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NEIN zu Gewalt gegen Frauen

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Färb die Welt orange

Gewalt gegen Frauen ist auch heute noch ein meist unbestraftes Verbrechen mit vielen Gesichtern: beispielsweise Zwangsprostitution,  Genitalverstümmelung, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, körperliche und psychische Gewalt, Benachteiligung. Allein in Deutschland fliehen jährlich 40000 Frauen vor ihren gewalttätigen Männern ins Frauenhaus. Seit 1999 wird der 25. November als ­Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen abgehalten. Warum das heute immer noch wichtig ist. Auch in der Kirche

 

Von Magdalena Möbius

 

„Färb die Welt orange“ ist das Motto der UN-Women-Kampagne für die Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt. Vom 25. November bis 10. Dezember gibt es weltweit ­Aktionen und Informationsveranstaltungen. In Deutschland werden an vielen Gebäuden Fahnen gehisst. Wir als Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz schließen uns mit dem Evangelischen Zentrum, dem Diakonischen Werk, dem Amt für kirchliche Dienste und 16 weiteren Kirchen und Gebäuden an.

 

In den Tagen mit den liturgischen Farben Weiß für den Ewigkeitssonntag und Violett für die Adventszeit versehen wir unsere Gebäude 16 Tage lang mit der Farbe Orange. Ich kann das auch als liturgisches Handeln sehen in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Liturgie: als Werk an der Gesellschaft. Wir bekennen uns zum Ziel der Überwindung von Gewalt und das auch, indem wir nach innen schauen: Weil sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Erwachsenen in Kirche und Diakonie verübt wurde und wird, weil wir in der Forschung nach kirchenspezifischen Ursachen erst am Anfang stehen, weil wir bei Weitem noch nicht alle Mitarbeiter:innen durch Schulungen zum Thema sexualisierter Gewalt  in der Gemeindearbeit, der Seelsorge und am Arbeitsplatz sensibilisiert haben, weil wir immer wieder in den Reflex verfallen, das Unmögliche nicht für möglich zu halten und dadurch Täter:innen schützen, statt konsequent die Seite der Betroffenen von Gewalt zu stärken.

 

Wir bekennen uns zum Ziel der Überwindung von Gewalt, indem wir benennen: Weltweit erlebt jede dritte Frau im Verlauf ihres Lebens physische oder sexualisierte Gewalt. Trans-Frauen und nicht-binäre Menschen, Migrantinnen, Schwarze und indigene Frauen, Frauen mit einer Behinderung und alte Frauen sind ­einem besonders hohen ­Risiko von Gewalt ausgesetzt.

 

Ni una menos – nicht eine weniger – rufen von Argentinien ausgehend Demonstrant:innen im Protest gegen Frauenmorde und ­gegen eine Politik, die Gewalt gegen Frauen immer noch zu wenig entgegensetzt. Welch ein hoffnungsvoll-radikaler Appell!

 

Sie fordern die Umsetzung politischer Vereinbarungen wie des „Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau“ von 1979 und der sogenannten Istanbul-Konvention, des europäischen Vertrags „zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“, 2014 in Kraft getreten, 2018 von der deutschen Regierung ratifiziert. Die Erstunterzeichnerin Türkei ist übrigens dieses Jahr aus diesem Vertrag ­ausgestiegen.

 

Auch in Deutschland ist für die Umsetzung ihrer Ziele noch viel zu tun: Flächen­deckende Finanzierung von Beratungsstellen und Frauenhäusern; wirksame strafrechtliche Normen und Verfahren zur Aufklärung und Sanktionierung von Gewalttaten, Sofortschutz der Betroffenen durch Kontakt- und Näherungsverbote; Ausdehnung der Maßnahmen auch in Asylverfahren, eigenständige Aufenthaltstitel für Gewaltopfer.

 

Und nicht zuletzt Bewusstseinsschaffung und ­Sensibilisierung der Öffentlichkeit, also von uns allen. Überwindung von Gewalt kann nur geschehen, indem wir hinschauen, eingreifen, benennen, zuhören, unterstützen, miteinander Schmerz aushalten und nicht zuletzt, indem wir Gewalt, die wir selber ausüben, erkennen und überwinden. Das sagen unsere orangen Fahnen in diesen Tagen.

 

Magdalena Möbius ist landeskirchliche Pfarrerin für Frauenarbeit in der EKBO.

 

Ein Ökumenischer Frauengottesdienst am 25.11. unter dem Titel „Schrei nach Leben“ findet um 18 Uhr in der katholischen Kirche St. Michael Berlin-Kreuzberg statt. Mehr Infos: go.akd-ekbo.de/fahnenaktion21. Wenn Sie im nächsten Jahr auch eine Fahne hissen wollen, melden Sie sich unter frauenarbeit@akd-ekbo.de

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1. Beiträge Herr Banse Redaktion
2. Synodenberichterstattung Wolfgang Banse Zu:Bischofsvisitation 2O22:Seelsorge-Seelsorge in Zeiten der Pandemie , läßt zu wünschen.Der Realität ins Auge sehen, hier Potsdam.
Absitzen, aus sitzen.Seelsorge sieht anders aus, als sie erleb, erfahrbar ist.Selbstbeweihräucherung der Pastorinnen und Pastoren.Nur seine eigenen Veranstaltungen, Gottesdienste, Andachten wahr nehmen, nicht der Kolleginnen, Kollegen.Wie kommt es dass eine Person, die 8 Jahre in dem Stadtteil wohnt,keinen Gemeindebrief in den Briefkasten vorfindet.Sprechzeiten nach Absprache.
Zu:Kirche ohne Rassismus:Die Kirche will eine Kirche ohne Rassismus werden-warum ist sie es nicht schon.Apartheit ist erleb, erfahrbar hier was gehandikapte Menschen als Glieder der Kirche betrifft. Inklusion hoch gelobt, nur nicht gelebt,erleb, erfahrbar.
Zu:Gemeindestrukturgesetz:Glieder der Kirche werden wie Freiwild, Laib-eigen behandelt, entmündigt, an Fäden gezogen , wie eine Marionette.Den Gliedern von kleinen Gemeinden wird geraten, den Gerichtsweg zu gehen, aus der Kirche austreten, da diese keine Basisdemokratie lebt. Den Personen Stäblein, Bammel,Konsistorialpräsident, sollten die Kirchenaustritte übersandt werden. Einladungen von den Kirchengemeinden zurück genommen werden, hier Festgottesdienste...
3. Veränderungen Gert Flessing Lange Jahre war ich Pfarrer in Brandenburg. Schon damals, in den beginnenden achtziger Jahren, wurde deutlich, dass es zu Veränderungen kommen muss. Zunächst waren es eher Vakanzen, die nachdenklich werden ließen. Später kamen die ersten Schließungen von Pfarrstellen. Da war ich bereits in Sachsen. Auch dort erlebte ich die Veränderungen. So fügten wir aus drei Gemeinden eine zusammen. Das war 1997. Jetzt bin ich im Ruhestand und erlebe, wie die Gemeinden unter der neuen Strukturreform ächzen. Ich vermisse dabei vor allem eine theologische und seelsorgerliche Begleitung.
Ich kann die Christen der Prignitz gut verstehen. Aber Kirchgemeinden mit 300 Mitgliedern gibt es hier seit den neunziger Jahren nicht mehr. Sicher ist es am Besten, wenn es zu freiwilligen Zusammenschlüssen kommt. Aber ich kenne das Spiel gut genug, dass ich weiß: "Das ist mehr als selten." Weil jede Gemeinde Angst hat, zu kurz zu kommen. Leider.
Gert Flessing

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