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Rettung nach der größten Krise

15.01.2020

Ab Sommer 2020 ist die Friedrichswerdersche Kirche im historischen Zentrum von Berlin wieder zu besichtigen. Die Kirchen­gemeinde in der Friedrichstadt, der das Schinkelbauwerk gehört, diskutiert über die Zukunft des schönen Gotteshauses.

Von Uli Schulte Döinghaus

Wer vom Auswärtigen Amt in Berlin den Blick über den Werderschen Markt auf die andere Straßenseite richtet, dem fällt zunächst der ­Doppelturm der Friedrichswerderschen Kirche ins Auge. Dann die backsteinerne Front des Gebäudes, die sich sehr abhebt von den gläsernen und stählernen Allerweltsfassaden drumherum. Lästig könnte dem­­ ­unbefangenen Berlin-Touristen schließlich fallen, dass der Vorplatz zur schönen neugotischen Kirche verstellt ist von Gerümpel, Bautafeln und Handwerkerautos. 

Auch im siebten Jahr nach der Schließung ist das ehemalige Gotteshaus noch immer nicht für Besucher zugänglich. Was 2012 geschah, beschreibt Stefan Frielinghaus, Pfarrer der Kirchengemeinde in der Friedrichstadt, im aktuellen Gemeindebrief so: „Durch Bauarbeiten in unmittelbarer Nachbarschaft wurde die Kirche so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass sogar das ­Gewölbe einzustürzen drohte. Um Museumsbesucher und Kunstwerke nicht zu gefährden, wurde die Kirche sofort geschlossen.“

Dazu ist viererlei zu wissen: Erstens ist die evangelische Kirchen­gemeinde in der Friedrichstadt die Eigentümerin der Friedrichswerderschen Kirche. Zweitens hat sie das Kirchengebäude vor Jahrzehnten an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz vermietet. Drittens hat die ­Stiftung den Innenraum der Friedrichswerderschen Kirche zuletzt als viel­besuchten Ausstellungsraum für Skulpturen und Gemälde genutzt.

Viertens hat die Firma Bauwert AG die Sanierungskosten für die Kirche in voller Höhe übernommen. Das Unternehmen hat in der Nachbarschaft teils eindrucksvolle, teils umstrittene Neustadtarchitektur hochgezogen und mit den Bauarbeiten die Friedrichswerdersche Kirche in ihrer Existenz bedroht. Zuvor hatte die EKBO, zusammen mit der Friedrichstadt-Kirchengemeinde, immer wieder vor möglichen Folgen fahrlässiger Bebauung in der Nachbarschaft gewarnt – vergeblich. 

Aber das ist Geschichte. Zur Gegenwart der Friedrichswerderschen Kirchen gehört die Ankündigung der Pächterin, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: „Die Sanierung ist abgeschlossen.“ Die Stiftung wird das Gebäude ab Sommer 2020 wieder als Ausstellungsraum für die Alte Nationalgalerie nutzen und dort eine neue Ausstellung zur Skulptur von der Schinkelzeit bis zum Kaiserreich präsentieren. Am 18. und 19. Januar gibt es einen Tag der offenen Tür in der Friedrichswerderschen Kirche mit Führungen zur Architektur und Restaurierung. Danach finden bis zur Ausstellungseröffnung im Sommer jeden 2. und 4. Sonntag im Monat ­öffentliche Führungen statt.

Pfarrer Stephan Frielinghaus freut sich als Vertreter der Eigentümergemeinde: „Die Friedrichswerdersche Kirche ist nach einer ihrer größten Krisen gerettet. Sie ist in besten Händen.“ Darunter ist sicher auch zu verstehen, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz alle Kosten übernimmt, die mit dem Betrieb und der Unterhaltung des historischen Kirchengebäudes zusammenhängen. 

In vier Jahren kann die Kirchen­gemeinde in der Friedrichstadt den Pachtvertrag kündigen, der ein Jahr später auslaufen würde. Ob die ­Kirchengemeinde davon Gebrauch ­machen und das Schinkelgebäude in eigener Regie als Gotteshaus und Andachtsstätte übernehmen wird, darüber gibt es Diskussionen unter den Gemeindegliedern. Die einen weisen auf die immensen Kosten hin, die solch ein historisches Gebäude im laufenden Betrieb verursacht – Kenner rechnen mit einer sechsstelligen Summe pro Jahr. Andere wünschen sich „ihr“ Kleinod zurück für eigene Zwecke. 

Denn die Kirchengemeinde mitten in Berlin, die im Laufe ihrer Geschichte aus sechs Kirchengemeinden fusioniert wurde, teilt sich zurzeit noch die Französische Friedrichstadtkirche auf dem Gendarmenmarkt mit der Evangelischen Akademie und der Hugenotten-Gemeinde. Ab Mitte Januar beginnt eine Sanierungsphase für diesen „Französischen Dom“. Die Gemeinde muss dann für anderthalb Jahre in die Kapelle auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof ausweichen. Spätestens danach wird die Diskussion um ein neues Domizil in der alten Friedrichswerderschen Kirche wieder aufflammen. 

Tag der offenen Tür, 18./19. Januar, 

10 bis 16 Uhr. Friedrichswerdersche 

Kirche, Werderscher Markt, 10117 Berlin

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3. Gelungener Jahresbeginn Frohgemut Schnabel Nicht gelungen bei dem Artikel ist, dass der wichtigste Initiator der Orgelrestaurierung, Domkantor Matthias Bensch, weder im Text noch bei der Bildbeschriftung genannt wird.

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