Eine große Gruppe von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern steht und sitzt für ein Gruppenfoto in einem Veranstaltungsraum. Mehrere Personen halten Blumensträuße.
Drei Projekte aus Berlin und Brandenburg wurden mit dem Segenspreis des Paul Gerhardt Stifts zu Berlin geehrt. Foto: Walter Plümpe

Segenspreis 2026: Das sind die Gewinnerinnen und Gewinner

Das Paul Gerhardt Stift hat zum vierten Mal seinen Segenspreis für besonderes soziales Engagement vergeben. Ausgezeichnet wurden das Jugendprojekt BAFF aus Joachimsthal, das Frauenprojekt „p.ink door“ und die religionssensible Hospizarbeit ReHoP.

Von Walter Plümpe

Berlin. „Manchmal beginnt etwas Segensreiches nicht mit einem großen Plan. Manchmal beginnt es in einem Moment, in dem Menschen entscheiden: Das darf nicht das letzte Wort sein.“ So begann Jury-Mitglied Sonja Friese ihre Laudatio für den Preisträger vom diesjährigen Segenspreis des Paul Gerhardt Stifts zu Berlin. Sie gratulierte dem Projekt „Bands auf festen Füßen“, kurz BAFF, aus Joachimsthal.

1994 wurden Jugendliche aus Berlin-Kreuzberg bei einem Breakdance-Auftritt in der Stadtkirche von Joachimsthal von Rechtsextremen angegriffen. Daraus entstand eine „Mission“: Der Gemeindekirchenrat und Pfarrerin Beatrix Spreng entschieden, in der Kirche einen Ort zu schaffen, an dem junge Menschen Gemeinschaft erleben, ihre Fähigkeiten entwickeln und demokratische Werte erfahren. 1995 gründeten sich die ersten Bands und probten in der Sakristei der Joachimsthaler Kirche.

Jugendprojekt BAFF gewinnt den Segenspreis 2026

Heute sind rund 60 Kinder und Jugendliche in dem Kultur- und Jugendprojekt aktiv. Sie musizieren, tanzen, treten gemeinsam bei Projekten auf, diskutieren, entscheiden. Mehrere Bands sind aktiv. Für 2026 haben sie das Jahresmotto gewählt: „Laut für die Leisen“. Sie wollen damit ihre Stimme auch für diejenigen erheben, die häufig nicht gehört werden. So bringen sie mit ihren Konzerten Menschen zusammen, engagieren sich für Menschen mit Behinderung und schaffen Begegnungsräume für junge Geflüchtete.

„Aus einem Angriff ist ein Ort der Begegnung geworden. Aus Sprachlosigkeit sind Musik und Tanz geworden. Aus der Erfahrung von Ausgrenzung ist der Mut entstanden, für andere einzustehen“, sagte Laudatorin Sonja Friese, die in der fünfköpfigen Jury den Preisträger des Vorjahres, den Berliner Ruder-Club Hevella e.V., vertrat. Sonja Friese wünschte den Jugendlichen, die mit 10.000 Euro bedacht wurden, dass sie noch lange laut bleiben – für sich selbst und für die Leisen. Das Paul Gerhardt Stift hat in diesem Jahr zum vierten Mal den Segenspreis für besonderes soziales Engagement verliehen. „Mit dem Segenspreis möchten wir zeigen, wie viel Gutes täglich geschieht und wie Menschen für andere zum Segen werden – oft im Verborgenen, aber mit großer Wirkung. Die ausgezeichneten Projekte stehen beispielhaft für Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich für andere einsetzen“, sagte Martin von Essen, Stiftsvorsteher des Paul Gerhardt Stifts.

Segenspreis würdigt soziales Engagement in Berlin und Brandenburg

Der Segenspreis solle alle Religionen miteinander verbinden und der Stadt zum Segen gereichen, als ein Preis für Projekte, die Mut machen gegen die Gräben in der Gesellschaft. Ziel des Segenspreises ist es, das vielfältige soziale Engagement in Berlin und Brandenburg sichtbar zu machen und diejenigen zu stärken, die sich tagtäglich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.

Für den Preis hatten sich in diesem Jahr 58 Initiativen beworben. Als Schirmherr bedankte sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) für das bürgerschaftliche Engagement so vieler Gruppen. Am Jahrestag der Berliner Verfassung vom 1. Oktober 1950 „feiern wir unsere Demokratie“. Das Ehrenamt sieht er als unverzichtbaren „Kitt in unserer Gesellschaft, der die Gemeinschaft zusammenhält“, damit sie menschlich und solidarisch bleibt. Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) lobte alle Gruppen für ihre soziale Arbeit, die nie fertig werde. „Wir brauchen solche Menschen, die den sozialen Zusammenhalt stärken. Wir feiern gelebte Solidarität.“

„p.ink door“ unterstützt Frauen beim Ausstieg aus Zwangsprostitution

Die ehemalige Rundfunkpfarrerin und jetzige Gemeindepfarrerin Johanna Friese moderierte den Abend und die kurzweiligen Vorstellungsfilme der drei Preisträger. Pfarrer Martin von Essen stellte als Stiftungsvorsitzender die Schwerpunkte der Stiftung vor: Betreuung von über 300 Flüchtlingen, Kita, Seniorenzentrum, das Sozialunternehmen Die Wille und das Zukunftshaus als Stadtteilzentrum.

Mit dem 2. Preis und 5.000 Euro wurde die Gruppe „p.ink door“ geehrt: Frauen, die einen sicheren Raum für Frauen schaffen, die aus der Zwangsprostitution aussteigen. 2024 gegründet, ist ihnen die persönliche und individuelle Beratung wichtig, Hilfe bei der Wohnungssuche oder dem Wiedereinstieg ins Berufsleben. Mit Ausdauer und Flexibilität wurde seit der Gründung ein innovatives Konzept mit nachhaltiger Hilfe umgesetzt. Das „p“ im Namen steht für „personal“, das „ink“ für die Handschrift, das „door“ für die Tür zu neuen Lebensperspektiven.

ReHoP erhält dritten Preis für religionssensible Hospizarbeit

Den 3. Preis und 2.500 Euro erhielt die Gruppe ReHoP, Religionssensible Hospiz- und Palliativarbeit. Zusammen mit dem Berliner Forum der Religionen begleitet sie Menschen bis zu ihrem Lebensende. Die Gruppe will auch ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen und engagiert sich für die „Lange Nacht der Religionen“ in Berlin mit.

Der Segenspreis wird auch 2027 vergeben. Der nächste Ausschreibungszeitraum ist vom 6. Juni bis 6. September 2027 vorgesehen. Weitere Informationen gibt es beim Paul Gerhardt Stift.

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