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Hunger bedroht Leben

Um den Welthunger zu bekämpfen, ­fordert „Brot für die Welt“ eine Agrarwende

Dürren, globale Konflikte, weltweit steigende Inflation und verfehlte Agarpolitik haben einen Anstieg der Zahl der Hungernden zur Folge. Foto:Andreas Thoms, CC0

828 Millionen Menschen hungern weltweit. Am Horn von Afrika befürchten die Vereinten Nationen bis Ende des Jahres einen Anstieg der Anzahl der Hungernden von 14 auf 20 Millionen. Um den Hunger zu bekämpfen, ­forderte das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ bei seiner Jahrespressekonferenz am 27. Juli in Berlin die Nothilfe sofort deutlich zu erhöhen und die globale Landwirtschaft umzustellen

Von Dagmar Pruin

Wir erleben gerade eine weltweite Hungerkrise. Sie droht nicht nur, wie einige Politikerinnen und Politiker sagen. Sie ist traurige Realität. Bis zu 828 Millionen Menschen weltweit hungerten schon 2021, das waren 150 Millionen mehr als vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Jeder zehnte Mensch geht abends hungrig zu Bett. 200 Millionen Menschen davon waren 2021 in einer akuten Notlage. Laut aktueller Schätzungen sind es mittlerweile schon 345 Millionen. Diese Menschen wissen – um im Bild zu bleiben – morgens nicht, wie sie sich und ihre Familien über den Tag ernähren sollen. 

Die Gründe sind vielfältig und überlagern sich gegenseitig: Inflation. Die Preise für Lebensmittel, Dünger, Diesel und Strom sind überall auf der Welt explodiert. Die Preise sind schon im vergangenen Jahr ­gestiegen, der russische Krieg gegen die Ukraine hat aufgrund wegfallender Weizen-Exporte und gestiegener Energiepreise das Problem verschärft. Hinzu kommen die Folgen der Corona-Pandemie: Die sind vor allem in Städten zu spüren, wo Millionen ihre Arbeit verloren haben und jetzt ihre Familien nicht mehr ernähren können. Konflikte wiederum führen vielerorts dazu, dass Bauern und Bäuerinnen ihre Felder nicht mehr bestellen können. Und die Klimakrise ruft immer länger ­andauernde Dürren oder schwere Überschwemmungen hervor. Beides hat zur Folge, dass Ernten verloren gehen. Ein wichtiger Schlüssel zur Lösung ist die Agrarpolitik. 

Wir fördern seit vielen Jahren mehr Ernährungssouveränität in den Ländern des globalen Südens und weniger Importabhängigkeit. Etwa in Burkina Faso – einem der ärmsten Länder der Welt: Gemeinsam mit ­unserem Partner unterstützen wir Kleinbauern und -bäuerinnen mit Methoden ökologischer Landwirtschaft. Sie bauen jetzt traditionelle Hirsesorten an. Diese Hirse braucht weniger Wasser und keinen Kunstdünger oder Pestizide. Das ist angewandte Agrarökologie: Klimaresiliente und gesunde Lebensmittel, ohne die Umwelt zu zerstören und ohne Energie zur Herstellung von Dünger aufzuwenden. Nebeneffekt: Die Menschen sind weniger abhängig von steigenden Preisen auf den Märkten oder von Importprodukten. 

Wenn Putin Weizen als Waffe einsetzt, müssen wir diese Waffe entschärfen. Das können wir, indem die Abhängigkeit von Importen verringert wird und wir auch in Deutschland verstärkt Weizen einlagern, um ihn im Notfall an das Welternährungsprogramm der UN oder bedürftige Länder abzugeben. Die Bundesregierung sollte sich daher für eine europäische Agrarwende einsetzen, für eine Landwirtschaft, die nicht auf Massentierhaltung und unfaire Agrarexporte setzt. Dafür müssten wir die Tierhaltung eingrenzen – 60 Prozent des deutschen Weizens wird für Futtermittel verwendet – und die Produktion von Agrotreibstoffen aufgeben. Nur dann landet das Essen nicht in Tank und Trog, sondern auf dem Teller der Menschen. Um jetzt, in der akuten Krise, Millionen ­Menschen vor dem Verhungern zu retten, müssen die reichen Industrieländern sofort mehr Geld für die ­Nothilfe bereitstellen. Die Summe, die beim G7-Gipfel zugesagt wurde, deckt gerade mal 20 Prozent dessen, was das Welternährungsprogramm der UN dringend benötigt.

