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Auferstehung wird nicht ausfallen

08.04.2020

2020 ist eine andere Passionszeit. Auch Ostern wird anders durch das Abstandsgebot wegen der aktuellen Gefahr durch das Coronavirus. Es wird ein seltsames Osterfest werden, an das wir uns noch lange erinnern. Es wird sein wie beim ­allerersten Osterfest. Damals gingen zwei Frauen zu Jesu Grab. Mehr dürfen es heute auch nicht sein.

Von Juliane Rumpel

Die Passionsspiele sind verschoben worden. Das passierte schon einmal, vor genau 100 Jahren, damals wurden sie wegen der Spanischen Grippe, heute wegen Covid-19 verschoben. Passionsspiele kann man verschieben. Passionszeit nicht. Sie ist jedes Jahr: beginnt am Aschermittwoch und endet in der Osternacht, auch dieses Jahr. Und doch ist es eine andere Passionszeit. Vielleicht die intensivste, die Menschen seit Jahrzehnten erlebt haben, vielleicht auch die ehrlichste. 

Passionszeit heißt Leidenszeit. Die einen leiden derzeit, weil sie so viel arbeiten müssen wie nie zuvor, und die anderen leiden, weil sie zum Nichtstun vergattert sind. Viele leiden unter Krankheit, unter Atemnot und Lungenentzündung. Angehörige leiden, weil sie ihre Kranken, ihre Alten nicht besuchen zu dürfen. Und das sind nur die Leiden in unserem Land: ­Südlich, östlich, westlich von uns leiden Menschen noch viel mehr. Oft unbemerkt, zu sehr drehen sich unsere Nachrichten in diesen Tagen um uns und unser Leid.

Passionszeit ist Leidenszeit. Die christliche Passionszeit allerdings ist nicht nur unverschiebbar, sie ist auch endlich. Ihr Ende ist sein Ende. Mit dem Ende des Jesus von Nazareth endet auch die Passionszeit: mit seinem letzten Mahl, dem wir in diesem Jahr nur zu Hause am Küchentisch nachspüren dürfen, endet mit Jesu Gefangennahme, seiner Geißelung und Verspottung, schließlich mit seinem Tod.

Passionszeit ist Leidenszeit. Nicht ­unserer Leiden gedenken wir in der ­Karwoche, sondern Jesu Leiden. Auch der Karfreitag in diesem Jahr wird intensiv und ehrlich still wie selten. Es wird keinen Streit darum geben, ob das Tanzverbot nicht endlich gelockert werden müsste. Alles hat zu, kein Tanz, nirgends, einzig die Kirchenglocken werden wir hören, allüberall um 15 Uhr zur Sterbestunde. Und dann müssen wir ausharren. Bis zum ­dritten Tage seinen Tod aushalten, seine Abwesenheit, können den Schmerz nicht lindern, wie das oft geschieht, durch das Abendmahl. Dieses Jahr nur Abwesenheit, seine und unsere.

Karsamstag dann, ein Zwischentag, einer zwischen Tod und Leben. Bisher gab es nur einen, der an dieser Stelle war, nur Jesus. Unsere Tage zwischen Geburt und Sterben – sie sind auch Zwischentage ­allesamt, jedoch Tage zwischen Leben und Tod. Und Karsamstag, der Tag an dem die Karfreitagsstille noch nachklingt, wir aber fast schon jenseits der Stille sind, er lässt mich spüren, wie unvernünftig wir oft mit unseren Zwischentagen umgehen: Denn wir kommen auf diese Welt und haben nichts und wir verlassen sie wieder und können nichts mitnehmen. Und die Zeit dazwischen verbringen wir viel zu oft ­damit, uns um dieses, was wir nicht mitbrachten und was wir nicht mitnehmen können, zu streiten.

Und dann kommt Ostern: Es wird ein seltsames Osterfest werden, eines an das wir uns noch lange erinnern. Es wird ­werden wie beim allerersten Osterfest: Damals gingen zwei (mehr dürfen es ja heute auch nicht sein) zu einem Grab, doch das Grab war leer. Der gemeinsame Liebesdienst war nicht möglich. Die zwei blieben allein. Seltsam und schmerzhaft jener erste Ostermorgen. 

Schmerzhaft und seltsam wird auch unser Ostermorgen dieses Jahr. Vom ersten Ostermorgen, auch von seiner Einsamkeit, erzählt man sich bis heute. Auch vom diesjährigen Osterfest werden wir noch lange erzählen. Vom ersten Osterfest berichtet man vor allem, weil schmerzhaftes Vermissen, weil Einsamkeit und leeres Grab nicht das Ende der Geschichte sind. Und das macht mir auch in diesem Jahr Hoffnung: Unsere verordnete Vereinzelung wird ein Ende haben. Und wenn es soweit ist, sollten wir es mit einem Fest feiern! Ein Fest, das jenem Wunder würdig ist, das einmal am Ostermorgen geschah. 

Ja, Ostern wird anders dieses Jahr. Aber die Auferstehung, die wird nicht ausfallen. Wie so vieles nicht ausfällt: Telefonate und Hilfeleistungen, Sonnenschein und Kirschblüte, Gebet und Hoffnung. All das fällt auch nicht aus, es ist nur anders dieses Jahr. 

Das erste Ostern verändert Menschen bis heute und schenkt ihnen immer neu einen Grund für Hoffnung. Möge es auch dieses Jahr uns und die Welt verändern.

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1. Er kommt, sieht und hört zu Wolfgang Banse Eine Einarbeitungsszeit wird jede/jeden Neue/ Neuen wird zu gestanden.Kommen, sehen. zu hören ist aber auf Dauer nicht angebracht. Pragmatismus ist gefragt. Suchet der Kirche und deren Glieder Bestes.
2. was meinen Sie damit? Dr. Gertrud Gumlich ich gebe Uli Frey vollkommen recht. Nur:
wie (wieder-)belebt man eine Friedensbewegung?
3. Obdachlose Wolfgang Banse Menschen ohne Obdach haben es schwer, jetzt besonders wo die Corona Pandemie ausgebrochen ist. Menschen ohne Obdach bedürfen der Hilfe, nicht nur während der kalten Jahreszeit.Leistungen die von den Kirchen erbracht werden im Bezug Versorgung von Obdachlosen sind überwiegend Fremdfinanzierungen, auch was die Lebensmittel betrifft, hier die Tafel. Aus eigenen Mitteln, hier Etat wird kaum etwas finanziert.

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