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RSSPrint

Sprengel ohne eigene Pfarrperson

28.10.2020

Im Pfarrsprengel Heckelberg herrscht Unmut über die Streichung der einzigen Pfarrstelle durch die Kreissynode Barnim

Von Uli Schulte Döinghaus 

„Pfarrstelle fällt weg.“ Diese Entscheidung segnete die Kreissynode Barnim vor rund einem Jahr ohne Gegenstimme bei zwei Enthaltungen ab. Damit war klar, dass der Pfarrsprengel aus den Kirchengemeinden Heckelberg, Brunow, Leuenberg, Kruge, Gersdorf und Breydin künftig auf einen eigenen Pfarrer oder eine eigene Pfarrerin verzichten muss. Ein Dreierteam von Pfarrpersonen aus Nachbargemeinden soll die Gemeindeglieder künftig seelsorglich betreuen. 

Die bisherige Pfarrerin Jutta Biering wurde vor Kurzem feierlich in den Ruhestand ver­abschiedet. Was nun? Die Region rund um die politische Gemeinde Heckelberg-Brunow ist landwirtschaftlich geprägt und äußerst dünn besiedelt. Jahrzehntelang litt die Gegend unter Auszehrung, junge Menschen wanderten ab. Langsam wendet sich das Blatt: Innerhalb eines Jahres stieg die Einwohnerzahl von Heckelberg-Brunow laut Statistik um 23 auf 682 Einwohnerinnen und Einwohner an. Es gibt Arbeit. Mieten sowie Bauland sind im Landkreis Märkisch-Oderland vergleichsweise günstig.

Auf 1000 Kirchensteuerzahlende kommt eine Vollzeitpfarrstelle

Mit dieser Dynamik kann die Statistik der Kirchenglieder im Sprengel Heckelberg nicht mithalten. Zu den angeschlossenen sechs Kirchengemeinden und Predigtstätten gehören weniger als 300 Gemeindeglieder, die Kirchensteuern bezahlen. Was das bedeutet, erläuterte der heutige Bischof Christian Stäblein schon vor vier Jahren vor EKBO-Pfarrpersonen so: „Ich höre bisweilen großen Kummer. Zehn Dörfer. Nur eine Pfarrerin, nur ein Gottesdienst am Sonntag. Das geht doch nicht, sagen die dann. Und ich frage zurück: Sagen Sie mir, woher wir das Geld für mehr nehmen sollen.“ Die Frage, so Stäblein damals, „findet nur wenig Resonanz“. 

Unterm Strich gilt nämlich: Auf rund 1000 Kirchensteuerzahlende kommt eine „eigene“ Pfarrerin oder ein Pfarrer in Vollzeit. Mit dieser Vorgabe müssen sich engagierte Christinnen und Christen in Heckelberg-Brunow herumschlagen – aber sie finden sich damit nicht ab. Zu ihnen gehören Hannelore Eichhorst (66) und Ingrid Willuhn (70), beide Mitglieder des Gemeindekirchenrates Heckelberg. Sie geben zu, dass das kirchliche Leben in den vergangenen Jahrzehnten eingebüßt habe: Die letzte Konfirmation im Ortsteil Brunow war vor 20 Jahren, die letzte Taufe liegt wohl 15 Jahre zurück. 

GKR-Mitglieder fühlen sich ungehört

Aber Eichhorst und Willuhn setzen darauf, dass die Gemeinden im östlichen Barnim wachsen – und damit ein Bedürfnis nach kirchlicher Gemeindearbeit und Spiritualität: „Das bietet auch Chancen für die Kirchengemeinden“, sagt Hannelore Eichhorst. Sie kennt sich aus in der Region, arbeitet mit im Jagdvorstand, kümmert sich um Friedhofsangelegenheiten und macht sich gegen neue Windkraftanlagen stark, die mitten im Wald geplant sind. 

Eine Gemeinde könne aber nur wachsen, wenn sie eine Pfarrerin oder einen Pfarrer in ihrer Mitte habe, einen ständigen Ansprechpartner für Seelsorge, Familien-, Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit, für Kirchenmusik und Kulturveranstaltungen, finden die beiden Frauen. Sie erinnern daran, dass es immer wieder kulturelle Höhepunkte im Heckelberger Kirchenjahr gegeben habe, die von ihrer Pfarrerin organisiert und gestaltet worden seien und die auch viele Menschen aus dem Dorf ohne christlichen Hintergrund besucht hätten. 

