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RSSPrint

Wird der Kirchentag abgesagt?

18.11.2020

Ob das ökumenische Großevent stattfindet, darüber wird derzeit viel diskutiert. „die Kirche“ fragte nach

Am 1. Dezember soll der Online-Kartenverkauf für den Dritten Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) vom 12.–16. Mai 2021 in Frankfurt/Main beginnen. Aber wird der Kirchentag während der Corona-Pandemie überhaupt stattfinden? Sibylle Sterzik fragte nach bei Heike Baum und Enrico Triebel vom Landesausschuss Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz des Deutschen Evangelischen Kirchentages. 

In den Medien waren Vermutungen zu lesen, der Kirchentag werde in Kürze abgesagt. Was ist dran an diesen Gerüchten?

Heike Baum (HB): Das stimmt nicht, nach aktuellem Planungsstand und nach Absprachen mit der Stadt Frankfurt soll der ÖKT im Mai 2021 stattfinden!

Stimmt es, dass die Stadt Frankfurt/Main dem ÖKT nahegelegt hat, den Kirchentag abzusagen?

Enrico Triebel (ET): Die Veranstalter des ÖKT, der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), haben gemeinsam mit der Stadt Frankfurt unzählige Gespräche geführt. Es wäre angesichts einer Pandemie verantwortungslos, wenn in diesen ­Gesprächen nicht auch über eine ­Absage des ÖKT nachgedacht worden wäre. Aber auf allen Seiten überwiegt der feste Wille, diesen Ökumenischen Kirchentag möglich zu machen. 

Aus welchen Gründen hält der ­Kirchentag an dem Treffen fest?

HB: Kirchentage bieten eine einmalige Mischung aus geistlichen Angeboten, Kultur und: gesellschaft­lichem Diskurs. Gerade letzteres scheint immer notwendiger zu werden, denn gesellschaftliche Konflikte werden oft nur noch mit lautem ­Geschrei und gegenseitigen Beleidigungen ausgetragen. Natürlich muss kontrovers zum Beispiel über die ­Corona-Maßnahmen und ihre ­Folgen, aber auch über Flüchtlings- oder über Klimapolitik debattiert werden. Solche Debatten, sachlich und dadurch viel zielführender, ­ermöglicht der Kirchentag. Darum ist gerade diese Veranstaltung jetzt so immens wichtig. Zudem ist dieser Kirchentag der erste Ökumenische Kirchentag nach elf Jahren. 

Kirchentage leben von Gemeinschaft, überfüllten Hallen, Gesang. Alles derzeit nicht möglich. Politiker und Virologen appellieren, Kontakte zu reduzieren. Widerspricht die Planung einer solchen Großveranstaltung dem nicht? 

ET: Wir müssen ganz klar sagen: Der ÖKT im Jahr 2021 wird nicht so, wie wir Kirchentage kennen. Auf vieles werden wir verzichten müssen – keine überfüllten Hallen, ­Gesang möglicherweise auch nicht, Abstand, Masken und Desinfektionsmittelspender werden das Bild ­bestimmen. Das sind erhebliche und natürlich auch schmerzliche Einschnitte. Aber die Verantwortlichen halten sich natürlich strikt an die dann geltenden Vorgaben von ­Gesundheitsämtern und Politik.

Mit wie vielen Menschen rechnet der ÖKT und wie sollen sie ­geschützt werden?

ET: Der ÖKT wird eine der ersten Großveranstaltungen sein, die nach langer Zeit wieder stattfinden. Bei den Veranstaltern DEKT und ZdK und bei der Stadt Frankfurt ist man sich dieser großen Verantwortung sehr bewusst. Wie viele Menschen konkret werden teilnehmen können, ist abhängig von der in sechs Monaten aktuellen Lage. Selbstverständlich gelten überall die sogenannten AHA- und Belüftungs-Regeln, die uns schon seit Monaten begleiten. 

Für jede Einzelveranstaltung, die man besuchen möchte, muss man sich vorab anmelden. Auf diese Weise wird zum einen die Möglichkeit der Kontaktnachverfolgung ­sichergestellt. Zum anderen wird von vornherein vermieden, dass eine Veranstaltung überfüllt ist. 

