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Die Ruhe hat es schwer

24.02.2021

Der Sonntag stoppt die Effizienzgaleere. Sonntagsschutz ist Lebensbewahrung

Von Christina-Maria Bammel

Umfragen sagen, dass der beliebteste Tag der Woche nicht der Sonntag, sondern der Samstag sei, weil man da den Sonntag noch vor sich hat. Am 3. März 321 verfügte Kaiser ­Konstantin seinen besonderen Schutz für das Römische Reich. Am „ehrwürdigen Tag der Sonne“ sollen „alle Richter, ebenso das Volk in den Städten, sowie die Ausübung der Künste und Handwerke ruhen“. Das ist 1700 Jahre her. Das Edikt war längst kein striktes Verbot von Sonntagsarbeit. Die war mit ­Konstantins Edikt und auch mit den Sonntagsregelungen in der Folge seiner Regierungsjahre keineswegs beseitigt. Da brauchte es die Neuzeit und die Weimarer Verfassung, die festhielt, was noch heute im Grundgesetz steht: Der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung. Wie schützen wir heute beides, ohne unter die Räder oder an die Ruder einer Galeere zu kommen, die nur nach dem Takt der Erwerbsarbeit fährt und auf der Effizienz und Effektivität nicht mehr dem Menschen dienen?

Eine Entgrenzung der Ladenöffnungs­zeiten darf nicht der post-pandemische Weg zur Rettung des Einzelhandels und damit auch zur Neubelebung der Innenstädte sein. Eine menschenfreundliche Sonntagskultur beginnt nicht mit Kommerz, sondern mit der Kunst der Muße, der Beziehung zu Gott, der Gemeinschaft, in der ich nichts leisten muss. 

Den Sonntag zu schützen ist auch persönlich kein Kinderspiel. Die Ruhe hat es schwer, wenn mit dem voranschreitenden Sonntagnachmittag die häusliche Spannung steigt und wie aus dem Nichts auftauchende Hausaufgaben drängeln, wenn die gemeinsame Woche vorbereitet und durchgeplant werden muss und dabei der familiäre Friede schmilzt wie Schnee in der Sonne. Wohl dem, der Sonntagabend tiefenentspannt auf die Woche schaut! 

Die Arbeitspflichten greifen immer mehr nach diesem freien Tag. Die Deutschen schlafen, so zeigen Studien, am schlechtesten vom Sonntag auf den Montag. Der Sonntag wird bedrängt. Im Jubiläumsjahr alles andere als ein Grund zum Jubeln! Zwar arbeiten in Deutschland „nur“ 11 Millionen Menschen für den Sonntag, etwa in Cafés und Restaurants, oder trotz des Sonntags wie in der Pflege. Aber mit dem bedrängten freien Tag geht es um noch mehr: Eingezwängt von Dauereffizienz und Maximalauslastung erleben wir gesellschaftsweite Tiefenerschöpfung. Das ist kein bloßes Gewerkschaftsthema, ist vor allem spirituelles, kulturelles Zukunftsthema! 

„So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben.“ Diese Parole aus der DDR der 1950er Jahre sollte mehr Leistung aus den Menschen auch sonntags pressen. Der Aufbau des Landes ging ohnehin schleppend voran. Man versuchte es in der Diktatur der ­Arbeiterklasse darum mit dem Sonntag als „Tag der Bereitschaft“. Dagegen hielt etwa die Synode im Kirchenkreis Pritzwalk 1954 fest: „Mit tiefer Sorge beobachten wir, dass die Sonntage vor allem in den Landgemeinden mehr und mehr zu Arbeitstagen geworden sind. Das kirchliche Leben wird besonders empfindlich gestört. Die Überbeanspruchung der Kräfte durch ständige sonntägliche ­Arbeit scheint uns auch mit ein Grund für die Republikflucht zahlreicher Landwirte zu sein. Die von Gott gesetzte Ordnung der Feiertagsruhe, wie sie im dritten Gebot zum Ausdruck kommt, darf nicht missachtet werden.“ 

Seitdem ist die Effizienzgaleere weiter ­gefahren, die Schlagzahl der Arbeitswelt nochmal erhöht. Noch größere Gefahr für den Sonntag. Es braucht darum weiterhin ­unsere hörbare und authentische Stimme für den Ruhetag in Herz und Hirn, für Regeneration auch in der Kontemplation. Der Sonntag ist ein kostbarer Spielraum des Lebens, er sollte nicht verspielt werden.

Christina-Maria Bammel ist Pröpstin der Evangelischen ­Kirche Berlin-Brandenburg-­schlesische Oberlausitz.

