Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Post aus der Stadtmission

16.09.2020

Von Sibylle Sterzik.

Gelbe, grüne und lila Decken mit Lutherrosen vom Kirchentag 2017 in Wittenberg liegen überall auf der Wiese. Ehrenamtliche haben Picknickkörbe mit Weintrauben, Äpfeln, Müsliriegeln und Liedblättern – und natürlich – Infos zur Stadtmission gefüllt. Die Sonne lacht, der Bischof steigt gut gelaunt aufs Podest zur Einführungsansprache. Der neue Stadtmissionsdirektor, Christian Ceconi, der heute eingeführt wird und seine Frau, die drei Töchter und den Hund mitgebracht hat, predigt frei und leidenschaftlich. Was will man mehr?

Doch es gibt mehr! Beim Picknickgottesdienst der Stadtmission im Zentrum am Berliner Hauptbahnhof in der Lehrter Straße ist manches anders als sonst. Die Stühle, auf denen Honoratioren Platz nehmen, oder die, für die der Ab- und Aufstieg zu Decke zu sportlich erscheint, stehen nicht vorn in der ersten Reihe, sondern außen am Rand. Von der Bühne spielt eine Band, eine Frau mit toller Stimme singt, aber die Bühne ist nicht das räumliche Zentrum. Das sind die Gottesdienstbesuchenden. Mittendrin, wenn auch weit vorn, steht das Holzpodest, das den Stadtmissiondirektor gleich noch ein wenig größer erscheinen lässt. 

Zuvor aber sorgt Bischof Stäblein dafür, dass ein älterer Herr, der sich an den Rand gesetzt hat, einen Stuhl bekommt. Ohne es zu wissen nimmt er damit die Aufforderung des Predigers vorweg, genau hinzuschauen, was um uns vor sich geht, wie Jesus, der Zachäus auf dem Baum entdeckte und ihn zum Essen einlud. 

Er wünsche sich auch für Christ*innen als Botschafter*innen Jesu, diese Unruhe, die aufmerksam Ausschau hält und neue Möglichkeiten entdeckt. Für unsere Stadt, in deren Mitte der Gottesdienst stattfindet, in guter Nachbarschaft zur türkischen Hochzeit, deren Musik herüberschallt. Ceconi nimmt es mit Humor. „Das zeigt doch, dass wir in der Mitte der Stadt angekommen sind.“ Zu Zachäus und Jesus zurückkehrend sagt er: „Was wird wohl in dieser Welt passieren, wenn wir als Kirche den Tisch denken für die, von denen wir immer dachten, dass sie nicht dazugehören und denen sagen: Ich muss bei dir heute zu Gast sein und mit dir essen? Auf diese Weise passierten die Abenteuer, die Kirche braucht. „Und so entsteht Gemeinschaft an Orten, wo wir es nicht für möglich gehalten haben.“ 

Artikelkommentar

Artikelkommentar
captcha
Bitte tragen Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe in das Feld ein.
Hinweis: Die von Ihnen ausgefüllten Formulardaten werden lediglich für die Zwecke des Formulars genutzt. Eine andere Verwendung oder Weitergabe an Dritte erfolgt nicht.

Artikelkommentare

(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Mehr als Martin Luther King Flx Sehr geehrte Frau Schöfer,
vielen Dank für den spannenden und wichtigen Artikel, gut zu wissen was Paula Novak da macht. An einer Stelle möchte ich einhaken: Ich finde es wichtig von der "Schwarzen Theologie der Befreiung" die J.Cone begründet hat zu sprechen, das verschweigt a) nicht, dass er sich selbst in einer Tradition der Theologie der Befreiungen sieht und b) zeigt auf dass es sich um eine emanzipatorische\machtkritische (Ogette) handelt und nicht um eine rein identitäre Theologie.
Viele Grüße
2. Sie bleiben zuversichtlich Wolfgang Banse Pfarrerin, Pfarrer werden ist nicht schwer, nur die Ausübung fällt ihnen oftmals schwer.Nicht zeitgemäß,verwalten, Termin nach Abspache,Trauerbegleitung, niemand sollte verloren gehen, dies alles ist erleb-und erfahrbar und wird erleb und erfahrbar sein was die frisch Ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrer betrifft. Ein Ruck muss durch die Pfarrerschaft gehen um akzeptiert in der multikulturellen Gesellschaft weiterhin einen Platz ein zu nehmen. Es gibt nicht nur eine Politik, Gewerkschafts, sondern auch eine Kirchenverdrossenheit.Die Kirche muss sich grundlegend ändern und damit auch die Pfarrerinnen und Pfarrer
3. Wichtiger Baustein Wolfgang Banse Die Kirche hinkt immer hinterher, so auch was Klimaschutzgesetz betrifft. Ob sich dies mal ändern wird?!

Hier gelangen Sie zur Übersicht über alle Kommentare.