenverteilungen oder Zukunfts fragen lassen sich beim Segeln oft besser bearbeiten als in geschlossenen Räumen. Schließlich ist „Segeln & Segen“ ein erlebnispädagogisches Angebot zu Nachhaltigkeit und Gewässerschutz. Kinder und Jugendliche* erfahren durch eigenes Tun, wie verletzlich und zugleich kraftvoll Natur ist.

Auch Flauten und Kentern gehören dazu

Manchmal weht kein Wind. Dann ist Geduld gefragt – und gerade dann öffnen sich neue Räume: zum
Schweigen, zum Staunen, zum Austausch. Wer bewusst hinsieht, entdeckt Gott im Glitzern der Wellen
oder im Blick eines Fischreihers am Ufer. Auch das Kentern wird geübt – nicht als Scheitern, sondern als
Teil des Lernens: Wie bleibe ich ruhig, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät? Wie richte ich mich – und das Boot – wieder auf? Solche Erfahrungen stärken Fähigkeiten, die auch im Alltag gefragt sind – in Schule, Beruf und Beziehung.

Segeln bringt Bewegung ins Leben

Vor dem Ablegen klärt die Crew wichtige Fragen: Wer übernimmt welche Rolle? Wer hält den Kurs, wer reagiert auf Wetterumschwünge? Diese Rollenverteilung trainiert nicht nur das Segelteam, sondern vermittelt Schlüsselkompetenzen für gemeinschaftliches Handeln – in Kirche und Gesellschaft. Bewegung im Leben und Glauben Dieses Projekt bringt wortwörtlich Bewegung ins Leben – und in den Glauben. Es erreicht gerade jene Jugendlichen*, die mit klassischen kirchlichen Angeboten wenig anfangen können. Sie erleben: Ich kann mich einbringen und bin wichtig. Mit meinen Fragen, meinen Grenzen, meinen Gaben.

„Segeln & Segen“ genau richtig jür junge Menschen

„Segeln & Segen“ ist ein praxisnahes, lebendiges Beispiel dafür, wie Kirche heute junge Menschen begleiten kann – mit einem tiefen Atemzug frischer Luft über dem Wasser, mit einer Hand an der Pinne oder der Schot, und im Vertrauen auf den Geist Gottes, der auch heute weht – wo er will.
Kontakt von Pfarrer Stefan Fritsch: E-Mail: fritsch@ev-johannes.de

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