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RSSPrint

Auf die Stimme der Natur hören

22.07.2020

Kirchengemeinden im Fläming haben Nachhaltigkeit zu ihrem Thema gemacht.

Von Susanne Atzenroth

Selbstgepresster Apfelsaft, ein geselliges Marmeladekochen oder das schattige Plätzchen beim Gemeindefest – viele Ideen hat die Kirchengemeinde für die Nutzung der neuen Bäumchen, die vor wenigen Wochen in Ragösen (Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg) gepflanzt wurden. Dass hier eine Streuobstwiese entsteht, macht die Menschen im Ort und in der Kirchengemeinde glücklich. Viele von ihnen erinnern sich noch, dass auf der Wiese hinter dem Pfarrhaus auch früher schon einmal Äpfel, Birnen und Pflaumen reiften. Damals war es der Garten des Pfarrers, heute ist es ein Gemeinschaftsprojekt. 

Ein Jahr lang entwickelte die Umweltarbeitsgruppe der Martins­kirchengemeinde Lütte und der Trinitatiskirchengemeinde Ragösen, zu denen insgesamt sieben Dörfer im Hohen Fläming gehören, eigene Ideen für ein nachhaltigeres Gemeindeleben. Unterstützt wurden sie dabei von Anne Römpke im Rahmen des EU-geförderten Nachhaltigkeitsprojektes „Gemeinde N“. Mit den von der Umweltpsychologin erarbeiteten Unterlagen begannen sie, verschiedene Bereiche des Gemeindelebens in den Blick zu nehmen, darunter die Materialbeschaffung und den Energieverbrauch. Schon bei der Bestandsaufnahme kristallisierten sich Schwerpunkte heraus: „Plötzlich stellten wir fest, wie viel Strom die Heizung in einer Kirche fraß“, so Liane Mittelhaus, Sprecherin des Umweltarbeitskreises. Durch eine veränderte Einstellung an der Anlage konnte dann schnell Abhilfe geschaffen werden.

Weitere Themen ergaben sich im Laufe des Prozesses, etwa die Nutzung des Kirchenwaldes oder die Idee eines Gemeinschaftsbrunnens. Es sind Dinge, die die Menschen in den Dörfern beschäftigen. „Diese Themen passen hierher“, so Dorothea Sitzler-Osing, die seit knapp vier Jahren Pfarrerin der beiden Gemeinden ist. „Die Menschen auf dem Land hören die Stimme der Natur besonders gut“, betont sie. „Die Offenheit dafür, unsere eigenen Projekte zu finden, war eine große Chance“, sagt auch Kathleen Zocher aus Lütte. Sie ist Mitglied der Umweltarbeitsgruppe und engagiert sich besonders für das Thema Wald. Auf einer von einem Forstspezialisten geführten Wanderung durch den umliegenden Flämingwald hatte sie zusammen mit einer Gruppe aus der Gemeinde erfahren, dass nur eine um ein Grad höhere Erderwärmung den gesamten Buchenbestand in den höheren Lagen der geschützten Region bedrohen könnte. „Also haben wir uns gefragt, was wir als Kirchengemeinde konkret beitragen können, um das zu verhindern“, so die promovierte Biochemikerin, die neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit Dreh- und Angelpunkt im Gemeindebüro ist. „In unserer Arbeitsgruppe richteten wir einen intensiven Blick auf den kircheneigenen Wald. Wir schauten uns gemeinsam an, wo er liegt und in welchem Zustand er ist. Aktuell prüfen wir Möglichkeiten der ökologischen Nutzung oder eines wissenschaft­lichen Forschungsprojektes.“ Als erstes Zeichen wurden nun die Bäumchen auf der Steuobstwiese gepflanzt. 

Anne Römpke, ihr Kollege Carsten Brinzig und Pfarrerin Sitzler-Osing trugen das Thema auch in die anderen Kreise und Konfirmandengruppen der Gemeinden des Pfarrsprengels. Für ihr Engagement erhielten die Gemeinden im vergangenen Jahr die Auszeichnung „Blauer Planet“ vom Landkreis Potsdam-Mittelmark. Das Umweltbüro der EKBO unterstützte das Projekt unter anderem mit der Vermittlung eines passenden Trägervereins. Auch wenn nun der Förderzeitraum endet und Anne Römpke in ein neues Projekt in der Sächsischen Landeskirche wechselt, will die Umweltarbeitsgruppe des Pfarrsprengels Lütte-Ragösen ihre begonnenen Nachhaltigkeitsprojekte weiterführen. Mit ihr gemeinsam hatte sich auch die Kirchengemeinde Wiesenburg auf den Weg der Nachhaltigkeit gemacht. Dort legte die Gruppe um Pfarrer 

Stefan Schönfeld ihren Schwerpunkt auf das Thema Mobilität. 

Mehr Informationen und umfangreiches Material unter www.gemeinde-n.de

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1. Das glauben wir - das lehnen wir ab Jürgen Rhode Vielen Dank für diese klarstellenden Sätze, sie waren und sind lange überfällig. In der Form erinnern sie mich etwas an die Barmer Erklärung 1934, die auch in entscheidungsschwerer Zeit geschrieben wurde. Der jetzige Artikel spricht die überlebenswichtigen Themen dringlich an fern von jeglicher Kleinkariertheit. Verkündigung, wie ich sie mir wünsche!
2. Das glauben wir - das lehnen wir ab Jürgen Rhode Vielen Dank für diese klarstellenden Sätze, sie waren und sind lange überfällig. In der Form erinnern sie mich etwas an die Barmer Erklärung 1934, die auch in entscheidungsschwerer Zeit geschrieben wurde. Der jetzige Artikel spricht die überlebenswichtigen Themen dringlich an fern von jeglicher Kleinkariertheit. Verkündigung, wie ich sie mir wünsche!
3. Das glauben wir. Das lehnen wir ab. Carola Vonhof Guten Morgen,
wie ich sehe, haben wir für unser kommendes Gemeindeinfo genau das richtige Thema gewählt. Vielen Dank den beiden Autoren für diesen Beitrag und herzliche Grü´ße
Carola Vonhof

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