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1. Mehr Gotteshäuser für die Kaiserstadt Dirk Stratmann, Berlin Die Verdienste der fürsorglichen Kirchen-Juste sind unbestritten und anerkennenswert. Doch die
Grundlage ihrer Tätigkeit war der verhängnisvolle Summepiskopat in den evangelischen Landeskirchen bis 1918. Das landesherrliche Kirchenregiment war eigentlich nur für eine vorüber-gehende Notzeit gedacht. Doch das gefiel dann Fürsten und Kirchenver-antwortlichen so gut, dass die Notzeit fast vierhundert Jahre überstand bis 1918. Und aus Protest gegen die Wende 1919 und gegen die demokratische Fahne „Schwarz-Rot-Mostrich“ (so hieß es verächtlich) legte sich die evange-lische Kirche eine lilafarbene Kirchen-fahne zu. Und bezeichnend, dass - ganz anders als in den katholischen Gebieten - in den evangelischen Gebieten fast überall 1933 die Nazis bei den Wahlen die Nase vorne hatten. „Tempora mutantur, sed ecclesia saepe non mutatur.“ So sieht der frühere grüne Abgeordnete Frieder Otto Wolf weiterhin eine komplizenhafte Verstrickung der Kirche mit der Staatsmacht. Zwar sind inzwischen die evangelischen Christen in Berlin und in Brandenburg nur noch eine Randgruppe mit weniger als 15% der Bevölkerung – weiterhin abnehmend. Doch was erleben die nichtreligiösen Berliner, die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung? Sie erlebten, wie kirchliche Lobbyisten für das sogenannte kultische „HOUSE of ONE“ [ Spitzname „Wohngemeinschaft Gottes“ – Kultge-bäude für Juden, Christen, Muslime ] sich schamlos 25 Millionen Euro und kosten-los einen Bauplatz im Zentrum Berlins verfassungswidrig sicherten. Und ein Pfarrer, ein Imam und ein Rabbiner, jeweils in auffallend langen Gewändern, posierten dafür gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Müller für die Presse . Was Jesus von solchen auffälligen langen Gewändern in der Öffentlichkeit hält, lese man in der Bibel nach ( Mk. 12, 38ff; Lk. 20, 45f; Mt. 23, 5-7).
Das Projekt des sogenannte „HOUSE of ONE „ war ursprünglich von der Politik angedacht worden. Der Staat wird hier als parteilich erlebt. Und das untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und es kommen Befürchtungen auf, dass der Staat das Religiöse wieder für eigene Zwecke kanalisieren und instru- mentalisieren und eine synkretistische Fernwirkung anpeilen könnte. Und die evangelische Kirche hatte sich sofort wieder einmal an die Rockschöße des Staats geklemmt, um an die „ Fleisch-töpfe Ägyptens „ (2. Mose 16,3) ranzukommen – dazu der frühere evangelische Bischof eigens zu Verhandlungen auf dem Roten Rathaus. Nicht einmal 0,5 Prozent der Berliner besuchen sonntags einen evangelischen Gottesdienst. (Es ist absehbar, dass es in Berlin später mehr Muslime als evan-gelische Christen gibt.) Bestehende Kirchen stehen oft großenteils leer, viele Kirchengebäude werden entweiht, verkauft oder gar abgerissen. Aber die Kirche lässt sich einen neuen Prestige-bau mit 25 Millionen großenteils vom Staat finanzieren und kostenlos dazu das Grundstück stellen. Schämt sich die Kirche denn gar nicht? Diese Vorteil-nahme riecht nach Korruption. Bei diesem Kultgebäude, welches verfas-sungswidrig vom Staat (er muss religiös und weltanschaulich neutral sein) finanziert wird, sehen Berliner Steuer-zahler (diese in überwältigender Mehrheit nicht religiös) ihre Steuer-gelder missbraucht. In Berlin fehlen 26.000 Kitaplätze. Für das Geld des kultischen Prestigebaus „HOUSE of ONE“ hätte man sechs neue Kitas bauen können. Die fürsorgliche Kirchen-Juste hätte hier heute vermutlich anders geplant, da doch so viele evangelische Kirchen wegen mangelnder Nachfrage abgewickelt werden.
ABER ES KAM N O C H V I E L
S C H L I MM E R :
Gegen den ausdrücklichen Willen der überwältigenden Mehrheit der Muslime wählte man einen Mini-Verein der Gülen-Bewegung als Vertreter der Muslime aus (nur 6.000 der ca. 300.000 Muslime in Berlin – so die eigenen Angaben der Gülen-Bewegung). Das wäre etwa so, als würde man in Peking staatlicherseits für die Christen beispielsweise die pflegeleichten „Christen für den Sozialismus“ auswählen. Hier betätigt sich der Staat wieder einmal wie in früheren Zeiten von „Thron und Altar“ ungeniert als Religionsingenieur und privilegiert g r u n d g e s e t z w i d r i g (Staat muss religiös und weltanschaulich neutral sein) ausgewählte MINDER-HEITENgruppen. Ursprünglich war das Projekt als Graswurzelprojekt vorgestellt worden. Doch für ein Graswurzelprojekt interreligiösen Dialoges braucht man keinen teuren kultischen Prestigebau und dafür grenzt man auch nicht willkürlich diskriminierend viele Religionen aus. Sinnvoll ist es dagegen, wenn der Staat über schulische Lehrpläne und mit entsprechenden Angeboten bei Volkshochschulen, Akademien, politischen Landeszentralen, usw., usf. den interreligiösen Dialog fördert. Und die Religionsgemein-schaften können ihrerseits im Sinn eines Graswurzelprojekts interreligiösen Dialog und Trialog usw. institutio-nalisieren auch ohne teuren kultischen Vorzeigebau – reihum in bestehenden Gemeindezentren, mal in christlichen, mal jüdischen, mal muslimischen, usw. oder auch auf neutralem Boden in öffentlichen Räumen.
Oder damit man nicht diskriminierend kleinere Religionsgemeinschaften ausgrenzt, könnte man ein gemeinsa-mes, nichtkultisches Haus der Religionen für Gespräche und gemeinsame Aktionen der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften bereitstellen. Schon jetzt gibt es auch ohne das teure „HOUSE of ONE „, das diskriminierend ausgrenzt, pro Woche in Berlin sehr viele Angebote. Das „HOUSE of ONE“ wird auch in Berlin ständig weitere Sicher-heitskräfte binden, wie wir das von „Brennpunkten" aus dem Ausland kennen. Es wird eher Sprengsatz statt Kitt der Gesellschaft sein, da für ihre kultischen Gebäude Religionsgemein-schaften schon selber gezahlt haben sollten.
Es bleibt zusätzlich noch eine kleine Frage unbeantwortet: Bei dem Dialoggottesdienst zum Purimfest in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am 25.2.2021 hatte sich Esther Hirsch gleich zu Anfang als Vertreterin des „HOUSE of ONE“ vorgestellt und angekündigt, dass in diesem Haus alle Religionen (es war ausdrücklich von allen Religionen die Rede, nicht nur von den abrahamischen) beten sollten. Meine Frage war bisher nicht beantwortet worden, ob die Hindus, die Isisanbeter, die Anhänger der Druiden- und germanischen Kulte, usw., usf. nun in der Synagoge oder Moschee oder christlichen Kirche ihre Andacht verrichten dürfen. In einem echten dialogischen Gottesdienst hätte ein Pfarrer eine solch grundlegende Frage gleich aufgreifen können. Die Frage ist bis heute nicht beantwortet.
Dirk Stratmann, Berlin