Um es deutlich zu sagen: Wir ­haben keine Mengenkrise, wir haben eine Preiskrise und eine Verteilungskrise. Diese Probleme sind menschengemacht und auch die Lösung haben wir in der Hand. Als Gesellschaft, die ihre Konsumgewohn­heiten hinterfragt, als Politik, die die richtigen Schlüsse für die Zukunft zieht und auch als Kirche, die ihre Stimme für die Ärmsten der ­Armen erhebt. 

Dagmar Pruin ist Präsidentin von Brot für die Welt. 

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1. Die Errungenschaften des christlich-jüdischen Dialogs sind gefährdet Swen Schönheit Im Studium der Ev. Theologie habe ich gelernt, dass im Ersten ("Alten") Bund Gott, Volk, Land untrennbar zusammengehören. Fehlgeleitete Theologie wird zur Ideologie, wenn sie versucht, das Eine vom Anderen zu trennen. Der Gott Israels steht zu seinem Volk und zu "seinem" Land (vgl. Ezechiel 36,5).
Einseitig ist eine unkritische "Israel-Euphorie" ebenso wie der Versuch, zum Judentum gute Beziehungen zu pflegen und den Staat dabei kritisch unter Vorbehalt zu sehen. Volk ohne Land gibt es (Gott sei Dank!) nicht mehr. Wer aus dem kirchlichen Raum heraus meint, er oder sie müsse "selbstverständlich" Kritik am Staat Israel üben, sollte bedenken: Wir muten Gott auch als Kirche eine Menge zu - und er steht immer noch zu uns. Schalom!
2. Freiheit braucht Verantwortung Wolfgang Banse Der ehemalige Bischof der EKBO, ehemals Ratsvorsitzender der EKD begeht seinen 80 Geburtstag.Was hat mein Vater mit Wolfgang Huber gemeinsam, beide begehen am selben Tag ihren Geburtstag.gemeindeerfahrungen hatte er nicht gesammelt, was die Bischofswahl anbelangt, was man auch oft merkte, was Impulse, Entscheidungen anbetrifft.Zugang zu kleinen, einfachen Menschen hatte er nicht, lag ihm nicht.Er war und blieb ein Katheter Gelehrter.Wieviel Glieder hatte die EKBo bei seinen Antritt als Bischof?Wieviel Glieder waren es bei seiner Ausscheidung als Bischof?Die selbe Frage stellt sich auch was seine Tätigkeit als Ratsvorsitzender der EKD betrifft.Eine gebrochene biographische Biografie kann man dem Geburtstagskind Wolfgang Huber nicht bescheinigen.Historiker werden seinen Dienst in der Kirche auswerten.Es ist gut dass er jetzt mit Beginn des 8osten Lebensjahr von Ämtern zurück tritt, jüngeren Menschen Platz macht, ihnen das Feld überläßt was die Garnisionskirche in Potsdam, das Domstift in Brandenburg beinhaltet. Wo war er mit seiner Gemahlin Kara Huber nicht präsent, sei es auf dem Preseball, beim Pbersee Club in Hamburg...Seine Frau nahm und nimmt eine dominannte Rolle ein.Obwohl sie nicht Mitglied des Domkapitels ist, sitzt sie beim Domkapitel Gottesdienst in den reihen des Domkapitels, Bei einen Heilig Abend Gottesdienst in der Oberpfarr-und Domkrche zu Berlin, breitete sie ihren Mantel auf der Bankreihe aus, nahm sie in Beschlag für auserwählte Personen. Bei Veranstaltun gen im Brandenburger Dom, sowie in der Nagelkreuzkirche zu Potsdam saß sie in der ersten Reihe bei der Lesung von Deborah Feldmann.Weil ich Bischof bin, so der Eindruck eines gläubigen Menschen, muß meine Gattin minderstens Schulleiterin einer evangelischen Schule, hier Potsdam.Was sagt das aus über einen Menschen, der laut Cicero zu den 5oo Intellektuellen Deutschlands gehört?!Was kostet der Empfang der für Bischof Professor Dr. Wolfgang Huber in der Friedrichkirche am Gendarmenmarkt , aus Anlaß seines 80sten Geburtstag gegeben wird?Auf Kosten anderer kann man gut feiern lassen.
3. Mit Würde, Wachheit und Barmherzigkeit Wolfgan g Banse Die verstorbene Superintendentin des Kirchenkreises Neukölln, war ein warmherziger Mensch.Immer hatte sie ein offenes Ohr für jede und jeden.Sie strahlte Gelassenheit, Charme, Esprit aus.Sie fehlt nicht nur ihrer lieben Familie, sondern auch den Menschen, denen sie etwas bedeutete.Das jetzt erschiene Buch über Viola Kennert wird viele Abnehmer finden.Durch dieses Buch bleibt sie den Menschen nah.

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