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Feines Gespür für große Worte

15.07.2020

Der Kohleausstieg ist beschlossen. Bischof Stäblein über die Stimmung in der Lausitz.

Von Bischof Christian Stäblein

Historisch, das Wort ist öfter im Bundestag und in den Medien gefallen. Nicht mal zwei Wochen ist es her, da hat das Parlament den über Jahrzehnte diskutierten Kohlausstieg – genauer: das Gesetz zur Reduzierung und zur Beendigung der Kohleverstromung – beschlossen. Historisch ist es in der Tat , wenn man bedenkt, wie lange diese Fragen nun schon kontrovers diskutiert wurden, historisch erst recht, wenn man bedenkt, wie ineinander ­verwachsen „die Kohle“ und „die Lausitz“ für ein Jahrhundert waren und sind.

Von diesem „historisch“ ist ­zunächst nicht allzu viel zu spüren bei den Begegnungen, die ich auf meiner kleinen Rundtour durch die Lausitz vor ein paar Tagen erlebe. Es ist weder Pessimismus noch Euphorie, die mir entgegen schlägt. Die Menschen hier sind wahrlich veränderungserfahren, haben ein feines Gespür für die großen Worte, die erst noch ins Leben übersetzt werden müssen. 

Strukturwandel. Ja, aber bitte konkret. Dabei soll auch die Kirche helfen, etwa mit ihrem Zent­rum für Dialog und Wandel in Cottbus. Unterstützung vor allem, dass es ein Strukturwandel mit Beteiligung der Zivilgesellschaft wird. Nicht über die Köpfe hinweg, mit den Menschen, mit Herz und Verstand. 

Und die Seele? Wie das mit der Seele ist, lässt sich vielleicht besonders in Schleife greifen, am Rande des Tagebaus Nochten II. Noch immer ist nicht ganz  klar, ob ein Teil von Mühlrose dem Braunkohlabbau wird weichen müssen. Die Zerrissenheit, wie damit umzugehen ist, geht durch den Ort, durch die Familien. Neu-Mühlrose entsteht, eine neue Friedhofsfläche ist bereits angelegt. Der Friedhof in Mühlrose wird allerdings auch genutzt. Und soll es auch weiter, hierum kämpfen der Ort und die Kirchengemeinde. „Wenn der Friedhof weg ist, dann geht Mühlrose zugrunde“, sagt die Pfarrerin. Das ist ein Satz, der in der Luft ­stehen bleibt. Ein biblisch anmutender Satz. Das Erste, was Abraham im später verheißenen Land erwirbt, ist eine Grabstätte. Wo wir unsere Toten begraben, da sind wir ver­wurzelt. Ohne diesen Ort kein ­Zuhause für die Seele. 

Auf der Rückfahrt gibt es eine kleine Pause in Branitz, im Fürst-Pückler-Park am Rande von Cottbus. So paradiesisch wie hier – ein Park – kann es nicht überall sein. Und doch erinnert es mich an das Bild von Gott als großem Gärtner. Wir gestalten seine Schöpfung mit. Das ist die Aufgabe in allem Wandel. Gott verspricht zu bleiben. 

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1. Wissen, wo sie herkommen Wolfgang Banse Jüdische Religionslegerinnen und Religionslehrer sollten verstärkt an staatlichen, wie an privaten Schulen eingesetzt werden.
2. Wer zuerst Wolfgang Banse Zuerst sollten alle als gefährdete Personen, hier Kranke, Menschen mit einem Handicap, Ältere geimpft werden. Pfarrerinnen und Pfarrer sollten Interims sein, eine, einer unter gleichen-deshalb keine vorrangige Impfung dieser Berufssparte
3. Pfarrerberuf kommt nicht in Frage Wolfgang Banse Warum ergreift man den Beruf einer Pfarrerin, eines Pfarrers?!Häufig spricht man , dass man sich von Gott berufen fühlt zu diesem Beruf. Nur jede, jeder wei0, dass man dies nicht beweisen kann. Oft fühlt man sich selbst berufen, aber auf Gott zu verweisen ist sehr bedenklich.

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