2. Solidarische Sympathie Wolfgang Banse Ökumene, sollte, darf nicht daran gemessen werden im Bezug auf ein gemeinsames gefeiertes Heiliges Abendmahl.Ökumene, hier gemeinsam gefeiertes Heiliges Abendmahl besteht nicht bei allen evangelischen christlichen Kirchengemeinschaften, hier SELK und Amtskirchen.Es wurde in den letzten Jahrzehnten viel erreicht, dies sollte nicht vergessen werden.Die Evangelischen Kirchen sollten nicht weiter als Kirchen guten Willens betrachtet und gesehen werden, sondern als gleichwertige, vollwertige Kirchen.
3. Gelassen Ostern zulassen Wolfgang Banse "Wir sind präsent" m-diese Worte greife ich auf und frage mich ob es eine Freudsche Fehlleistung, ein Black out von Herrn Stäblein war, was seine Gedanken zum Osterfest zum Osterfest 2021 anbelangt. Ein ruhiges, gelassenes Leben führen hier die Hauptamtlichen, Pastorinnen und Pastoren während der seit über einem Jahr existierenden Corona Pandemie. Monatelang fallen Andachten und Gottesdienste aus,nicht jede und jeder Gläubige ist im Besitz eines PC, Notebook,..Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen-dann sollten die Hauptamtlichen zu den Menschen kommen.Geschieht dies?!(Ausnahmen bestä-
tigen die Regel) Effizient und Qualität ist in jeder Hinsicht gefragt, was die Institution Kirche, hier EKBO betrifft.Gesegnete Ostern Frau Bammel/Herr Stäblein.

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