„Aber man hat uns nicht zugehört“, kritisieren die beiden Frauen. „Unser Argument ‚Gemeinden brauchen feste Pfarrpersonen‘ wurde mit Hinweis auf die Finanzen und die schrumpfenden Mitgliederzahlen abgetan.“ Eingaben, Briefwechsel, Konsultationen – alles ergebnislos. Bitter beklagen sich Eichhorst und Willuhn über die Beschlüsse des Kirchen­kreises, die ihnen die angestammte Pfarrstelle genommen hätten. „Jetzt sind wir sehr skeptisch, was die Zukunft in unseren Dörfern und Gemeinden angeht“, sagt Ingrid Willuhn. „Eine Pfarrerin oder ein Pfarrer vor Ort ist selbstverständlich etwas anderes als jemand, der ein- oder zweimal im Monat anreist, den man gar nicht kennt. Wie soll man bei so jemanden seelsorglichen Rat suchen?“

Nicht nur in Heckelberg und Brunow befürchten Kritikerinnen und Kritiker, dass Parochien auf dem Lande unter finanziellem und demografischem Druck aufgelöst und durch Funktionseinheiten ersetzt werden könnten, in denen arbeitsteilig und quasi ambulant Seelsorge, Gemeindediakonie, Verwaltung und Verkündigung organisiert wird. Auch wird kritisiert, dass zu viele Pfarrpersonen im kirchenleitenden Management oder in Funktionen außerhalb der Gemeinden beschäftigt seien. „Auch der Bischof könnte mit einer halben Stelle Dorfpfarrer sein“, sagt zum Beispiel der pensionierte Gemeindepfarrer Matthias Gürtler, der ab und an den Heckelberger GKR berät.

Über den Tellerrand der Parochiestruktur schauen

„Leider rechtfertigt das gemeindliche Leben im Pfarrsprengel Heckelberg nicht die Wiederbesetzung der Pfarrstelle“, entgegnet Pfarrer Christoph Brust, Vorsitzender des Leitungskollegiums des Kirchenkreises Barnim. Außer den sonntäglichen Gottesdiensten einmal im Monat – die bisweilen nur fünf Besuchende verzeichneten – tue sich nicht viel, sagt er. Und die schrumpfende Zahl an Gemeindegliedern spreche dagegen, hier noch intensiv Personal einzusetzen. „Wir schätzen das Engagement der Ehrenamtlichen im Pfarrsprengel sehr, aber alle zusammen müssen wir lernen, Gemeinde in anderen Strukturen neu zu denken und über die Grenze des Dorfes hinauszuschauen.“ Pfarrer Brust setzt auf über­gemeindliche Zusammenarbeit: „Wir betrachten den östlichen Teil des Kirchenkreises Barnim als Region, in der wir mit drei Pfarrern und einem Gemeindepädagogen moderne Seelsorge und Verkündigung bündeln und bedarfsgerecht anbieten.“ 

Christoph Brust respektiert den Widerstand und die Widerständler, aber glaubt auch an neue Inspiration jenseits des Traditionellen. Das hätten gute Erfahrungen mit ähnlich neuen Zuordnungen woanders gezeigt, etwa in der benachbarten Region Falkenberg. „Lasst uns über den Tellerrand der Parochialstruktur hinweg schauen.“ Christoph Brust setzt auf Modernität, Mobilität und Arbeitsteiligkeit, gerade wenn es um Familien, Kinder-, Jugend- und Senioren­arbeit geht. „Wenn man sich in neuen Gemeinschaften trifft, finden viele Leute das inspirierend. Sie finden es gut, sich mal hier und mal dort zu treffen, statt immer am gleichen Ort.“

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1. Kirche unter dem Kreuz Dr. Horst König Es ist auf jeden Fall zu begrüßen, daß mit der Darstellung die Katastrophe in Bergkarabach ins Bewußtsein gerufen wird. Wenn es im Artikelheißt: „deshalb darf es jetzt kein Schweigen und Wegschauen geben. Denn der Konflikt um Bergkarabach kann sich auf ganz Armenien ausweiten. Unsere christlichen Geschwister brauchen unsere Solidarität, unsere Gebete und aktuell vor allem politische ¬Unterstützung.“ ist das richtig. Doch dabei darf es nicht bleiben. Die EKD und die EKBO sollen – soweit noch nicht geschehen – offiziell Stellung beziehen und von der Deutschen Regierung klare politische und materielle Unterstützung für Armenien einfordern.
2. Armenien Klaus Mengel Die Historie Armeniens und die aktuellen Ereignisse sind schlimm - es tut weh.
Was kann man tun, wie kann man helfen?
3. Medienarbeit braucht Wolfgang Banse Auf diesem wege übermittle ich der Evangelischen Wochenzeitung:die Kirche meine herzlichsten Glück-und Segenswünsche zum 75. Bestehen dieser Zeitung. Die Zeitungslandschaft wäre um einiges ärmer, wenn es die Evangelische Wochenzeitung:die kirche nicht gäbe.Neben der Wochenzeitung:die Zeit erwerbe ich jeden Donnerstag die Evangelische Wochenzeitung:die Kirche. Mir würde und anderen sicher auch etwas fehlen, wenn diese Zeitung nicht mehr existieren würde.Weiterhin viel Erfolg und nochmals herzlichen Glückwunsch

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