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RSSPrint

Wir können es nicht fassen!

10.12.2020

Theologisch gearbeitet und freundlich auf Menschen ­zugegangen. Zum Tod von Pfarrer Ulrich Hutter-Wolandt.

Von Carsten Bolz

Als ich am Abend des 23. November erfuhr, dass unser Kollege Ulrich Hutter-Wolandt in den Morgen­stunden dieses Tages gestorben war, konnte ich das kaum fassen. Zwar hatten sich einige aus seinem ­Umfeld in den Wochen zuvor Sorgen gemacht: Ulrich hatte abgenommen, sah schlecht aus. Darauf angesprochen war seine freundliche Antwort stets: Es sei alles in Ordnung; wir sollten uns keine Sorgen machen! Anfang November hatten Unter­suchungen im Krankenhaus dann zu einer Krebsdiagnose geführt; offenbar war seine Erkrankung da aber schon so weit fortgeschritten, dass sie so schnell zum Tod geführt hat. Wir können das kaum fassen!

Rheinische Natur mit reformierter Prägung

Aufgewachsen war Ulrich in Bonn; dort an der Uni hatte er auch seine theologische Laufbahn begonnen. Seine rheinische Natur und seine ­reformierte Prägung waren ihm auch in Berlin deutlich anzumerken. Stets guter Dinge hat er viele Aufgaben übernommen, an denen er Freude hatte. Wichtig war es ihm in all den Jahren, theologisch zu arbeiten und freundlich auf Menschen zuzugehen. Dass er sich dabei gelegentlich auch zu viel zugemutet hat, wollte er nie recht wahrhaben; es sei schon alles in Ordnung – auch ich als sein Superintendent müsste mir keine Sorgen machen.

Durch seine Familienbiografie war ihm Schlesien wichtig geworden. Anfang der 1990er Jahre folgte er seinem Interesse und ging ­gemeinsam mit seiner Frau in die Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz. Dort arbeitete er als Pfarrer in einigen Dörfern und als Krankenhausseelsorger; dort begann auch seine intensive Mitarbeit im Gustav-Adolf-Werk zunächst der Schlesischen Kirche und später der EKBO. Durch sein Interesse an Schlesien hat er auch uns im Charlottenburg-Wilmersdorfer Pfarrkonvent einiges der Geschichte dieses Teils unserer Kirche nahegebracht.

„Ihr Pfarrer“ für Familien rund um den Karl-August-Platz

2006 kam er dann nach Berlin – zunächst in eine Schulpfarrstelle und zur Vertretung in die Kirchengemeinde Boxhagen-Stralau, bevor er 2010 eine Pfarrstelle in der Trinitatisgemeinde in Charlottenburg übernahm. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – weiterhin auch im Religionsunterricht – hat Ulrich sehr erfüllt. Viele hat er auf deren Weg in die Kirche begleitet; für viele Familien rund um den Karl-August-Platz bei der Wilmersdorfer Straße ist er „ihr“ Pfarrer gewesen.

Wenn wir nun von ihm Abschied nehmen müssen und darauf vertrauen, dass wir uns nun tatsächlich um ihn keine Sorgen mehr machen müssen, dann werden wir ihn dankbar in Erinnerung behalten. Unsere Sorge und unser Beten gilt aber insbesondere seiner Frau, wie allen, die um ihn trauern. 

Mit Jochen Klepper, dem schlesischen Theologen und Dichter, bete ich: „Sind nun die dunklen Stunden da, soll hell vor mir erstehen, was du, als ich den Weg nicht sah, zu ­meinem Heil ersehen!“ (EG 486,10).

Die Trauerfeier konnte leider nicht am geplanten Termin stattfinden – sie wird voraussichtlich nachgeholt am Mittwoch, 16. Dezember, 9.30 Uhr und dann auch im Livestream übertragen. 

Carsten Bolz ist Superintendent des Berliner Kirchenkreises ­Charlottenburg-Wilmersdorf

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1. Das muss aufhören! von Mirna Funk Winfried Böttler Das muss aufhören. Zum Leitartikel von Mirna Fink (die Kirche 3/2021)a
Nun wissen wir Bescheid, Christen werden es nie kapieren, wie Juden sich fühlen. Warum maßen wir uns auch an, ihnen frohe Feste zu wünschen? Schade, dass der Leitartikel sich in billiger Polemik erschöpft. Wer soll da womit endlich aufhören? Sofort!? Für immer!?
Es ist leider schreckliche Wahrheit, dass die christlichen Kirchen durch den Antijudaismus, der ja nicht selten in Judenhass ausartete, große Mitverantwortung am Programm der Nazis zur Ausrottung des europäischen Judentums tragen. Das hat die Kirche erkannt und wiederholt öffentlich bekannt und es wird dennoch auf Dauer ihre Schuld bleiben. Es bleibt aber trotzdem wahr, dass Jesus ein Jude und die christliche Gemeinde am Anfang eine innerjüdische Gruppe war, die sich im Konflikt mit den jüdischen Autoritäten befand. Darin haben die judenkritischen Passagen in der Bibel ihren Ursprung.
Ich möchte schon darauf bestehen, dass Abraham und seine Verheißungen zu meinem Glauben dazu gehören, die Botschaft der Propheten auch mich angeht und ich jüdische Psalmen mitbeten darf. Dass die Autorin mich deswegen bei den Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern einordnet, gar in diesem Zusammenhang die üble Verleumdung erwähnt, wonach das Blut von geschändeten Kindern getrunken werde, finde ich geschmacklos und demagogisch.
Ja es ist wichtig und in Ordnung, dass die Einzigartigkeit und Andersartigkeit des Judentums betont werden. Bei meinen christlichen Glauben ist mir trotzdem wichtig, dass davon vieles in der jüdischen Überlieferung verwurzelt ist. Das zu bekennen werde ich nicht aufhören. Niemals.
Dankenswerterweise gibt es seit vielen Jahren den Versuch, im christlich-jüdischen Dialog das Gespräch miteinander zu suchen. Damit wird nicht die schreckliche Vergangenheit ausgelöscht, aber es macht Hoffnung für ein gutes Miteinander in der Gegenwart und für die Zukunft. Der Artikel erweckt jedoch den Anschein, als gäbe es diesen Dialog, bei dem sich beide Seiten um gegenseitiges Verstehen mühen, gar nicht.
Pfarrer i.R. Winfried Böttler,
Berlin-Steglitz
2. Das muss aufhören! Rolf Westermann Da hat sich Frau Funk aber ganz schön vergaloppiert:

1. „Was soll das sein, eine deutsche Jüdin? Sollte es nicht vielmehr „Deutsche jüdischen Glaubens“ heißen?“

Soweit, so gut; aber dann:

2.“ Und Juden sind im Gegensatz zu Christen so viel mehr als eine Religion. Weniger als die Hälfte der 15 Millionen Juden weltweit würde sich vermutlich als religiös bezeichnen.“


Na wat denn nu??????


3. Nutztier und Mitgeschöpf Wolfgang Banse Tiere sind auch Geschöpfe, besitzen eine würde, die sie auch erleben und erfahren sollten.Massentierhaltung und Käfighaltung sollte eine klare absage erteilt werden.Hin zu einer Bio dynamischen Landwirtschaft dies sollte zum tragen kommen

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