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Heilige drei Könige fast ohne Könige

07.01.2020

Ein Künstlerkollektiv hatte aus Kirchen in ganz Deutschland vor dem Dreikönigstag zwei der Heiligen Drei Könige entwendet, um auf die europäische Flüchtlingspolitik aufmerksam zu machen. Nun sind die Figuren zurück in die Kirchen gebracht worden.

Von Markus Geiler (epd)

Vor dem Dreikönigstag am 6. Januar hat ein Künstlerkollektiv aus Protest gegen die EU-Flüchtlingspolitik aus 15 deutschen Kirchen zwei der heiligen drei Könige von den dortigen Weihnachtskrippen entwendet. Betroffen waren Kirchen in Berlin, Bielefeld, Darmstadt, Frankfurt, Freiburg, Köln und Münster, wie das Künstlerkollektiv „Ausgegrenzt – Drei Könige vor den Toren Europas“ mit­teilte. „Mit der Aktion wollen wir auf die gravierende humanitäre Notlage in den Flüchtlingslagern an den europäischen Außengrenzen aufmerksam machen“, sagte ein Sprecher der Gruppe am vergangenen Sonntag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch gehe es um die „menschenunwürdige Unterbringung“ von Flüchtlingen in sogenannten Ankerzentren in Deutschland. 

Könige kamen am 7. Januar wieder in die Kirchen zurück

In Berlin fehlten die Könige in der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Mauerstreifen, wie die Gemeinde mitteilte. Allein in Münster wurden laut dem Sprecher aus acht Kirchen die Königsfiguren entfernt. In Köln sind von der Aktion die Weihnachtskrippen der Kirchen Christi Auferstehung, St. Pan­kratius und des Jugendpastoralen Zentrums Crux betroffen, in Darmstadt unter anderem die Heilig-Geist-Gemeinde. In hinterlassenen Schreiben sichern die Aktivisten zu, die Krippenfiguren sorgsam zu verwahren und in den nächsten Tagen unbeschadet wieder auszuhändigen. Die Aktion solle „aufrütteln und das Thema Lagerunterbringung neu in die gesellschaftliche Diskussion einbringen“. 

Die EU-Abschottungspolitik habe verhindert, dass die beiden Könige das neugeborene Flüchtlingskind Jesus von Nazareth begrüßen können, heißt es in dem Schreiben weiter. Ein König sitze im Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos fest. Die Situation dort sei eine humanitäre Katastrophe, die Menschen hungerten und seien kaum vor Kälte und Regen geschützt. Ein weiterer König werde im sogenannten Ankerzentrum im bayerischen Deggendorf festgehalten. Sein Ersuchen, den Messias mit Geschenken zu begrüßen, werde „als offensichtlich unbegründet abgelehnt“. Zur effektiveren Durchsetzung seiner Abschiebung dürfe er den Landkreis nicht verlassen, heißt es.

Die Berliner Versöhnungsgemeinde äußerte Verständnis für die Aktion. Entdeckt worden sei das Fehlen der beiden Könige am 4. Januar bei einer Andacht im Gedenken an die umgekommenen Geflüchteten an den Grenzen Europas, wie der Pfarrer der Gemeinde, Lukas Pellio, mitteilte. Abschottung und Lagerunterbringung widerspreche dem christlichen Glauben grundsätzlich. „Wir setzen dagegen auf alltägliche Solidarität, praktische Unterstützung und Kirchenasyl, wo es nötig ist“, sagte der Pfarrer, Vorstandsmitglied bei Asyl in der Kirche Berlin-Brandenburg. 

Am Dreikönigstag feiern die Christen weltweit die Ankunft der Heiligen drei Könige bei dem Jesuskind im Stall von Bethlehem.

Das Künstlerkollektiv teilte am Dienstag in Berlin mit, die Figuren seien in die Kirchen zurückgebracht worden. 

 

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Er kommt, sieht und hört zu Wolfgang Banse Eine Einarbeitungsszeit wird jede/jeden Neue/ Neuen wird zu gestanden.Kommen, sehen. zu hören ist aber auf Dauer nicht angebracht. Pragmatismus ist gefragt. Suchet der Kirche und deren Glieder Bestes.
2. was meinen Sie damit? Dr. Gertrud Gumlich ich gebe Uli Frey vollkommen recht. Nur:
wie (wieder-)belebt man eine Friedensbewegung?
3. Obdachlose Wolfgang Banse Menschen ohne Obdach haben es schwer, jetzt besonders wo die Corona Pandemie ausgebrochen ist. Menschen ohne Obdach bedürfen der Hilfe, nicht nur während der kalten Jahreszeit.Leistungen die von den Kirchen erbracht werden im Bezug Versorgung von Obdachlosen sind überwiegend Fremdfinanzierungen, auch was die Lebensmittel betrifft, hier die Tafel. Aus eigenen Mitteln, hier Etat wird kaum etwas finanziert.

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