Was wird sich ändern bei diesem Kirchentag, welche alternativen Formen für Veranstaltungen wird es geben? Zum Beispiel digital ...

HB: Viele Menschen werden aus den unterschiedlichsten Gründen nicht nach Frankfurt zum ÖKT ­reisen. Knapp 100 Veranstaltungen werden darum in digitaler Form ­angeboten. Angedacht sind Streamings, Chatrooms und hybride ­Veranstaltungen. So kann man ­ent­weder zu Hause oder auch in der ­Gemeinschaft der Kirchengemeinde den ÖKT miterleben. Auch wir als Landesausschuss denken darüber nach, aus Anlass des ÖKT ein kleines Event hier in Berlin oder in der ­Umgebung auf die Beine zu stellen.

Wird Corona das Thema Nummer Eins auf dem Kirchentag sein?

HB: Oft war in den letzten Monaten zu hören und zu lesen, die Corona-Krise wirke wie ein Brennglas auf bereits bestehende Probleme. Es hat sich gezeigt, dass das Themen­tableau des ÖKT, das schon festgelegt wurde, als „Covid-19“ noch ein Fremdwort war, sehr gut passt zu den Fragen, die sich nun ganz neu stellen. Themen wie Care-Gerechtigkeit, digitale Gesellschaft oder Zukünftige Formen von Kirche, um nur einige wenige zu nennen. Sicherlich werden diese Themen jetzt sehr von Corona bestimmt werden.

Aber Corona soll nicht so sehr das Thema Nummer Eins sein, dass andere wichtige Themen unserer Zeit unter den Tisch fallen – etwa Flucht und Migration, Nachhaltigkeit und Klimapolitik, nicht zuletzt die Ökumene. Schließlich gehen wir in ökumenischer Gemeinschaft durch diese schwierige Zeit.

Was glauben Sie, welches könnte das größte Hoffnungszeichen sein, das der Ökumenische Kirchentag 2021 in die Welt setzen wird?

ET: Dass er stattfindet! Gerade jetzt im November-Lockdown mag sich ein Gefühl breit machen, dass Corona uns vieles nimmt. Der Kirchentag kann zeigen, dass wir auch unter Corona-Bedingungen vieles möglich machen können. Wir sind sehr zuversichtlich, dass es gelingen wird, neue Formen von Gemeinschaftserlebnis zu schaffen. 

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1. Kirche unter dem Kreuz Dr. Horst König Es ist auf jeden Fall zu begrüßen, daß mit der Darstellung die Katastrophe in Bergkarabach ins Bewußtsein gerufen wird. Wenn es im Artikelheißt: „deshalb darf es jetzt kein Schweigen und Wegschauen geben. Denn der Konflikt um Bergkarabach kann sich auf ganz Armenien ausweiten. Unsere christlichen Geschwister brauchen unsere Solidarität, unsere Gebete und aktuell vor allem politische ¬Unterstützung.“ ist das richtig. Doch dabei darf es nicht bleiben. Die EKD und die EKBO sollen – soweit noch nicht geschehen – offiziell Stellung beziehen und von der Deutschen Regierung klare politische und materielle Unterstützung für Armenien einfordern.
2. Armenien Klaus Mengel Die Historie Armeniens und die aktuellen Ereignisse sind schlimm - es tut weh.
Was kann man tun, wie kann man helfen?
3. Medienarbeit braucht Wolfgang Banse Auf diesem wege übermittle ich der Evangelischen Wochenzeitung:die Kirche meine herzlichsten Glück-und Segenswünsche zum 75. Bestehen dieser Zeitung. Die Zeitungslandschaft wäre um einiges ärmer, wenn es die Evangelische Wochenzeitung:die kirche nicht gäbe.Neben der Wochenzeitung:die Zeit erwerbe ich jeden Donnerstag die Evangelische Wochenzeitung:die Kirche. Mir würde und anderen sicher auch etwas fehlen, wenn diese Zeitung nicht mehr existieren würde.Weiterhin viel Erfolg und nochmals herzlichen Glückwunsch

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