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Sägespäne statt Wasser

17.02.2021

„So viel du brauchst“: Unter diesem Motto laden evangelische und katholische Kirchen auch in diesem Jahr wieder zum Klimafasten ein. Jede Woche gibt es einen Schwerpunkt, der dazu anregt, Neues zu entdecken und über Gewohnheiten nachzudenken. „die Kirche“ begleitet die Aktion mit einer Reihe von guten Ideen aus den Gemeinden der EKBO, passend zum jeweiligen Wochenthema. In der ersten Woche geht es um den Wasserfußabdruck.

Von Friederike Höhn

120 Liter Trinkwasser verbraucht jede*r Deutsche täglich – rund zehn Liter allein mit einer Toiletten - spülung. Das geht auch anders: Die Kirchengemeinde Massen im Kirchenkreis Niederlausitz vertraut seit einem guten Jahr auf eine Sägespänetoilette. Die kommt vollkommen ohne Wasser aus. Die Idee stammt aus der Nachbargemeinde Breitenau, die schon seit zehn Jahren auf die umweltfreundliche Alternative zum klassischen WC setzt.

Dabei standen nicht unbedingt ökologische Gedanken am Anfang, sondern schlichte Notwendigkeiten: Wie in vielen kleinen und älteren Dorfkirchen gab es sowohl in Breitenau und Massen gar keine Toilette und auch keinen Wasseranschluss. Bei Festen rund um die Kirche wurde dies schnell zum Problem; Behelfslösungen waren umständlich und nicht barrierefrei.

„Die Sägespänetoilette war da die ideale Lösung“, erzählt Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech, die beide Gemeinden betreut. „In Massen haben wir einen ungenutzten Raum ohne viel Aufwand zur Toilette umbauen können.“ Auch die Denkmalpflege hatte keine Einwände, denn alles komplett rückbaubar. In Breitenau wurde im Kirchturm mit wenig Geld und Aufwand ein passender Ort geschaffen.

Die Biotoilette funktioniert wie ein modernes Plumpsklo mit einer wasserundurchlässigen Papiertüte als Behälter. Nach jedem Toilettengang werden zwei Hände voll Sägespäne über die Hinterlassenschaften gestreut. Zum Händewaschen steht ein Wasserkanister bereit. Die laufenden Kosten sind minimal, die Sägespäne kommen kostenlos vom Tischler – praktischerweise ein engagiertes Gemeindeglied. „Und zur Entsorgung gibt es hier auf dem Dorf genug Komposthaufen“, sagt die Pfarrerin.

Sie selbst ist erstaunt über die Geruchlosigkeit. „Ein Dixi-Klo riecht man ja immer erst, bevor man es sieht“, scherzt sie über die mobilen Chemietoiletten. „Bei uns riecht es toll nach frischem Holz.“ In der Gemeinde wurde die unkonventionelle Lösung von Anfang an als „ganz normal“ gesehen. Die Älteren freuen sich über eine barrierefreie Toilette und die feierfreudigen Gemeinden darüber, dass nun niemand das Fest früher verlassen muss, weil er oder sie dringend ein stilles Örtchen braucht.

Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech steht gerne für Fragen bereit, Telefon (03531) 8061. Inspirationen zum Klimafasten unter www.klimafasten.de.

 

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1. Tierwohl in der Kirche Thomas Berg Meine Hühner schlachte ich selbst, auch wenn sie nicht auf das Wurstbrot kommen. Das ist der schmerzliche unvermeidliche Schritt auf dem Weg vom Kücken zum Braten. Meine Hühner werden natürlich auch nicht schon nach vier bis sechs Wochen geschlachtet wie das inzwischen leider normale Industriehuhn.

Trotzdem: Ganz rund ist die Argumentation wohl nicht, die hier die vegetarische Ernährung aus der Bibel begründen will. Schon im 3. Kapitel der Bibel - noch im Garten Eden - bekommen Adam und Eva von Gott selbst Röcke aus Fellen geschneidert. Wenige Verse später lesen wir, daß ihr zweitgeborener Sohn Abel Schäfer wurde. Ganz sicher hat er Schafe auch zum Schlachten gehalten. Er opfert jedenfalls vom Fett der Erstlinge der Herde auf dem Altar, was Gott wohlgefällig anschaut.

Ganz nebenbei und völlig unbiblisch brauchen wir mehr Tiere auf der Weide der Artenvielfalt wegen. Ohne Weidetiere verarmt die biologische Ausstattung unserer Landschaft was man in unseren Breiten heute schon beobachten kann. Insekten fehlen, die der Tierhaltung folgen. Daher fehlen die Insektenfressenden Vögel, Fledermäuse usw. Genau deswegen hält der Naturschutzverein dem ich vorstehe auch mehrere Rinder- bzw. Wasserbüffelherden (derzeit ca. 360 Tiere).

Was weniger werden muß ist die Massentierhaltung in optimierten HiTec-Ställen, die klimaschädlich ist, die Tiere zur Ware degradiert und in den Schlachtfabriken und dem Transport dahin das oft beklagte Tierleid zur Folge hat.

Unsere Tiere werden jedenfalls zur Schlachtung auf der Weidefläche geschossen und erst dann zum Fleischer gefahren.

Ethische Entscheidungen kennen eben nicht nur das Entweder-Oder sondern auch manche Möglichkeit dazwischen.
2. Proberaumsuche Chrissi Suche Proberaum, um christlichen worship zu machen. Spiele seit 11 Jahren Schlagzeug und möchte gerne weitermachen. Gibt es Hilfe und Unterstützung von ihrer Seite aus? Über Ratschläge und gute Nachrichten, würde ich mich freuen! Lg, Chrissi
3. Idenschmiede der Nordkirche Wolfgang Banse Nicht alles was man auf gibt, ist gut so heißen. Glieder der Kirche, hier Nordkirche wurden in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen.Demokratie, hier Basiskirche lässt nach wie vor zu wünschen in den Gliedkirchen der EKD.

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