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Bewusster Verzicht oder Festhalten?

19.01.2021

Verweis auf die Eigenverantwortung in evangelischer Tradition: Gedanken zu Gottesdiensten in der Pandemie

Von Hanfried Zimmermann

Heiligabend 2020 ohne einen Gottesdienst in einer Kirche: Das war schon ein eigenartiges Gefühl.  Von Kindheit an habe ich sie mitgestaltet oder später selbst verantwortet. Da fehlte schon viel in diesem Jahr, gewiss nicht nur mir.

„Leider kann unser Gottesdienst angesichts der hohen Infektionszahlen nicht wie geplant stattfinden. Achtsamkeit und Nächstenliebe gebieten es in diesem Jahr darauf zu verzichten.“ So oder ähnlich war es kurz vor Weihnachten auf vielen Veröffentlichungen von Kirchengemeinden zu lesen. Ich ahne, wie schwer es für viele war, sich zu dieser Entscheidung durchzuringen. Aber es war aus meiner Sicht die richtige, ja die einzig mögliche Entscheidung. Ich will Gemeinden, die sich anders entschieden haben, ein verantwortungsvolles Abwägen nicht absprechen. Dennoch kann ich das Festhalten am Präsenzgottesdienst nur schwer nachvollziehen. Wie bringen wir diese Entscheidung und die so dringende an uns gerichtete Aufforderung in Einklang auf alle nicht unbedingt notwendigen Kontakte zu verzichten? 

Wenn in diesem Zusammenhang dann noch auf unsere so guten Hygienekonzepte verwiesen wird, macht mich das ärgerlich. Denken wir wirklich, dass unsere Konzepte besser, sicherer sind als zum Beispiel die der Kulturschaffenden oder vieler anderer gesellschaftlicher Akteure? Alle haben über Wochen kreativ an ihren Hygienekonzepten gearbeitet, sind dabei zum Teil auf großartige Einfälle gekommen und müssen nun doch schmerzlich auf Präsenzveranstaltungen verzichten. Nicht wenige geraten dadurch in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ich frage mich: Wie wird der Hinweis auf unsere Konzepte auf sie wirken? 

Verantwortlich handeln durch bewussten Verzicht

Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage sind nun vorbei. Aber die Frage nach Präsenzgottesdiensten mitten im Lockdown bleibt für mich weiterhin aktuell, auch wenn es hier um viel weniger Gottesdienstbesucher*innen geht. Im Frühjahr hatten sich die Verantwortlichen in Politik und Kirche gemeinsam auf den Verzicht verständigt und die Gemeinden haben dies umgesetzt. Jetzt heißt es plötzlich, „in guter evangelischer Tradition“ sollten sie dies eigenverantwortlich entscheiden. Ist das wirklich ein sinnvoller Weg? Von den Bundesländern wünschen wir uns mit Recht oft mehr einheitliches Handeln, wenngleich auch hier das Infektionsgeschehen und die örtlichen Gegebenheiten sehr unterschiedlich sind. Ich kann verstehen, dass es schwer ist, auf EKD und landeskirchlicher Ebene hier Entscheidungen zu treffen. Aber auch das gehört nun einmal zu einem Leitungsamt. Verantwortliches und solidarisches Handeln hieße für mich, dass auch wir ganz bewusst während des Lockdowns auf unsere Gottesdienste verzichten, so schmerzlich das auch ist. Es wäre ein wichtiges Zeichen hinein in unsere Gesellschaft und eine ganz klare Unterstützung aller Bemühungen, das Infektionsgeschehen zu bannen. 

Welch Kreativität aus einem bewussten Verzicht wachsen kann, haben wir im Frühjahr erlebt und jetzt wieder an Heiligabend. Auf großartige Ideen sind Gemeinden da gekommen, haben alternative Möglichkeiten der Verkündigung entdeckt. So einfallsreich, so schön waren viele Online-Gottesdienste gestaltet. Da gab es Telefongottesdienste, Krippenspiele für die Familie und Anleitungen zu Hausgottesdiensten, Predigten to go, offene Kirchen während der Weihnachtstage und vieles mehr. Nein, das alles kann nicht die Gemeinschaft im Gottesdienst ersetzen, aber ist eben auch mehr als nur eine Notlösung. Zugleich sehe ich darin ein Stück „Zukunftswerkstatt“ für eine Kirche mit immer weniger personellen Ressourcen und mit der Herausforderung unsere gute Botschaft zu Menschen zu tragen, die unsere traditionellen Formen nicht mehr ansprechen. Ist das nicht auch eine tolle Chance mitten in der Krise?

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1. Tierwohl in der Kirche Thomas Berg Meine Hühner schlachte ich selbst, auch wenn sie nicht auf das Wurstbrot kommen. Das ist der schmerzliche unvermeidliche Schritt auf dem Weg vom Kücken zum Braten. Meine Hühner werden natürlich auch nicht schon nach vier bis sechs Wochen geschlachtet wie das inzwischen leider normale Industriehuhn.

Trotzdem: Ganz rund ist die Argumentation wohl nicht, die hier die vegetarische Ernährung aus der Bibel begründen will. Schon im 3. Kapitel der Bibel - noch im Garten Eden - bekommen Adam und Eva von Gott selbst Röcke aus Fellen geschneidert. Wenige Verse später lesen wir, daß ihr zweitgeborener Sohn Abel Schäfer wurde. Ganz sicher hat er Schafe auch zum Schlachten gehalten. Er opfert jedenfalls vom Fett der Erstlinge der Herde auf dem Altar, was Gott wohlgefällig anschaut.

Ganz nebenbei und völlig unbiblisch brauchen wir mehr Tiere auf der Weide der Artenvielfalt wegen. Ohne Weidetiere verarmt die biologische Ausstattung unserer Landschaft was man in unseren Breiten heute schon beobachten kann. Insekten fehlen, die der Tierhaltung folgen. Daher fehlen die Insektenfressenden Vögel, Fledermäuse usw. Genau deswegen hält der Naturschutzverein dem ich vorstehe auch mehrere Rinder- bzw. Wasserbüffelherden (derzeit ca. 360 Tiere).

Was weniger werden muß ist die Massentierhaltung in optimierten HiTec-Ställen, die klimaschädlich ist, die Tiere zur Ware degradiert und in den Schlachtfabriken und dem Transport dahin das oft beklagte Tierleid zur Folge hat.

Unsere Tiere werden jedenfalls zur Schlachtung auf der Weidefläche geschossen und erst dann zum Fleischer gefahren.

Ethische Entscheidungen kennen eben nicht nur das Entweder-Oder sondern auch manche Möglichkeit dazwischen.
2. Proberaumsuche Chrissi Suche Proberaum, um christlichen worship zu machen. Spiele seit 11 Jahren Schlagzeug und möchte gerne weitermachen. Gibt es Hilfe und Unterstützung von ihrer Seite aus? Über Ratschläge und gute Nachrichten, würde ich mich freuen! Lg, Chrissi
3. Idenschmiede der Nordkirche Wolfgang Banse Nicht alles was man auf gibt, ist gut so heißen. Glieder der Kirche, hier Nordkirche wurden in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen.Demokratie, hier Basiskirche lässt nach wie vor zu wünschen in den Gliedkirchen der EKD.

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