Im Berlin-Schöneberg sollen die beiden Kirchengemeinden „Zum Heilsbronnen“ und „Apostel-Paulus“ zusammengelegt werden. Gegen die Pläne regt sich Widerstand. Auch unser Artikel über den Streit in der „die Kirche“-Ausgabe 23 gerät in die Kritik. Beide Gemeinden reagieren mit Leserbriefen auf die Berichterstattung:
Zum Heilsbronnen ist alles andere als konservativ
Von Christiane Klußmann
Sie haben es für richtig befunden, in Ihrer Zeitung unter dem Titel „Fusion mit Hindernissen – wenn zwei Gemeinden nicht zusammenpassen“ einen Artikel zu veröffentlichen, der die Kirchengemeinde Zum Heilsbronnen als nicht „offen für alle“ diffamiert. Ich distanziere mich mit aller Entschiedenheit von Ihren völlig unzutreffenden Aussagen und erwarte eine Richtigstellung. Ich weise darauf hin, dass vorab weder mit mir noch mit dem GKR-Vorsitzenden der Gemeinde, Professor Schneider, noch mit meinem Pfarrkollegen Wegscheider gesprochen wurde. Ein solches Vorgehen widerspricht allen Grundregeln des seriösen Journalismus.
Die Kirchengemeinde Zum Heilsbronnen über ein Narrativ aus dem letzten Jahrtausend zu diffamieren („liberal versus konservativ, Tradition gegen offene Räume“), mag mit der mich erstaunenden Uninformiertheit der Nachbarpfarrerin entschuldigt werden. Dass Sie dieses in ein Zitat verpackte Narrativ unkommentiert und ungeprüft übernehmen, ist schlechtester Journalismus und einer Kirchenzeitung unwürdig. Die Kirchengemeinde Zum Heilsbronnen ist alles andere als konservativ: Hier agieren unterschiedlichste Menschen – jung und alt, Menschen unterschiedlicher Lebensformen oder sexueller Orientierung – völlig selbstverständlich miteinander in der Leitung, in Gruppen und Kreisen, im frequentierten Café der Gemeinde. Wir feiern experimentelle, bunte Gottesdienste mit Abendmahl mit Kindern genauso gern wie traditionsreiche evangelische Messen. Wir tun das in dem Bewusstsein, dass die Ausdrucksformen von Gottes Wort vielfältig sind und wir nur durch Offenheit und eine gleichermaßen einladende wie nachgehende Gemeindearbeit Gottes Liebe spürbar machen können. Als Grundlage für Ihre Richtigstellung lade ich Sie zu einem Besuch in den Heilsbronnen ein.
Christiane Klußmann ist geschäftsführende Pfarrerin der Kirchengemeinde Zum Heilsbronnen.
Keine Fusion auf Augenhöhe: Die Auflösung von Apostel-Paulus
Von Maya Schönfelder, Kerstin Sohn, Hugh Williamson und Heike Israel-Willner
Herzlichen Dank für Ihren Bericht. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei aus unserer Sicht nicht ausreichend deutlich geworden: Bei den aktuellen Plänen handelt es sich nicht um eine Fusion zweier Gemeinden auf Augenhöhe, sondern faktisch um die Auflösung der Apostel-Paulus-Gemeinde.
Beide Gemeinden sind hinsichtlich ihrer Mitgliederzahlen vergleichbar groß. Gerade aufgrund ihrer unterschiedlichen theologischen und gemeindlichen Profile könnten beide Seiten einander wichtige Impulse geben. Stattdessen soll sich der Einfluss der Apostel-Paulus-Gemeinde künftig weitgehend auf den geplanten „Dritten Ort“ Apostel-Paulus-Kirche beschränken, dessen konkrete Ausgestaltung weiterhin unklar ist.
In der neuen Gemeinde wird weder der Name Apostel-Paulus fortgeführt noch eine angemessene Mitbestimmung zum Beispiel im Gemeindekirchenrat sichergestellt. Gleichzeitig geht das Immobilienvermögen an den Kirchenkreis, während die Gemeinde Zum Heilsbronnen sowohl die neuen Gemeindeglieder und die entsprechenden Zuweisungen als auch die Rücklagen der Apostel-Paulus-Gemeinde erhält. Die Stimmung vieler Betroffener brachte ein Gemeindemitglied treffend auf den Punkt: „Wir verstehen uns als Mitglieder einer Gemeinde – nicht als bloße Teilnehmer der Apostel-Paulus-Kirche.“ Entgegen der Darstellung im Artikel besteht die Gemeindeinitiative überwiegend aus Mitgliedern der Apostel-Paulus-Gemeinde beziehungsweise Kirchenmitgliedern, die genau das auch künftig bleiben wollten.
Maya Schönfelder, Kerstin Sohn, Hugh Williamson, Heike Israel-Willner schreiben als Vertreter der Gemeindeinitiative für die Apostel-Paulus-Gemeinde.



