Ein selbst gestaltetes Modellschiff mit mehreren Masten und bunten Segeln vor blauem Hintergrund. Darüber steht der Schriftzug „Ein Schiff das sich Gemeinde nennt“.
„Bei dem Sperrholz-Schiff ­handelt es sich um eine Arbeit aus der Holzwerkstatt/Arbeitstherapie der JVA Cottbus. Für die Gestaltung in den Gesprächskreisen über den Sommer hin und die Beschäftigung mit dem Lied „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“, hatte ich, Antje Schröcke, Pfarrerin in der JVA Cottbus, mehrere dieser Schiffe erworben. Die anderen sind noch in Arbeit. Dieses hier ist fertig und darf nun unter dem Regenbogen zur Kirchenzeitung segeln.“ - Antje Schröcke. Foto: Thomas Schröcke

JVA Cottbus: Was Gefangenen Glaube und Gemeinschaft bedeuten

Von einem Sommerprojekt in ihrem Gesprächskreis und was ihnen Gemeinde und Gottesdienst bedeuten, davon berichten hier Gefangene und Mitglieder aus dem Untersuchungshaft-Gesprächskreis der JVA Cottbus.

Von Julius Richter**

Cottbus. Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt …. Doch was ist eigentlich Gemeinde? Oder anders gefragt: „Was heißt Gemeinde für Dich?“ „Für mich heißt das: Glaube, Frieden und auch Respekt“, antwortete mir ein Kollege, nachdem ich ihm diese Frage stellte. Ein anderer Kollege entgegnete spontan: „Freundlicher Umgang und füreinander da sein.“ (Anmerkung der Redaktion: Gefangene nennen sich untereinander Kollegen.). Eine fachliche Definition lautet: „Örtliche Gemeinschaft von Christinnen und Christen, die den gleichen Glauben teilen, zusammenkommen, beten und Gottesdienst feiern.“

Evangelischer Gesprächskreis in der JVA Cottbus

Doch ich muss Euch wohl erst mal von Beginn an „abholen“. Dieses Schiff auf dem Foto ist in der JVA Cottbus im Rahmen des evangelischen Gesprächskreises und Gottesdienstes entstanden. Es hat auch einen Namen: „Salvation Congregation“ (auf Deutsch: Rettungsgemeinde). Um es genau zu definieren: Wir, die Gefangenen aus der Untersuchungshaft, gestalteten es. Orientiert haben wir uns dazu an dem Lied: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“.

Reise durch das Meer

Grob zusammengefasst ist das Schiff eine Metapher für die christliche Gemeinde, wobei die Reise durch das Meer den gemeinsamen Lebens- und Glaubensweg symbolisiert. Bekanntlich stehen Stürme auch als Metapher für Krisen und Herausforderungen. Das Lied betont den Zusammenhalt, gegenseitige Verantwortung und Vertrauen in Gott.

Der Gesprächskreis und der Gottesdienst finden im etwa vierzehntägigen Rhythmus statt. Die Pfarrerin Antje Schröcke organisiert beide Veranstaltungen mit großem Engagement.

Gottesdienst und Gemeinschaft in der JVA Cottbus

Fragt man hier drin Kollegen: „Was bedeutet der Gottesdienst und der Gesprächskreis für Dich?“, so erhält man fast stichwortartig Antworten wie: Ruhe, Regulierung vom Umgang untereinander, auf einen Nenner kommen, Themen- und Gedankenaustausch. Also alles Themen, die wohl auch eine Bootsbesatzung beschäftigen würden, um über die hohe See den sicheren Hafen im Team zu erreichen.

Autoren dieses Artikels sind Julius Richter** (**Name geändert) und das Team aus einem Untersuchungshaft-Gesprächskreis in der JVA Cottbus.


Liedtext:

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt

1 Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit. Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit. Das Schiff fährt vom Sturm bedroht durch Angst, Not und Gefahr, Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg, so fährt es Jahr um Jahr. Und immer wieder fragt man sich: Wird denn das Schiff bestehn?
Erreicht es wohl das große Ziel? Wird es nicht untergehn?
Bleibe bei uns, Herr! Bleibe bei uns, Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer.


2 Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, liegt oft im Hafen fest,
weil sich’s in Sicherheit und Ruh bequemer leben lässt.
Man sonnt sich gern im alten Glanz vergangner Herrlichkeit,
und ist doch heute für den Ruf zur Ausfahrt nicht bereit.
Doch wer Gefahr und Leiden scheut, erlebt von Gott nicht viel.
Nur wer das Wagnis auf sich nimmt, erreicht das große Ziel!

3 Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, muss eine Mannschaft sein,
sonst ist man auf der weiten Fahrt verloren und allein. Ein jeder stehe, wo er steht, und tue seine Pflicht, wenn er sein Teil nicht treu erfüllt, gelingt das Ganze nicht. Und was die Mannschaft auf dem Schiff ganz fest zusammenschweißt in Glaube, Hoffnung, Zuversicht, ist Gottes guter Geist.


Text und Melodie: Martin Gotthard Schneider. Copyright Printversion: Bärenreiter-Verlag. Copyright digital: Erbengemeinschaft mgschneider.de

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